Haupt/Waneck/Temelin: Österreich sorgt vor - Kaliumjodidtabletten bestellt

Schutz vor Schilddrüsenkrebs bei Reaktorunfall

Wien (BMSG) - "Bei Kernkraftwerksunfällen spielt radioaktives Jod eine dominierende Rolle. Kaliumjodidtabletten, zeitgerecht eingenommen, können die Aufnahme von radioaktivem Jod in die Schilddrüse wirkungsvoll blockieren und so Schilddrüsenkrebs vorbeugen", begründeten heute Bundesminister Mag. Herbert Haupt und Gesundheitsstaatssekretär Univ. Prof. Dr. Reinhart Waneck die Beschaffung der Tabletten. ****

"Kinder und Jugendliche sind nach den Erfahrungen, die man nach der Katastrophe in Tschernobyl gemacht hat, durch Radiojod besonders gefährdet", so Haupt, der allen Kernkraftbefürwortern, vor allem jenen von Temelin, den Besuch einer weißrussischen Kinderkrebsstation empfahl. Österreich verfüge daher seit 10 Jahren über ein umfassendes Bevorratungskonzept mit Kaliumjodidtabletten (KJ), die nun erneuert werden müssten, da ihre Haltbarkeit Ende Juni 2002 auslaufe.

Radioaktive Jodisotope können im Falle eines Reaktorunfalls zunächst beim Durchzug einer radioaktiven Wolke durch einatmen in den Körper gelangen. In weiterer Folge wird Radiojod auch über kontaminierte Nahrungsmittel (vor allem Milch) in den Körper aufgenommen. Radiojod wird in der Schilddrüse gespeichert und bestrahlt dieses Organ intensiv, wodurch nach Jahren Schilddrüsenkrebs entstehen kann. "So leiden alleine in Weißrussland 1050 Kinder an Schilddrüsenkrebs als Spätfolge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl", so Waneck, der sich von den Auswirkungen bei seinem Treffen mit dem Weißrussischen Gesundheitsminister Igor Zelenkevitch im vergangenen Jahr ein Bild der Lage vor Ort machen konnte. Ein Teil dieser Kinder ist in Österreich medizinisch betreut worden.

Für die Weltgesundheitsorganisation stellt die Bevorratung von Kaliumjodidtabletten für Kinder und Jugendliche eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen bei schweren Kernkraftwerksunfällen dar. Das österreichische Bevorratungskonzept mit KJ-Tabletten für Kinder und Jugendliche umfasst drei sich ergänzende Versorgungsschienen, welche die Versorgung dieser Zielgruppen gewährleisten:

  • kostenlose Heimbevorratung für Kinder und Jugendliche (auch für Schwangere und Stillende)
  • Lagerung großer Tablettenkontingente in Apotheken und ärztlichen Hausapotheken für den Anlassfall (bei fehlender Heimbevorratung)
  • in Schulen, Kindergärten, Horten etc. wird eine Tagesdosis von KJ für jedes Kind bevorratet, damit in einem Anlassfall während der Kindergarten-/Schulzeit die zeitgerechte Einnahme der Tabletten gewährleistet ist.

Erwachsene können die Tabletten in den Apotheken und ärztlichen Hausapotheken käuflich erwerben.

"Während Österreich im Jahre 1990 weltweit das einzige Land mit einer flächendeckenden Bevorratung mit Kaliumjodid war, haben nach bekannt werden der Ergebnisse von Studien über die Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs nach Tschernobyl weitere Länder, wie Finnland, Luxemburg und Belgien auf breitflächige Vorsorge für die Kinder und Jugendlichen umgestellt. In anderen Ländern wurden zumindest in der Umgebung von Kernkraftwerken Vorräte an Tabletten für die Bevölkerung, vor allem für die Jugend angelegt oder die Bevorratung verstärkt", erklärte Waneck.

"Hoffen wir, dass Temelin nie in Betrieb geht und wir nie Kaliumjodidtabletten brauchen werden", schlossen Haupt und Waneck. (Schluss) mg bxf

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