Sozialpartner setzen im IKT-Bereich auf Aus- und Weiterbildung

Gemeinsam unterstützen die vier Sozialpartner-Präsidenten die Empfehlungen des Beirats für Wirtschafts- und Sozialfragen zur Stärkung der digitalen Wirtschaft

Wien (PWK029) - "Im Sinne der Standortsicherung und als Impuls für die Beschäftigung sollen die Empfehlungen der Beiratsstudie zur Digitalen Wirtschaft verstanden und umgesetzt werden", präsentierte Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, heute in der WKÖ die neueste Studie des Beirats für Wirtschafts- und Sozialfragen. Leitl unterstrich, dass es im vergangenen Jahr erstmals gelungen ist, mehr als 25.000 Neugründungen von Unternehmen zu erzielen. "Die meisten davon, fanden im IKT-Bereich statt. Auch gelang es im engeren Bereich der IKT-Sachgüterproduktion und IKT-Dienstleistungen in nur zwei Jahren einen Zuwachs der Beschäftigten von mehr als 11 Prozent auf über 111.000 zu realisieren", verdeutlichte Leitl die Bedeutung des Informations- und Kommunikations-Technologie-Sektors. Für den weiteren Ausbau dieses Sektors möchte Leitl in Zukunft verstärkt auf den Aus- und Weiterbildungsbereich setzen. "Unabhängig von Beruf, Alter und Ausbildung muss es gelingen, neue Motivationen für den Umgang mit IKT zu schaffen. Der Computer muss zur neuen Kulturtechnik werden!"

In Richtung der Politik kritisierte Leitl die Aufsplitterung der Kompetenzen im digitalen Bereich: "Hier bedarf es eines gesamthaften Konzepts und nicht einer Aufteilung auf viele verschiedene Ministerien." Als flankierende Maßnahmen schlug Leitl das Eintreten für die Umstrukturierung des Forschungsfreibetrages und das vermehrte Auftreten von Klein- und Mittelbetrieben auf elektronischen Marktplätzen vor.

"IKT ist mehr als ein neuer Wirtschaftszweig. Sie haben in allen Bereichen Eingang gefunden", fasste Fritz Verzetnitsch, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, die Erkenntnisse der Beiratsstudie zusammen. "Wir haben hier die Chance, dass eine neue, lange und hochwertige Wertschöpfungskette entlang dieser digitalen Wirtschaft entstehen könnte. Um diese aufzubauen und zu halten, brauchen wir entsprechend ausgebildete Fachkräfte und gut geschulte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer." Zentrale Empfehlungen des Beirats in diesem Zusammenhang sieht Verzetnitsch im Transfer von universitärem Wissen in Betriebe, in einer entsprechenden Ressourcen-und Lehrkräfte-Ausstattung aller Ausbildungsstätten, einer Aufstockung der Fachhochschulstudiengänge und einer Sicherung des kostenlosen Zugangs zu Ausbildung. Auch Verzetnitsch möchte alle Altersgruppen mit IKT-Umgang vertraut machen: "Bei der Computertechnologie verlassen wir uns derzeit zu sehr auf die nachkommenden Generationen."

Auch für Herbert Tumpel, Präsident der Bundesarbeiterkammer, ist eine IT-Offensive in der Aus- und Weiterbildung das eindeutige Signal der Beiratsstudie. Tumpel:"Über kurz oder lang wird es keinen Berufsbereich geben, in dem die Arbeitnehmer nicht in irgendeiner Form mit Datenverarbeitung konfrontiert sind." Gerade im Bereich der Weiterbildung plädierte Tumpel für mehr staatliche Förderungen. "Zehn Prozent der Arbeitnehmer betrieben heute Weiterbildung auf eigene Kosten. Gerade Frauen, älteren Arbeitnehmern und Arbeitern müssen mehr Chancen auf Weiterbildung gegeben werden, denn es ist das Können jedes einzelnen Arbeitnehmers, das zählt."
Im Sinne der Beiratsstudie forderte Tumpel für den Ausbildungsbereich eine bessere Ausstattung der Schulen mit Computer, einen Ausbau des Gegenstandes "Informatik" an den Berufsschulen und der AHS-Oberstufe. Moderne Ausbildungsverbünde sollen die Lehrlingsausbildung verbessern. Tumpel weiters: "Klar spricht sich die Studie auch für bessere Rahmenbedingungen bei der Bildungskarenz aus."

"Drei von fünf Bauernhöfen sind heute bereits mit PC ausgestattet. Auch das Internet ist heute in der Landwirtschaft nicht mehr wegzudenken", schilderte Rudolf Schwarzböck, Vorsitzender der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern den IKT-Einsatz der österreichischen Landwirte. "Die Konzeption des 'Schnitzels mit Stammbaum' ist heute ohne Internet undenkbar." So ergehen beispielsweise sämtliche Tieränderungsmeldungen online, Einkaufsentscheidungen können auf diese Art wesentlich effizienter gefasst werden. Erfolgreich in diesem Zusammenhang entwickelt sich auch die Internetplattform der Landwirtschaftskammern (www.agrarnet.info). "Für den internationalen Wettbewerbsvorsprung ist eine entsprechende Bildungsarbeit unabdingbar", unterstrich Schwarzböck die Weiterbildungsempfehlungen der Beiratsstudie.

Angesprochen auf den IT-Fachkräftemangel und die in diesem Zusammenhang häufig diskutierte Einführung einer Greencard betonten die Sozialpartnerpräsidenten durch Aus- und Weiterbildung den Bedarf aus eigener Kraft zu decken. Denn es sei illusorisch zu glauben, dass IT-Fachkräfte nur in Österreich gesucht werden. Leitl dazu: "Wer sich nicht selbst hilft, der bleibt über!" (AB)

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