Leitl zu digitaler Wirtschaft: "Standort verbessern - Arbeitsplätze schaffen"

WKÖ-Präsident fordert Gesamtkonzept für ITK, Umstrukturierung der Förderungspolitik und klare Regeln für elektronische Marktplätze

Wien (PWK024) - "Im Mai 2001 waren in Österreich rund 111.000 Personen im ITK-Sektor beschäftigt und erwirtschafteten einen Umsatz von 28,5 Milliarden Euro (392 Milliarden Schilling). Rund doppelt soviele Beschäftigte gibt es in verwandten Bereichen", quantifiziert Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, die Größe der heimischen digitalen Wirtschaft. Grundlage der Digitalen Wirtschaft ist der rasche technische Fortschritt auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Die gesamte Digitale Wirtschaft umfasst Unternehmen aus den Bereichen Netzbetreiber, Hard- und Softwarelieferanten, Produzenten von digitalen Inhalten, elektronische Diensteanbieter und Sendeanstalten. Eine Studie des Beirats für Wirtschafts- und Sozialfragen, der sich aus den vier Sozialpartnerorganisationen Wirtschaftskammer, Österreichischer Gewerkschaftsbund, Arbeiterkammer und Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern zusammensetzt, trägt dieser Entwicklung Rechnung. Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz der vier Sozialpartnerpräsidenten wurden die Auswirkungen auf und die daraus abgeleiteten Empfehlungen für die österreichische Wirtschafts- und Arbeitswelt dargestellt.

In einer Stärkung der heimischen digitalen Wirtschaft sieht Leitl einen entscheidenden Beschäftigungsimpuls. "Die digitale Wirtschaft schafft Arbeitsplätze. Alleine die Betreiber von mobilen Netzen haben in den letzten drei Jahren direkt und indirekt ca. 10.000 Arbeitsplätze geschaffen." Und Österreich macht auch im internationalen "digitalen" Vergleich ein gutes Bild. "25 Prozent der Österreicher informieren sich über Produkte via Internet. Das ist in Europa Platz sechs. Der Anteil der Internet-Nutzer, die online Einkäufe tätigten, beträgt rund 12 Prozent. Das ist Rang vier in Europa. Und mit 74 Prozent Handyverbreitung liegen wir nur knapp hinter den skandinavischen Ländern", skizziert Leitl Österreichs digitales Ranking. Und Leitl weiters: "Generell kann gesagt werden:
Bei guter Ausgangslage muss Österreich noch besser werden."

In diesem Sinne möchte Leitl die Beiratsstudie als Anlass für ein gesamthaftes Konzept von Regierung und Sozialpartnern verstehen. "Unsere zentralen Ziele sind die Erhöhung der Wertschöpfung, der Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigung. Durch Maßnahmen im Aus-und Weiterbildungsbereich sollen alle Österreicherinnen und Österreicher den Umgang mit den digitalen Anwendungen erlernen.

"Der steuerliche Forschungsfreibetrag gehört umstrukturiert", spricht Leitl die durch die Studie erkannten Schwachstellen der heutigen Förderungspolitik an. Der Wirtschaftskammer-Präsident fordert dabei eine Ausweitung des Forschungsfreibetrages auf Aufwendungen für Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens und für Softwareentwicklung. "Alternativ zum Forschungsfreibetrag sollen insbesondere start ups, die in den ersten Firmenjahren noch keine Gewinne schreiben, die Möglichkeit einer Steuergutschrift haben, die der steuerlichen Entlastung durch den Forschungsfreibetrag entspricht." Weiters plädiert Leitl für den Ausbau von kooperativen Forschungseinrichtungen und von Kompetenzzentren.

Als weiteren zentralen Punkt spricht Leitl die wachsende Bedeutung elektronischer Marktplätze an. Auch wenn heute in Europa Unternehmen untereinander erst 8,6 Milliarden Euro (118,3 Milliarden Schilling) über diese Business-to-Business Plattformen umsetzen, so wird schon im Jahr 2005 mit über 900 Milliarden Euro (12,4 Billionen Schilling) gerechnet. Die mit diesem Marktauftritt verbundenen Kosten- und Marketingvorteile wollen die Sozialpartner durch verstärkte Information und entsprechende Gestaltung der internationalen Zugangsregelungen auch Österreichs Klein- und Mittelbetrieben zukommen lassen. Leitl: "Dazu braucht es auch eine entsprechende Qualifizierung der Mitarbeiter in Hinblick auf Fremdsprachenkenntnisse und Umgang mit den neuen Medien."

Die rasche Umsetzung einer EU-Richtline zum Urheberrechtsschutz wird seitens der Beiratsstudie empfohlen. Leitl:"Nur durch den Schutz der Urheberrechte auch im Internet können sinnvolle Geschäfte gemacht und letztendlich neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Man muss von dem Gedanken abkommen, dass alles was im Internet steht zugleich auch gratis ist."

Deutlich spricht sich die Studie auch für eine Vereinfachung des bestehenden Systems der Verwertungsgesellschaften in Richtung eines "One-Stop-Shop-Verfahrens" aus. Derzeit existieren in Österreich zwölf verschiedene Verwertungsgesellschaften, an die sich beispielsweise ein Programmierer von Computerspielen wenden muss, wenn er sein Spiel auf den Markt bringen möchte. "Da stoßen High Tech-Generation und Verwertungsrecht aus den 30iger Jahren aufeinander. Das kann es wohl nicht sein", unterstreicht Leitl die Empfehlung des Beirats. (AB)

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