bfi zur Erhöhung des Bildungsfreibetrags: einseitig, sozial unausgewogen und nicht ausreichend!

Österreich braucht vielmehr eine Qualifizierungsoffensive und den Abbau bestehender Weiterbildungsbarrieren

Wien (OTS) - Dass die von Bundesministerin Gehrer gerühmten bildungspolitischen Maßnahmen einen wichtigen Schwerpunkt im heute vorgestellten "Konjunkturpaket" der Bundesregierung bilden, mag stimmen, mit einer chancengerechten Bildungspolitik haben sie allerdings wenig zu tun, kritisiert das Berufsförderungsinstitut Österreich. Die Erhöhung des Bildungsfreibetrags für Unternehmen von 9% auf 20% und der Einführung einer Bildungsprämie für Kleinbetriebe würden in erster Linie den Unternehmen zugute kommen. "Steuerliche Anreize für betriebliche Weiterbildung seien zwar grundsätzlich zu begrüßen, in dieser Form würden die Beschäftigten allerdings in sehr unterschiedlicher Weise profitieren. Jenen, die Weiterbildung am nötigsten hätten, würde leider wenig geholfen werden", stellt der Bundesgeschäftsführer des bfi, Michael Sturm, dazu fest.

Alle bisherigen Untersuchen haben ergeben, dass die Chancen zur Beteiligung an betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen sehr ungleich verteilt sind. Eine jüngst vorgestellte IFES-Studie kommt zu folgenden Ergebnissen: Während 40% der Angestellten im letzten Jahr eine betriebliche Weiterbildung in Anspruch nehmen konnten, waren es bei den Arbeitern weniger als die Hälfte, nämlich nur 18%. Innerhalb der Gruppe der Angestellten lag die Beteiligung der weniger qualifizierten bei 21%, bei den qualifizierten (46%) und den leitenden Angestellten (57%) deutlich darüber. Je höher also die Position im Unternehmen, desto größer ist die Chance auf eine betrieblich unterstützte Weiterbildung. An dieser Verteilung wird sich durch die Anhebung des Bildungsfreibetrags auch in Zukunft wohl kaum etwas ändern.

Da die berufliche Stellung im Unternehmen maßgeblich von den erlangten Bildungsabschlüssen abhängt, kommt es auch hier zu ungleichen Beteiligungschancen. So haben nur 10% der Pflichtschulabsolventen im letzten Jahr an einer betrieblichen Weiterbildung teilgenommen, bei den Lehr- und Fachschulabsolventen waren es 25%, bei den Maturanten immerhin 60%. Arbeitnehmer mit geringer schulischer Ausbildung haben nachweislich ein deutlich höheres Risiko, arbeitslos zu werden. Kein Wunder, von innerbetrieblicher Weiterbildung und Förderung profitieren sie kaum.

Angesichts dieser Fakten und des dramatischen Anstiegs der Arbeitslosenzahlen wären aus bildungs- und arbeitsmarktpolitischer Sicht ganz andere Maßnahmen erforderlich als nur den Unternehmen einseitig die steuerlichen Absetzmöglichkeiten zu verbessern. Lebensbegleitendes Lernen, wie allerorts gefordert, bedarf vor allem auch direkter Investitionen durch die öffentliche Hand für jene, die vom Zugang zur Weiterbildung bisher weitestgehend ausgeschlossen sind. Denn anders als für den Schulbereich stellt die OECD Österreich bei der Finanzierung der Weiterbildung ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Die Ausgaben der öffentlichen Hand liegen hierfür bei mageren 0,1% des Bildungsbudgets. Dieses Ungleichgewicht wurde zuletzt auch vom Rechnungshof heftig kritisiert.

Gerade in Zeiten des rasanten wirtschaftlichen Strukturwandels müssten bestehende Zugangsbarrieren zur Weiterbildung abgebaut und allen Arbeitnehmern zumindest eine zweite Chance eröffnet werden. Dazu wäre es dringend notwendig, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu zählen der Auf- und Ausbau eines flächendeckenden, kostengünstigen Weiterbildungsangebots, das gebührenfreie Nachholen von schulischen Abschlüssen, ein Rechtsanspruch auf Bildungsfreistellung, der, wie der Arbeits- und Sozialrechtsexperten Wolfgang Mazal beim Neujahrstreffen der Bundesregierung betonte, kein Tabu sein dürfe, und natürlich ein Rechtsanspruch auf Weiterbildung für Arbeitslose, wie er aktuell von den Arbeitnehmerorganisationen gefordert wird. "Denn um die steigende Arbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Mangel an Fachkräften effektiv bekämpfen zu können, bedarf es in erster Linie einer Qualifizierungsoffensive. Steuerbegünstigungen als Anreiz für die Unternehmer, in ihre Mitarbeiter zu investieren, werden dafür mit Gewissheit alleine nicht ausreichen", schließt Sturm.

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