DER STANDARD-Bericht: "Wie man zu EU-Geldern kommt - Ausgliederung der Artothek: Die Grünen vermuten Missbrauch" - Erscheinungstag 15. 1.2002 - (von Thomas Trenkler)

Wien (OTS) - Die Öffentlichkeit wurde nicht informiert, es gab
auch keine Ausschreibung: Im Mai 2001 suchte das Kunststaatssekretariat einen Interessenten für die Verwaltung der Artothek (26.000 Objekte mit einem Wert von 13,6 Millionen Euro). Bis Ende Juni war das Anbot zu stellen.

Wie berichtet, erhielt die Gesellschaft zur Förderung der Digitalisierung des Kulturguts den Zuschlag. Dieser Verein existierte aber zum Zeitpunkt der Ausschreibung noch gar nicht: Die Gründung fand erst am 11. September statt. Zudem ist er bis heute nicht aktiv:
Die Statuten werden derzeit ausgearbeitet, die Gründungsversammlung erfolgt erst in einigen Wochen. Die Gesellschaft hat aber bereits mit 1. Jänner die Digitalisierung der Kunstwerke übernommen, wie Geschäftsführer Christian Pultar bestätigt.

Pultars Verein erhielt den Zuschlag, weil er Mittel aus dem EU-Programm Equal lukrieren konnte. Und zwar 50.000 Euro für die Startphase - mit guter Chance, in den nächsten drei Jahren 500.000 bis eine Million Euro zu erhalten. Sofern er von einem Sozialpartner unterstützt wird.

Die Standard-Recherche animierte den Grünen Abgeordneten Karl Öllinger, der Sache nachzugehen: Er vermutet einen "Missbrauch einer EU-Initiative", die in erster Linie den Sinn hat, neue Arbeitsplätze ohne Diskriminierung zu schaffen.

Als Partner gibt das CV-Mitglied Pultar die WWV Partner SteuerberatungsgmbH an. Sie hat die gleiche Adresse und Telefonnummer wie der ominöse Digitalisierungsverein, der laut Einreichung 10 bis 50 Mitarbeiter hat, tatsächlich aber nur aus den sechs Gründungsmitgliedern besteht. Pultar ist Teilhaber der WWV.

Als dritter Partner wird Kucera"s Fotostudio in der Wiener Porzellangasse angeführt. Der Ansprechpartner ist ein Teilhaber namens Kurt Pultar, die Telefonnummer aber wieder die gleiche: Alle Fäden enden bei Christian Pultar.

Zudem seien das Fotostudio und die WWV "private Organisationen ohne Erwerbscharakter". Was Karl Öllinger nicht glauben kann, da sie doch GmbHs sind. Was aber notwendig ist für das EU-Geld: Das Projekt läuft unter dem Strang "Stärkung der Sozialwirtschaft/Dritter Sektor". Die Grünen bringen eine parlamentarische Anfrage ein.

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