DER STANDARD-Bericht: "Würde nie unterschreiben": Prominente wehren sich gegen Temelín-Kampagne der "Kronen Zeitung" - Erscheinungstag 12.1.2002

München/Wien (OTS)- Vehement verwahren sich Prominente gegen Vereinnahmung durch die Krone-Kampagne für das Anti-Temelín-Volksbegehren der FPÖ. Tobias Moretti war Freitag mit "Warum ich gegen Temelín unterschreibe!" auf der Titelseite des Kleinformats. Im Standard-Gespräch stellt er klar, dass er das gar nicht tun wird. "Bulle" Ottfried Fischer, dessen Konterfei die Krone ebenfalls einsetzt, erklärt: "Ich würde das nie unterschreiben."

Zwar stellt sich Fischer als "Galionsfigur" der bayerischen Plattform gegen Temelín zur Verfügung. Ihn in die Nähe des Volksbegehrens der Freiheitlichen zu bringen, sei aber "degoutant", sagt Fischer dem Standard: "Man kann auch jemandem, der kein Fleisch isst, nicht automatisch zu den Nationalsozialisten zählen, weil Hitler Vegetarier war."

Weil nicht österreichischer Staatsbürger könnte Fischer das Volksbegehren ohnehin nicht unterschreiben (das hat die Krone in seinem Fall auch nicht behauptet). Ihm geht es um grundsätzliche Distanz.

Mit blauer Anti-Atom-Politik wolle er "nichts zu tun haben, meine ist eher grün". Das "Haider-Volksbegehren" nennt Fischer "populistisch und opportunistisch": "Die würden auch ein Pro-Kernkraft-Volksbegehren machen", könnte man dadurch die EU-Osterweiterung be- oder verhindern, meint der bayerische TV-Star über "fremdenfeindliche" Politik der FPÖ.

Tobias Moretti sagte im Gespräch mit dem Standard, man habe ihm von Seiten der Krone gesagt, es gehe um "ein kleines Statement zwischen André Heller und Niki Lauda". Daraus sei eine Titelseite "mit meinem Kameraden geworden, der nicht mehr lebt" (der Hund). Damit wolle man die 80jährigen "aus ihren Wohnungen herauslocken," um eine größtmögliche Beteiligung zu erzielen.

Seine inhaltliche Kritik an Temelín sei richtig wiedergegeben worden. Aber "ich kann gar nicht unterschreiben, weil ich im Ausland bin." Zudem wehre er sich gegen "parteipolitischen Missbrauch."

Auch nicht sehr glücklich ist "Fitness-Papst" Willi Dungl mit seinem Krone-Engagement. Er sei wohl angerufen worden und habe auch gesagt, das er gegen Atomkraftwerke sei, meinte Dungl auf Nachfrage des Standard. Dass er damit aber vom Titelblatt prangen würde, habe er nicht gewusst: "Gut, ich hätt" ja auch nachfragen können." Aber beim Gespräch mit der Krone hätte es sich auch eher um einen "Anruf zwischendurch" gehandelt. Seine Ansicht, so Dungl, sei nach wie vor, dass man das AKW Temelín nicht verhindern könne, "aber den Tschechen zeigen muss, dass man so nicht mit uns umgehen kann".

Auch jenseits der Krone ist unter den Prominenten Österreichs der Bekenntniszwang für und wider Temeín voll ausgebrochen. Er ist nicht nur auf Bürger mit ausgesprochener Parteienpräferenz beschränkt, sondern macht auch vor Vertretern des geistlichen Standes nicht halt, die sich gewöhnlich nicht so sehr um weltliche Angelegenheiten kümmern. So sieht der wortgewaltige St.Pöltener Bischof Kurt Krenn im Volksbegehren lediglich eine "Demonstration", die er nicht unterstützen will. Damit liegt Krenn diesmal zwar ganz auf der Linie der Katholischen Aktion, nicht aber auf der des Linzer Kirchenvolkes:
78 Prozent der Diözesanmitglieder wollen, dass die Kirche das FP-Volksbegehren vorberhaltlos unterstützt. (fid, kob, sp)

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