ÖAMTC warnt: Ohne zweite Tunnelröhre keine Sicherheit

Einröhriger Roppener Tunnel gilt laut ÖAMTC-Tunneltest als "bedenklich und gefährlich"

Wien (ÖAMTC-Presse) - Der Frontalzusammenstoß Freitagfrüh im 5,1 km langen einröhrigen Roppener Tunnel der Inntalautobahn bei Imst hat zwei Schwer- und einen Leichtverletzten gefordert. "Dieser Unfall unterstreicht wieder einmal, wie gefährlich Autobahntunnel mit Gegenverkehr sind", schlägt Willy Matzke, Tunnelexperte des Clubs, Alarm. Im ÖAMTC-Tunneltest gelten der Roppener Tunnel und der 2, 9 km lange Perjenntunnel im Oberinntal bei Landeck als "bedenklich und gefährlich". Das sei bereits seit 1999 bekannt, so der ÖAMTC-Experte.

Eine Studie der Uni Innsbruck weist eindeutig nach, dass die Sicherheit im Roppener Tunnel auch wegen des starken Verkehrs nur durch eine zweite Röhre gewährleistet werden kann, die im Notfall auch als Flucht-und Rettungsstollen für Einsatzkräfte zur Verfügung steht. "Im Roppener Tunnel ist vor allem die Lüftung völlig unzureichend. Bei einem Brand hätte es womöglich wieder Tote gegeben", gibt Matzke zu bedenken.

Auf der gleichen Route zum Arlberg wird derzeit der rund sechs km lange Umfahrungstunnel von Strengen mit zwei Röhren gebaut. Der 13 km lange Arlberg-Straßentunnel wird Querstollen zum Bahntunnel erhalten, damit man sich im Notfall gegenseitig helfen kann. Nach dem letzten tödlichen Unfall im Ambergtunnel der Rheintalautobahn bei Feldkirch hat man in Vorarlberg schon die Konsequenzen gezogen und die zweite Röhre zu bauen begonnen.

"Auch die Notwendigkeit einer zweiten Röhre für den Pfändertunnel steht außer Frage", betont der Tunnelexperte. Bis zum Sommer wird der einröhrige Pfändertunnel auf den von der Tunnelkommission geforderten Sicherheitsstandard gebracht, wie der ÖAMTC inzwischen auch bereits für die -gleichfalls noch einröhrigen - Tunnel am Bosruck, am Katschberg und am Tauern erreicht hat. Matzke: "Das bedeutet vor allem mehr Licht, hellere Tunnelwände, beleuchtete Randstreifen und eine bessere Belüftung, sowie einen Rumpelstreifen in der Fahrbahnmitte." Alle neuen Tunnel auf Autobahnen oder Fernstraßen, wie beim Lückenschluss am Semmering und auf der Pyhrnroute, werden zweiröhrig oder zumindest mit einem Rettungsstollen gebaut.

Ähnlich gefährlich wie die einröhrigen Tunnel in Tirol sind laut ÖAMTC-Tunneltest auch der Ganzsteintunnel bei Mürzzuschlag und der einröhrige Lainbergtunnel auf der Pyhrnroute bei Windischgarsten. Dieser steht mit 20 weiteren Tunnels in Europa derzeit auf dem Prüfstand des Clubs. Bisher hat der ÖAMTC gemeinsam mit internationalen Tunnelexperten 70 Großtunnel in ganz Europa überprüft.

ÖAMTC fordert doppelte Leitschienen mit Blendschutz

Positiv sieht der ÖAMTC die rasche Reaktion der ASFINAG auf den folgenschweren Unfall auf der Südautobahn Mittwochnachmittag, wo wieder einmal eine abgerissene Aluleitschiene ein Fahrzeug durchbohrte. "Der ÖAMTC hatte schon vor Jahren erreicht, dass Aluleitschienen bei Neubauten oder Generalerneuerungen von Fernstraßen durch Beton oder Stahl ersetzt werden. Nun müssen auch alte Aluleitschienen rasch getauscht werden", wie Willy Matzke festhält.

Der Club fordert zudem die Erhöhung der Rückhalteklasse, wie sie auf Brücken bereits gilt, damit auch schwere Fahrzeuge nicht mehr die Mittelsicherung durchbrechen können. Gleichzeitig wird ein wirksamer Blendschutz gefordert. Seit einer ÖAMTC-Sicherheitsuntersuchung 1998 an mehr als 10.000 Kilometer Fernstraßen im Auftrag der EU haben Nachbarländer, wie etwa Italien die alten einfachen Leitschienen durch doppelte, mit Unterfahrschutz für Motorräder auf weiten Strecken ausgetauscht. Österreich war bisher säumig.

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