Einladungen, die man nicht abschlagen kann von Erwin Frasl

Kommentar - WirtschaftsBlatt

Wien (OTS) - Sind Sie in den vergangenen Tagen auch zum partnerschaftlichen Teilen aufgefordert worden? Nein, ich meine nicht von den Sternsingern, die Gelder für Projekte in den Entwicklungsländern sammeln, sondern von Handelsunternehmen, die ihre Industrielieferanten zum Teilen einladen. Denn bekanntlich macht Teilen ja glücklich. Zumindest den Handel. Besonders, wenn er in einem kleinen Land wie Österreich besonders gross und stark ist, wie etwa die Leiner-kika-Gruppe.

Das Familienunternehmen hat in die Euro-Umstellung viel investiert und ist daher für die neue Währung in allen seinen Möbelhäusern gut gerüstet. An diesem Erfolg möchte die Leiner-kika-Gruppe auch gerne ihre Lieferanten teilhaben lassen: Mit schlichten zwei Prozent des Einkaufsumsatzes von 2001. Die sollen die Lieferanten an Leiner-kika abliefern. Damit es für die Lieferanten nicht zu mühsam wird, saldiert die Leiner-kika-Gruppe diese zwei Prozent der Einfachheit halber gleich mit offenen Forderungen der Lieferanten. Einfacher geht es ja wirklich nicht.

Die Möbelindustrie weiss diesen Service allerdings nicht ausreichend zu schätzen: Sie befürchtet, dass auch andere Möbelhäuser bei den nächsten Jahresgesprächen über Sortiment, Handelsspanne und Vertriebspolitik auf derartige Ideen kommen, um im Wettbewerb mit Leiner-kika mithalten zu können. Womit sich der Preisdruck auf die Möbelindustrie noch verschärfen würde. Schon jetzt befürchten Branchenkenner, dass ein Viertel der Möbelerzeuger die nächsten Jahre wirtschaftlich nicht überleben kann und wird. Zu viele befinden sich schon jetzt in den roten Zahlen.

Allerdings muss die Möbelindustrie froh sein, dass der Ideenreichtum in den Beziehungen von Möbelhandel und -industrie noch nicht die Kreativität in anderen Branchen erreicht hat: So hat etwa der Vertreter einer Handelskette einem renommierten Lebensmittelerzeuger vor vielen Jahren einmal mitgeteilt, dass alle Lieferanten dem Boss der Handelskette anlässlich eines runden Geburtstages eine neue Filiale schenken dürfen und das Industrieunternehmen herzlich zu einer Gratis-Erstausstattung der Filiale quer durchs Sortiment eingeladen.

Der Konzentrationsprozess in der Wirtschaft wird allerdings den Einfallsreichtum der Handelseinkäufer in allen Branchen kräftig beleben. Da bin ich mir sicher.

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