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Klagenfurt (OTS) - Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Haider - Amt ohne Würde?

Utl.: Ausgabe vom 10. Jan.2002=

Wohin manövriert sich Jörg Haider? In der
"Kärntner Seele" ist er ja solide aufgehoben. An der Peripherie besagten Begriffes und darüber hinaus schlägt dem LH jedoch Ablehnung entgegen, wie sie lange nicht der Fall war. Eine Phalanx österreichischer Zeitungen verurteilt den Versucht zur Errichtung der "dritten Republik" (Autoritätsstaat, Machtkonzentrat). Das einfache Parteimitglied ist jetzt tatsächlich ausgegrenzt. Mehr noch: Es macht sich lächerlich. Und das macht es noch gefährlicher.

Je älter Haider wird, desto sonderbarer benimmt er sich. Von einem Staatsmann keine Spur. Und das ist ja das Schicksal des Oberösterreichers: Dass er zwar ernst, aber weithin nicht für voll genommen wird. Die große, strahlende, die Bundes- oder Europazukunft des FP-Überchefs scheint jedenfalls dahin zu sein.

Was ist das eigentlich für ein Landeshauptmann, was ist das für ein erster Mann im Lande, der, wie in heimischen Tageszeitungen nachzulesen, via Gericht gezwungen ist, sich in aller Form bei einem Klagenfurter Chefinspektor und Landtagsabgeordneten zu entschuldigen. "Ich widerrufe diese meine Behauptung als unwahr. Ich hatte keinen Grund, derartige Vorwürfe zu erheben, und ich entschuldige mich hiefür bei LAbg. Rudolf Schober", musste Haider gestern öffentlich bekannt geben. Da wurde ein Unbescholtener, ein mit bestem Rufe ausgestatteter Beamter und Politiker (im Zuge der so genannten "Spitzelaffäre" - Anm. d. Verf.) vom Landeshauptmann brutal angeschüttet und haltlos verdächtigt, und jetzt entschuldigt sich Haider halt. Ist damit alles o.k.? Oder darf die Frage nach der moralischen Vorbildsrolle des Regierungschefs in den Raum gestellt werden? Heiligt die Politik wirklich alles, was nicht sein soll, was von Übel und untragbar ist?

Dass Haider innerhalb seiner eigenen Partei eher gefürchtet denn geliebt wird, ist ein Faktum, das keiner näheren Erörterung bedarf. Aktueller die Frage: Warum überhören maßgebliche Kärntner Politiker die aus ganz Österreich erschallende Forderung nach Abwahl des LH -es wäre dessen zweiter Hinauswurf aus der Landesregierung - so geflissentlich und auffällig? Einfache Antwort: Haider zu kippen, wäre vor dem Hintergrund seines Republikverständnisses, diverser Eskapaden, Skurrilitäten und Absurditäten kein unmögliches Unterfangen. Damit stünde allerdings auch den Abwählern arge politische Beschädigung ins Haus, wäre doch Haiders Absetzung mit schmerzendem Griff ins "ver-ur-ängstigte" Gemüt der Kärntner Mehrheitsbevölkerung verbunden. Das wissen Haiders Gegner, das weiß er selbst, und das hält ihn - wie lange noch? - im Amt. Ob es ihn in Würden hält, bleibe dahingestellt.

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