Arbeitsmarktlage Ende Dezember: Weiter verschlechtert, + 50.689 (23,3%) Arbeitslose im Jahresabstand mehr

Davon + 10.000 Arbeitslose bedingt durch Stichtagsverschiebung von 21. auf 27. Dezember

Wien (BMWA/OTS) - Aufgrund der ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen und der abgeschwächten wirtschaftlichen Entwicklung wurde das Beschäftigungswachstum am heimischen Arbeitsmarkt im Laufe des Jahres zunehmend geringer. Ende Dezember lag die Zahl der unselbstständig Beschäftigten (ohne geringfügige Beschäftigungsverhältnisse) mit 3.100.298 (1.703.361 Männer, 1.396.937 Frauen) geringfügig, und zwar um 593 bzw. 0,02% unter dem Vorjahreswert. Vor dem Hintergrund des weiterhin stark wachsenden Arbeitskräftepotentials und der derzeit rückläufigen Beschäftigung nimmt die Arbeitslosigkeit weiter zu. So lag Ende Dezember die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen mit 267.825 (169.277 Männer, 98.548 Frauen) um 50.689 (+23,3 %) über dem Vorjahreswert. Diese Zunahme ist jedoch auch Ausdruck eines Stichtagseffekts: Während im Dezember 2000 die Arbeitslosigkeit am 21.12. (also vor den Weihnachtsfeiertagen) erhoben wurde, lagen die Stichtage im Jahr 2001 stets am 27. jedes Monats. Dies hat unter anderem zur Folge, dass zum Stichtag der Anstieg der Bauarbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich überhöht ist ( +21.918, +45,8%). Schätzungen zu Folge liegt dieser Effekt bei ungefähr + 10.000 Personen. Dennoch bedarf es in diesem Bereich rasch greifender Maßnahmen. Daher wird das BMWA wie im Konjunkturpaket festgelegt, Mitte Jänner in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern die Rahmenbedingungen zur Schaffung einer Arbeitsstiftung Bau diskutieren.
Erfreulich ist, dass ein kräftiger Rückgang bei der durchschnittlichen Verweildauer in der Arbeitslosigkeit festzustellen ist. Sie beträgt im Dezember 2001 nur mehr 86 Tage und liegt somit um 7 Tage unter dem Vorjahreswert.

Geschlechtsspezifisch gesehen hat die Arbeitslosigkeit bei Frauen deutlich geringer zugenommen (+7.491 oder +8,2%) als bei Männern, wo eine höhere Zunahme zu beobachten war (+43.198 oder +34,3%). ****

Die von EUROSTAT, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, errechnete saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag für Österreich im November bei 4,0 %. Sie liegt damit weiterhin deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 7,7% (Oktober-Wert). Dies unterstreicht die nach wie vor günstige Position Österreichs im internationalen Vergleich. Österreich liegt hier auf Platz 3 hinter den Niederlanden mit 2,2% (Oktober-Wert) und Luxemburg mit 2,5% (November-Wert). Die höchsten Arbeitslosenquoten innerhalb der Europäischen Union hatten zuletzt Spanien (13%), Italien (9,4% - Juli-Wert), Finnland (9,2%) und Frankreich (8,7%).

Darüber hinaus zeigten sich Ende Dezember am Arbeitsmarkt folgende Tendenzen:

Jugendliche

Österreich weist nach den Niederlanden (5,1%) (im Oktober) nach wie vor den zweitniedrigsten Wert aller EU-Staaten auf, gefolgt von Irland mit 6,7%. Bei den 15- bis 18-Jährigen Jugendlichen nahm im Dezember die Arbeitslosigkeit um 838 (18,3%) auf 5.419 nur unterdurchschnittlich zu, der merklich größere Teil entfiel auf die 19-bis 24-Jährigen (+8.475 bzw. +30,8% auf 35.970 Ende Dezember). Die international vergleichbare Jugend-arbeitslosenquote hat laut EUROSTAT im November 6,1% betragen.

Lehrstellenmarkt

Am Lehrstellenmarkt gab es Ende Dezember 3.641 Lehrstellensuchende und 2.066 gemeldete offene Lehrstellen. Damit stieg im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Lehrstellensuchenden (+717 bzw. +21,2%) während die Zahl der gemeldeten offenen Lehrstellen (+48 bzw. -2,3%) niedriger war.

Altersarbeitslosigkeit

In der Altersgruppe 50-bis 54- Jahre stieg die Arbeitslosigkeit nur moderat um 3.339 (13,3%). Auch bei den 55- bis 59-Jährigen war der Zuwachs unter dem Durchschnitt (+2.608 bzw. +15,7%). Deutlich ausgeprägt ist die Zunahme jedoch bei den über 60-Jährigen (+1.471 bzw. +67,9%). auf 3.638.

Langzeitarbeitslose

Ende Dezember waren 11.663 Personen länger als ein Jahr vorgemerkt. Dies bedeutet einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 3.119 (-21,1 %). Bei der Zahl der 6- bis 12-Monate vorgemerkten Personen gab es eine steigende Tendenz (+4.302 bzw. 12,6%).

Entwicklung in den Bundesländern

Mit einer Ausnahme steigt die Arbeitslosigkeit in allen Bundesländern. Am stärksten fällt die Zunahme im Burgenland aus (+2.631; +30,8%), gefolgt von Niederösterreich (+11.322; +30,7%) und Oberösterreich (+7.405; +29,6%). Wien (+16.457 oder +25,8%) und Steiermark (+8.303 oder + 25,6) weisen ähnlich hohe , leicht überdurchschnittliche Zuwachsraten auf. Demgegenüber ist in den westlichen Bundesländern Salzburg (+11,2%) und Vorarlberg (+12,5%) ein unterdurchschnittlicher Anstieg zu beobachten. In Tirol ist eine leichte Abnahme um 713 (4,5%) festzustellen .

Entwicklung nach Branchen

Im Fremdenverkehr ist die Arbeitslosigkeit deutlich rückläufig (-4.792 oder -15,1%).
In anderen Wirtschaftsbereichen ist zur Zeit eine steigende Arbeitslosigkeit festzustellen. Die stärksten Zuwächse verzeichnete Ende Dezember das Bauwesen mit +21.918 (+45,8%) was zum Teil auch auf den verzerrenden Stichtagseffekt zurückzuführen ist. Nicht zuletzt auf Grund der schwächeren Exportentwicklung nahm mit +10286 (+28,4%) nun auch die Arbeitslosigkeit im Sachgüterbereich überdurchschnittlich zu. Deutliche Zuwächse verzeichneten darüber hinaus auch der Handel (+7.326; +20,7), das Realitätenwesen (+3.638; +25,4) und der Verkehrs- und Nachrichtenbereich.

Schulungen des AMS

Die Schulungsaktivitäten des Arbeitsmarktservice nahmen weiter zu. Ende Dezember betrug die Zahl der in Schulung befindlichen Personen 27.177, ihre Zahl lag damit um 717 (+2,7%) über dem Vorjahreswert. Dieser Anstieg ist alters(gruppen)spezifisch breit gestreut. Überdurchschnittlich hoch war der Zuwachs bei den 15- bis 24-Jährigen. Relativ hohe Zunahmen verzeichneten vor allem die Bundesländer Salzburg, Tirol, Vorarlberg , Oberösterreich und Niederösterreich. Die Schulungsteilnehmer rekrutierten sich schwerpunktmäßig nach wie vor aus den Berufsgruppen Büroberufe, Handel, Metall- und Elektroberufe sowie Hilfsberufe. Sie machten zusammen rund 56% aller in Schulung befindlichen Personen aus.

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