Naturschutz in Österreich - NATURA 2000: "Es ist eine Minute vor Zwölf!"

Umweltdachverband - EU zeigt Österreich, wo es beim Naturschutz lang geht Wien (OTS) - Österreichs Beitrag zum Europaschutzprogramm für gefährdete Tier- und Pflanzenarten absolut unvollständig. EU zwingt Österreich, zahlreiche Naturschönheiten in den Alpen nunmehr unter NATURA-2000 Schutz zu stellen.

Jetzt gibt es keine Ausreden mehr: Ende Februar läuft die letzte Frist für die NATURA 2000-Nachnominierungen der Alpinen Region - die immerhin 2/3 unserer Landesfläche umfasst - ab! "Wird diese Frist versäumt, drohen Österreich eine Verurteilung durch den Europäischen Gerichtshof und Strafzahlungen in Millionenhöhe wegen europarechtswidrigem Verhalten", warnt Mag. Bernd Rajal, NATURA 2000-Rechtsexperte des Kuratoriums Wald. Rajal verweist auf die jüngsten Urteile des Europäischen Gerichtshofs: "Deutschland, Frankreich und Irland wurden bereits im September 2001 durch den EuGH verurteilt, weil sie der Europäischen Kommission keine vollständigen Gebietslisten übermittelt hatten".

Mit dem EU-Beitritt hat sich Österreich verpflichtet, gefährdete Tier- und Pflanzenarten, deren Lebensräume, sowie zahlreiche Naturschönheiten unter Schutz zu stellen und in das gesamteuropäische Naturschutznetzwerk Natura 2000 einzubringen. Österreich hat bis zum heutigen Tag diese Naturschutzrichtlinien nicht vollständig erfüllt und hat jetzt von der EU-Kommission eine letzte Verwarnung aufgebrummt bekommen, so Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes.

Österreich wurde nun von der EU-Komission letztmalig aufgefordert, weitere wertvolle Naturlandschaften in unseren Alpen als Lebensraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten, für das gesamteuropäische Naturschutzprogramm Natura 2000 nachzunominieren. Das von der EU-Kommission an Österreich gerichtete Mahnschreiben zeigt die Naturschutzdefizite Österreichs klar und deutlich auf.

Letzter Appell an sechs säumige Bundesländer

"Die Zeit wird knapp", appelliert Dr. Gerhard Heilingbrunner an die sechs säumigen Bundesländer. Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Kärnten, Tirol und Vorarlberg müssen nun rasch handeln, sonst wird Österreich beim europaweiten Schutz von gefährdeten Tier-und Pflanzenarten und deren Lebensräumen zum Schlusslicht Europas. "Das darf nicht passieren!", sagt Heilingbrunner.

Deshalb veröffentlicht der Umweltdachverband erstmals die komplette Liste aller nachzunominierenden Natura 2000-Alpenschutzgebiete, die von der EU-Kommission eingefordert wurden.

Naturschutz in Österreichs Alpen - Österreich bricht EU-Vertrag. Letzte Frist: Am 1. März 2002 ist es zu spät!

Ein Blick auf die Österreichkarte, erstellt vom Umweltdachverband, zeigt das gesamte Ausmaß des europarechtswidrigen Verhaltens Österreichs: Insgesamt 28 Gebiete müssen bis zum 28. Februar 2002 als Natura 2000 Schutzgebiete an die EU-Kommission gemeldet werden. "Österreich hat daher noch eine letzte Chance, die wichtigsten Naturschönheiten in unseren Alpen an die EU-Kommission nachzunominieren", konstatiert Mag. Franz Essl, NATURA 2000-Experte des Umweltdachverbandes. Österreichs Bundesländer sind verpflichtet, u.a. folgende Landschaften in das gesamteuropäische Naturschutznetzwerk einzugliedern:

  • Oberösterreich: Attersee, Mondsee (Perlfisch), Wolfgangsee, Ennstaler- und Kalkvoralpen, Moore im Salzkammergut...
  • Tirol: Kaisergebirge (Schlucht- und Hangmischwälder), Isel, Kalserbach, Fernpaß (Spirkenwälder), verschiedene Trockenrasen im oberen Inntal, Gurgler Seenplatte...
  • Salzburg: Untersberg (Eschen-Scheckenfalter), viele Flachmoore am Alpenrand...
  • Steiermark: Ennstal (Mager- und Feuchtwiesen), Salzatal, Teile der Eisenerzer Alpen, des Grazer Berglandes und der Niederen Tauern...
  • Kärnten: Lesachtal, Gitschtal/Oberes Gailtal (Dohlenkrebs), Teile der Karawanken, Lavanttal...
  • Vorarlberg: Niedermoore des Rheintals, (Heller Wiesenknopf-Ameisen- Moorbläuling), Lauteracher Ried, Bregenzer Wald, Brandnertal...

Auf den Punkt gebracht bedeutet das: Wer jetzt nicht handelt, lässt unsere alpinen Naturschönheiten im Stich. "Noch haben die Nachzügler Zeit für einen Endspurt", so Heilingbrunner. Es wäre regelrecht eine Schande, wenn Österreich weiterhin vertragsbrüchig bleibt und gerade im internationalen Jahr der Berge eine Verurteilung vor dem EuGH riskiert.

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Mag. Franz Essl
NATURA 2000-Experte UWD
Tel.: 01/40 113/41Dr. Sylvia Steinbauer
Öffentlichkeitsarbeit UWD
Tel.: 01/40 113/21
sylvia.steinbauer@umweltdachverband.atBesuchen Sie auch unsere Website:
http://www.umweltdachverband.atDr. Gerhard Heilingbrunner
Präsident Umweltdachverband
Tel.: 01/406 59 38

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