WirtschaftsBlatt-Kommentar: Der Euro könnte wie Viagra wirken (von Peter Muzik)

Ausgabe vom 28.12.2001

Wien (OTS) - Die kurioseste Meldung des Tages sorgt für Gänsehaut:
Vier von 100 Österreichern glauben derzeit laut einer aktuellen Umfrage immer noch, dass der Euro gar nicht kommt.

Das Erfreulichste, was heute über die neue Währung zu berichten ist, gibt hingegen Kraft: Die meisten Österreicher haben sich - so wie's aussieht - mit dem Euro bereits angefreundet. Viele sind tapfer Schlange gestanden, um mit leuchtenden Augen und angemessenem Stolz ihr Startpaket in Empfang zu nehmen; und unter den Christbäumen waren unzählige Euro-Münzen geschenkmässig verpackt zu finden - ein dezentes Kompliment an das Geld der Zukunft.

Die Oesterreichische Nationalbank hat sich für die professionellen und reibungslosen Vorbereitungsarbeiten jedenfalls eine Art Oscar verdient, und alles spricht dafür, dass der Abschied vom Schilling ziemlich reibungslos über die Bühne gehen wird. Die neue Ära wird zwar die Konsumenten zunächst einmal ebenso verwirren wie alle, die berufsmässig mit Geldwechseln zu tun haben. Es werden obendrein -wovor an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt wird - jede Menge gefälschter Banknoten auftauchen, insbesondere Dollar-, DM- und Lira-Scheine. In spätestens zwei, drei Monaten wird aber der ganze Spuk vorbei sein, werden wir uns alle umgestellt haben und dem Schilling keine Träne mehr nachweinen. Dann eröffnet sich nicht nur für Österreich, sondern für den gesamten Euro-Raum eine einmalige, wenn auch primär nur psychologische Chance: Der Euro, dessen Kursentwicklung uns in der Vergangenheit manches graue Haar beschert hat, könnte nämlich plötzlich zum Symbol des so dringend herbeigesehnten wirtschaftlichen Aufschwungs werden. Als Potenzmittel à la Viagra wäre das neue Geld ideal und besser als alles andere geeignet, das momentane Konjunktur-Kriserl, das allseits so heftig bejammert wird, zu entschärfen. Voraussetzung hiefür wäre allerdings, ihn ebenso perfekt zu vermarkten wie das der US-Pharmakonzern Pfizer mit dem blauen Wunder-Mittel vorexerziert, das angeblich Berge zu versetzen im Stande ist.

Vielleicht würde sogar schon der zu erwartende Placebo-Effekt völlig ausreichen, um die schlaffe Konjunktur möglichst rasch wieder in Schuss zu bringen. Und dass es dabei auch unangenehme Nebenwirkungen geben kann, sollte allen klar sein... (Schluss) PM

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