"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Vergnügliche Freude gewünscht

Ausgabe vom 25.12.2001

In welcher Gesellschaft leben wir? Die Frage ist mit einem Satz nicht zu beantworten, denn der Gesellschaften gibt es viele. Multikulturelle Gesellschaft, Informationsgesellschaft, Wohlstandsgesellschaft, Internetgesellschaft, Freizeitgesellschaft, Single-Gesellschaft sind einige Bespiele. Jüngstes Sozietätskind: Die - vom 11. September 2001 kaum bedrohte - Spaßgesellschaft.

Alles muss Spaß machen: Arbeit, die Freizeit selbstverständlich, das Leben schlechthin und möglicherweise sogar die Trauer. Kaum eine andere Entzauberung von Wertesphären macht derart Karriere wie der Spaß. Fun regiert Medien und den Alltag. Unsere Existenz: eine einzige Fun-Party - ohne jeden Witz.

Und doch: Sind eigentlich alle gut drauf, die so ungeheuer viel Spaß haben, denen der Fun unverzichtbares hedonistisches Element ist? Brüllt wirklich alles vor Lachen, wenn oberflächlich dahinsprudelnde DJs und Moderatoren lächerliche Gags vom Stapel lassen? Spaßig ist in Wirklichkeit kaum etwas - und im Chatroom, diesem abstrusen Kosmos grammatikalischer Abstürze, schon gar nicht. Wenig spaßig ist der Anblick des dem Infarkt entgegenjoggenden Managers; ja nicht einmal der Sport bringt uns Humor, jenen nun in der Tat sympathischen Abkömmling des Spaßmolochs. Und selbst das durchdringendste Merkmal der Spaßgesellschaft, der Drogenkonsum, bereitet Konsumenten und Beobachtern keine herzerquickende Heiterkeit. Bleibt dem Kommentator zu wünschen übrig: Zu den Feiertagen wenig Spaß! Vielleicht geht sich sogar ein wenig vergnügliche Freude aus.

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