"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Noch ist Kärnten nicht verspielt

Ausgabe vom 22.12.2001

Dass der Kärntner Landeshauptmann in der aktuellen Ortstafel-Auseinandersetzung die denkbar mieseste Rolle spielt, sei dem Kommentator als persönliche Meinung gestattet. Das aber enthebt uns alle nicht der Pflicht, an einer Konfliktlösung ernsthaft mitarbeiten zu müssen. Und wir wissen dabei sehr genau, dass bei derart emotionsbefrachteten Konflikten die Keule der reinen Lehre die Erreichung des Zieles nur erschwert.

Gewiss. Von Wien, und im Besonderen von der Löwelstraße aus, die reine Lehre gewissenschonend und mit Überzeugung zu vertreten ist ehrenhaft und kostet (vorerst) nichts. Während sich Alfred Gusenbauer in Wien staatstragend gebärden darf und muss, muss Peter Ambrozy in Kärnten eine SPÖ zusammenhalten, die an emotionaler Buntheit nichts zu wünschen übrig lässt. Da gibt es die Verfassungs-Fundamentalisten ebenso, wie SP-Ortstafel-Bürgermeister, die in der Öffentlichkeit davon schwärmen, dass eine zweisprachige Ortstafel "nur über meine Leich" errichtet werde.

Natürlich könnte man meinen, da sei es schon besser, mit Haltung unterzugehen. Doch der Vorsitzende der SPÖ trägt nicht nur Verantwortung für seine Partei, er trägt in ganz beträchtlichem Ausmaß auch Verantwortung für dieses Land und seine unterschiedlichsten Menschen. Die Bundes-SPÖ agiert, als wäre Kärnten ohnehin verspielt. Das aber ist dieses, unser Land noch lange nicht. Nicht nur Peter Ambrozy, Kärnten darf sich in seinem Ringen um ein neues Zusammenleben mit Recht erwarten, dass man ihm nicht in den Rücken fällt.

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.at

Kärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI