Swoboda lud zu Dialog zwischen Ramadan und Stiller Nacht

Wien (SK) "Ich bin froh, dass es in Österreich die gesetzliche Anerkennung der Muslime gibt, aber das genügt noch nicht. Wir müssen in einem positiven Sinn akzeptieren, dass wir viele BewohnerInnen mit muslimischen Glauben haben", erklärte SPÖ-EU-Delegationsleiter Hannes Swoboda Freitag bei einem Gespräch unter dem Titel "Zwischen Ramadan und Stiller Nacht", zu dem er Gemeinderatsabgeordnete Nurten Yilmaz, Omar Al-Rawi von der Arbeitsgemeinschaft Islam und Sozialdemokratie, Aziz Gülüm vom Wiener Integrationsfond und Carla Amina Baghajati von der Initiative muslimischer Österreicherinnen und Edith Schlaffer vom Boltzman-Institut für Politik und zwischenmenschliche Beziehungen geladen hatte. Swoboda betonte, dass die wesentlichen Auseinandersetzungen im Islam selbst stattfänden, da sich Österreich einer religiösen Ausrichtung in der einen oder anderen Richtung großteils enthalte. ****

Der Islam sei ein festgefügtes religiöses Gebäude, das Christentum könne oft als karitative Weltanschauung gelten. Ein offenes Bekenntnis zu einem laizistischen Staat sei nicht in dem Ausmaß wie beim Christentum vorhanden, was einige Schwierigkeiten mit sich bringe, so Swoboda.

Gülüm sagte, das Thema Islam sei in den Medien leider negativ besetzt, obwohl Fundamentalismus nicht nur mit dem Islam zu diskutieren sei. Mit den Klischees in den österreichischen Medien würde die Ausländerfeindlichkeit genährt. "Viel aus dem Islam wird leider instrumentalisiert", beklagte Gülüm.

Baghajati betonte die Notwendigkeit der Gleichberechtigung der Dialogpartner. Man dürfe keine Gespräche über die Köpfe der Betroffenen hinweg führen, die sich selbst äußern müssten. Der Dialog müsse außerdem für beide Seiten fruchtbar sein. Baghajati zeigte sich erfreut über die Anerkennung der muslimischen Religion in Österreich, die jetzt in der zweiten und dritten Generation keine Gastarbeiterreligion mehr sei. "Frauen müssen sichtbar gemacht werden, indem man die Frauenrechte diskutiert."

Yilmaz forderte einen Dialog nicht nur vom Gastgeberland Österreich, sondern auch von muslimischer Seite, wo man kaum etwas über die "christliche Welt" wisse. "Das Informationsdefizit muss auf beiden Seiten aufgehoben werden." Neben der gesetzlichen Gleichberechtigung seien
Differenzen vorhanden, was keine Rolle spiele, solange diese nicht ausgenützt würden, meinte Yilmaz.

Al-Rawi forderte einen offenen Dialog ohne Berührungsängste und mit möglichst wenig Vorurteilen. Man müsse den anderen in seiner historischen, sozialen und psychischen Situation verstehen, denn am Dialog führe kein Weg vorbei. Es gebe ein weites Spektrum für die Anliegen der muslimischen Bevölkerung, das auch politisch vertreten werden müsse, so Al-Rawi.

Schlaffer berichtete von der Unterstützung der Frauen in Afghanistan, wo ein kleines Modellprojekt für Frauen stattfinde. Die Frauen seien abhängig von der Unterstützung im Westen und wollten jetzt einen säkularisierten Staat, in dem Religion Privatsache sei. "In Wien wird jetzt die Plattform 'Frauen ohne Grenzen' gegründet, die sich internationalisieren wird. Die Frauen in Afghanistan sind sehr mutig, aber auch mit der neuen Regierung sind ihre Probleme alles andere als gelöst."

Integrationsstadträtin Renate Brauner erklärte, der angesprochene Dialog werde in Wien freundschaftlich, offen und ehrlich diskutiert. Es gehe um das Aufeinanderzugehen und nicht um einen Integrationsvertrag, der tatsächlich ein Assimilationsdiktat sei und vor dem die Menschen nur Angst hätten. Brauner forderte für ein Funktionieren der Gesellschaft und der Demokratie gleiche Rechte und Pflichten für alle Seiten, dazu zähle auch das Wahlrecht für Zuwanderer. "Integration kann nur von beiden Seiten funktionieren." Brauner eröffnete gleichzeitig eine Ausstellung von Hannes Swoboda mit Fotos von seinen Reisen in die islamische Welt und seinen Bildern in Acryl. Dabei betonte Brauner den wertvollen künstlerischen Blick auf das Andere mit Sensibilät und Neugier. Abschließend gab es Spendenaufrufe von mehren Seiten für die afghanische Fraueninitiative RAWA, die sich gegen die verbrecherische Politik fundamentalistischer und ultrafundamentalistischer Taliban richtet. (Schluss) ts

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