Arbeitsprogramm 2002 - Bessere Zeiten kommen nicht ohne uns!

Linz (OTS) - Mit prognostizierten 4 % wird Oberösterreich vermutlich auch heuer die niedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer erzielen. Mit einem leichten Anstieg der Beschäftigung gegenüber 2001 rechnen die Wirtschaftsforscher erst wieder 2004. Das AMS OÖ begegnet der steigenden Arbeitslosigkeit mit einer raschen Besetzung offener Stellen und einer betriebsnahen Qualifizierung von Arbeitsuchenden. 2002 setzt das AMS OÖ - 78,43 Mio. für Förderungen ein.

Das zweite Jahr in Folge wird Oberösterreich vermutlich die bundesweit niedrigste Arbeitslosenquote erreichen - dicht gefolgt von Vorarlberg (*4,2 %) und Salzburg (*4,3 %). Im Schnitt wird heuer mit einer Quote von 6 % auf Bundesebene gerechnet. Bis 2005 rechnet die Synthesis Forschungsgesellschaft mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Österreich auf 7,2, in OÖ mit 4,7%. "Um den prognostizierten Anstieg der Arbeitslosigkeit bis 2005 möglichst zu unterschreiten, planen wir das intensive Akquirieren und rasche Besetzen von offenen Stellen in Betrieben, die auch bei Konjunkturabschwächung Personalbedarf haben, und die rasche, betriebsnahe Qualifizierung von Arbeitsuchenden, deren Qualifikationsprofil den nachgefragten Kenntnissen und Fertigkeiten nicht entspricht", umreißt Landesgeschäftsführer Roman Obrovski die Strategie des AMS OÖ.

- Förderung der Frauenbeschäftigung

Das schwache Beschäftigungsplus der letzten Monate wurde nur durch den Anstieg der Frauenbeschäftigung erzielt, während die Beschäftigung bei den Männern bereits rückläufig ist. Das AMS OÖ wird die vorhandene Nachfrage nutzen und mit seiner Frauenförderung zur Fortsetzung dieses Wachstums beitragen. Weitere Schwerpunkte der Frauenförderung sind spezifische Beratungsangebote für Wiedereinsteigerinnen, die Förderung der Ausbildung von Mädchen in nicht-traditionellen und IKT- Berufen sowie die Ausbildungsförderung zu Altenfachbetreuerinnen.

- Braincard-Initiative für die IT-Branche

Im Rahmen seiner mit dem Land Oberösterreich beschlossenen Braincard-Initiative bildet das AMS OÖ bis Jahresmitte rund 250 Arbeitsuchende zu IT-Spezialisten aus. Im Jahresverlauf soll die Zahl auf 630 steigen. Die KursteilnehmerInnen haben zum überwiegenden Teil einen Mittelschulabschluss und wurden über einen Eignungstest für die Braincard-Ausbildung ausgewählt. Alle IT-Ausbildungen führen anerkannte Institute als Ganztagskurse mit einer Dauer zwischen vier und sechs Monaten durch. In die Ausbildungen ist zu Kursende ein vierwöchiges Firmenpraktikum oder eine selbstständig durchzuführende Projektarbeit integriert. Ein erfolgreicher Abschluss wird mit anerkannten Zertifikaten dokumentiert - wie Microsoft Certified Professional (MCP) und Microsoft Certified Systems Engineer (MCSE). Das AMS OÖ schult IT-Kräfte auch über die Implacement- Stiftung, die zu einem wichtigen Werkzeug zur Förderung der beruflichen Flexibilität geworden ist.

- Ältere und Langzeitbeschäftigungslose

Schwerpunkte setzt das AMS OÖ auch hinsichtlich der Wiedereingliederung von Älteren und Langzeitbeschäftigungslosen in den Arbeitsprozess. Angesichts der angespannten Arbeitsmarktlage geht es dem AMS OÖ darum, die Ausgrenzung dieser Gruppen aus dem Beschäftigungssystem zu verhindern.

- Aus Sicht der Wirtschaftskammer OÖ (KommR Ing. Buchroithner)

Auch wenn die Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten aufgrund der allgemeinen konjunkturellen Entwicklung auch in OÖ angestiegen ist, sind die Arbeitslosenquoten österreichweit gesehen vergleichsweise niedrig: So hat OÖ unter allen Bundesländern nach wie vor die niedrigste Arbeitslosenquote bzw. weisen die Bezirke Eferding, Freistadt und Linz österreichweit die niedrigsten Quoten auf. Nach Meinung der Wirtschaftsforscher wird die Konjunktur im 2. Halbjahr 2002 wieder anspringen, was sich - etwas zeitverzögert - auch wieder positiv auf die Beschäftigungslage auswirken wird. Wichtig sei es, bis dort hin die entsprechenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zu setzen und vor allem die notwendige Flexibilität an den Tag zu legen. Denn wenn das Problem der Arbeitslosigkeit in der nächsten Zeit durch die Konjunkturdelle etwas zunehmen wird, finden gleichzeitig eine Reihe von Unternehmen nach wie vor nicht jene Arbeitskräfte am Arbeitsmarkt, die sie zur zeitgerechten Abarbeitung ihrer Aufträge dringen benötigen würden. Dieser Herausforderung muss und wird sich das AMS OÖ stellen.

Aus der Sicht der Arbeitgeberkurie müssen im nächsten Jahr insbesondere folgende Anliegen in den Mittelpunkt der AMS- Arbeit gerückt werden:

Gut bewährt haben sich die Pilotversuche mit One-stop-shops, die eine raschere und treffsichere Besetzung von offenen Stellen bringen. Für die Wirtschaftstreibenden unseres Landes bedeutet dies, dass sie alle Serviceleistungen aus einer Hand bekommen. Für die Unternehmen entscheidend ist nämlich nicht die Anzahl der Aufträge von Stellenbesetzungen, sondern die Trefferquote, die durch eine präzise Vorauswahl merklich gehoben wird. Diese - durch die One-stop-shops -erzielte Steigerung der Vermittlungseffizienz sollte auch im nächsten Jahr weitergeführt werden.

Immer positiver entwickelt sich das Instrument der Implacementstiftung, bei der eine arbeitsplatzgenaue Schulung erfolgt, die zudem Kosten spart. Bis Ende Nov. gab es bereits über 600 Eintritte in Implacementstiftungen, was über den Erwartungen liegt. Aus den Unternehmen gibt es hinsichtlich dieses arbeitsmarktpolitischen Instrumentes durchwegs positive Rückmeldungen, weshalb die Wirtschaft das Thema Implacementstiftung auch nächstes Jahr forcieren wird.

Positiv entwickelt und sehr geschätzt von den Unternehmen wird das Modell der Altersteilzeit, zumal es für alle Beteiligten praktisch nur Vorteile bringt: Dem Unternehmen stehen die Erfahrungen der älteren Arbeitnehmer noch länger zur Verfügung bzw. erfolgt der Ausstieg aus der Firma nicht abrupt, was auch für die Einschulung der Nachfolger von Vorteil ist. Aber auch den betroffenen älteren Arbeitnehmern wird so ermöglicht, "sanft" in die Pension zu gleiten, was von den meisten persönlich sehr geschätzt wird. Es ist erfreulich, dass sich die politisch Verantwortlichen, nicht zuletzt aufgrund des Lobbyings des AMS nunmehr doch dazu durchgerungen haben, das Modell der Altersteilzeit zumindest im wesentlichen auch zukünftig den Unternehmen und ihren Mitarbeitern anzubieten.

Auch wenn die Zahl der Arbeitslosen kurzfristig etwas ansteigen wird, sollte aus der Sicht der Wirtschaft die vom AMS unterstützte Qualifizierung von Beschäftigten nicht zurückgenommen werden. Man darf nämlich nicht vergessen, dass jede Aufqualifizierung von Beschäftigten dessen Einsatzmöglichkeiten erweitert und zukünftige Arbeitslosigkeit verhindert. Von besonderer Bedeutung ist dabei auch die Qualifizierungsberatung der mittelständischen Unternehmen dahingehend, wo genau ein Qualifizierungs- oder sogar Umschulungsbedarf besteht. Diesem Thema sollte man im nächsten Jahr besonderes Augenmerk schenken.

Die gemeinsamen Anstrengungen der Sozialpartner haben schließlich dazu geführt, dass die Reform des AMS nunmehr in eine positive Richtung geht, die offenbar eine Stärkung der Länder- AMS bzw. der regionalen Geschäftsstellen zum Inhalt hat. Gerade auf letzteres hat man seitens der Wirtschaft immer bestanden, zumal eine erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik letztlich nur dann möglich ist, wenn man die Probleme vor Ort kennt und darauf entsprechend reagieren kann. Wichtig ist auch die Ankündigung des zuständigen Ministeriums, dass man die Überschüsse aus der Arbeitslosenversicherung zukünftig nicht mehr für andere Zwecke abschöpfen, sondern dem AMS mehr Eigenmittel überlassen wolle. Für die Wirtschaft wäre es zielführend, Teile dieser Mittel im Bundesland zu belassen, um noch effektiver und effizienter auf die arbeitsmarktpolitischen Erfordernisse der einzelnen Regionen reagieren zu können. Nicht vergessen werden sollte freilich auch darauf, dass der gewaltige Überschuss im Bereich der Arbeitslosenversicherung darüber hinaus auch noch eine Beitragssenkung ermöglicht.

Unterstützen wird die Wirtschaft die im zuständigen Ministerium angedachten Veränderungen bei den Zumutbarkeitsbestimmungen. Hier geht es nicht darum, Operationsschwestern zukünftig als Tellerwäscherinnen einzusetzen, wie manche polemisieren, sondern darum, den Berufsschutz etwas zu lockern und etwa einen arbeitslosen Tischler, der in seinem gelernten Beruf nicht vermittelbar ist, auch in einem Baumarkt als Holzfachberater einsetzen zu können. Ebenso wird man zukünftig vom Arbeitssuchenden mehr Mobilität verlangen müssen, wenn es darum geht, eine Arbeit in einem Ort aufzunehmen, der in unmittelbarer Nähe des Wohnortes liegt, aber aus formalen Gründen - weil er etwa in einem anderen Bundesland ist - ausscheidet.

Aus Sicht der Arbeiterkammer OÖ: Steigende Arbeitslosigkeit erfordert mehr Geld für Qualifizierung (Mag. Jahn)

Das arbeitsmarktpolitisch grundsätzlich erfolgreiche Jahr 2001 wird durch die Entwicklung der letzten Monate überschattet. Die sich verstärkende Konjunkturflaute und die Begehrlichkeiten der Bundesregierung gegenüber den Mitteln der Arbeitslosenversicherung dämpfen die Hoffnungen für das kommende Jahr. Im Hinblick auf eine effiziente Maßnahmenplanung ist es unzumutbar, dass erst diese Woche die Finanzierungszusage seitens der Bundesregierung für die aktive Arbeitsmarktpolitik erfolgte. Nur aufgrund heftiger Interventionen war die Regierung bereit die drohenden Kürzungen zurückzunehmen.

Für Oberösterreich verschärft sich dennoch die Situation, da uns aufgrund der AMS-internen Budgetverteilung 25 Millionen Schilling (1,81 Mio. Euro) fehlen. Es ist unverständlich, dass bei steigender Arbeitslosigkeit die Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik eingefroren und damit für Oberösterreich sogar gekürzt und gleichzeitig die Zielvorgaben noch erhöht werden.

Vor diesem Hintergrund ist es daher erfreulich, dass im Rahmen des Forums aktive Arbeitsmarktpolitik das Land OÖ für ein verstärktes Engagement in der Arbeitsmarktpolitik gewonnen werden konnte. Mit den zusätzlichen Mitteln, die das Land für den gemeinsamen Beschäftigungs- und Qualifizierungspakt zur Verfügung stellt, gelingt es die Kürzungen im AMS-Budget großteils zu kompensieren. Für die Arbeitnehmerkurie im AMS zeichnen sich die Aufgabenschwerpunkte deutlich ab: Verwendung der Arbeitsmarktrücklage für verstärkte Qualifizierung von Arbeitslosen und eine AMS-Reform, die Verbesserungen für die Kunden - Arbeitslose und Betriebe - bringt, anstatt die Arbeit für das AMS zu erschweren, was das Ergebnis der mittlerweile aufgeschobenen Reformabsichten der Bundesregierung gewesen wären.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Sigrid Prentner
Mag. Christine Dürrer-Roittner
Tel.: 0732/6963/317 bzw. 313
Sigrid.Prentner@400.ams.or.at bzw
Christine.Duerrer-Roittner@400.ams.or.at

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