"Kleine Zeitung" Kommentar: "Richter Adam" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 21.12.2001

Graz (OTS) - Welcher dunkle Selbstbeschädigungstrieb mag den untadeligen Gerichtshofpräsidenten bewogen haben, derart ungeschützt Wirkung zu zeigen und ein Demontageverfahren gegen sich selbst einzuleiten? Jörg Haider hat den Verfassungshüter auf das Übelste angekläfft und Ludwig Adamovich antwortete mit einer taktischen Todsünde: Er stieg zu ihm in den Zwinger.

Jetzt macht Haider anschaulich, was er meint, wenn er sagt, jemanden "vor sich herzutreiben". Erschreckend unbedarft ging der Richter in die Falle. Anstatt im Wissen um die polemische Potenz des Aggressors Abstand zu wahren, bückte sich Adamovich nach dem Fehdehandschuh und verlor im Infight seine Souveränität.

In keinem Punkt bestand Rechtfertigungseile: Zumal er selbst gar nicht am Urteil mitwirkte, ist es unerheblich, mit wem und worüber Adamovich irgendwann im Sommer gesprochen hat. Und wenn man sich schon verteidigt, dann bitte nicht so inkonsistent wie Adamovich, der Haider erst der Lüge zieh und tags darauf von "Missverständnissen" sprach.

Jetzt steht der 69-Jährige, ohne sich etwas zuschulden kommen zu lassen, da wie der Dorfrichter Adam. Es ist die Tragödie eines Unpolitischen. Von wegen politischer Gerichtshof!****

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