Erster österreichischer Seeadler in Gefahr!

Vorsicht Gift! - Eine Aktion von WWF und VIER PFOTEN

Wien (OTS) - Im Frühjahr 2001 war die Sensation perfekt:
Österreichs Wappentier der Seeadler brütete erstmals seit über 50 Jahren erfolgreich in Österreich. Die Versuche, die Hoffnungsgebiete im Osten unseres Landes ruhig zu stellen, Kunsthorste zu montieren und den Giftlegern beizukommen, haben letztlich Wirkung gezeigt. Doch ein einziger Giftköder kann diesen Erfolg jäh zerstören. Zum dritten Mal rufen daher der WWF Österreich und die VIER PFOTEN alle SpaziergängerInnen, LandwirtInnen, JägerInnen, HundebesitzerInnen und Naturinteressierte, zur Mithilfe bei der Aktion "Vorsicht Gift!" auf. "Helfen Sie uns, den Giftlegern das Handwerk zu legen, damit aus dem kleinen Vogel ein majestätischer Adler wird," bittet WWF-Aktionsleiterin Monika Mörth. Die Gift-Hotline: 0676/444 66 12 ist ab sofort wieder rund um die Uhr erreichbar.

Aktion "Vorsicht Gift!"

"Dieses Jahr ist unser Gift-Such-Netzwerk noch dichter," ist Helmut Dungler, Geschäftsführer der VIER PFOTEN stolz, "In den betroffen Gift-Hotspot-Gebieten unterstützen uns wieder sehr viele freiwillige HelferInnen aber auch die drei ausgebildeten Gift-Such-Hunde!" Die zuständigen Bezirkshauptmannschaften, Gendamerieposten und TierärztInnen wurden bereits informiert. "Wir werden heuer mehrere nicht angekündigte Gift-Suchtage durchführen," erklärt Mörth, "um in den Hotspot-Gebieten verstärkt aufzutreten und mehr präsent zu sein." Vorrangig werden heuer die aus den Vorjahren registrierten Gift-Bezirke in Niederösterreich, Wien, Oberösterreich, im Burgenland sowie in der Steiermark überwacht.

Opfer-Bilanz 2000/2001

Mit Hilfe der Bevölkerung wurden vom 9.12.1999 bis 19.12.2001 98 amtlich bestätigte Giftopfer und zahlreiche Giftköder durch die Gift-Hotline sichergestellt. Darunter 4 Seeadler, 38 Hunde, 25 Katzen und 31 andere Wildtiere - das ist aber lediglich die Spitze des Giftberges - wie hoch die Dunkelziffer ist, kann nicht einmal annähernd geschätzt werden. Im Winter 2000/2001 war erstmals im Vergleich zum Jahr zuvor eine leicht rückläufige Tendenz in der Opferbilanz zu verzeichnen. "Wir sehen das als einen ersten kleinen Erfolg der Aktion Vorsicht Gift," so Mörth, "Trotzdem müssen wir weiterhin öffentlich Druck auf die illegalen Giftleger ausüben * damit nicht der Seeadler wieder ausstirbt, sondern die qualvollen Methoden der TäterInnen."

Seeadler, Hund & Co

Waren es früher zwischen 30 und 40 überwinternde Seeadler, so konnten - nicht zuletzt dank dem guten Monitoringnetzwerk - im Zeitraum November 2000 bis März 2001 über 70 Individuen gezählt werden. Doch diese erfreulichen Entwicklungen sind erst der erste kleine Schritt bei der Heimkehr unseres Wappentieres, denn ein Jungadler und einige durchziehende Wintergäste machen noch keine lebensfähige Population. "Die Chancen sind aber sehr gut, dass auch 2002 wieder ein Seeadlerpaar einen Brutversuch wagen wird," ist Dr. Gerhard Loupal, Präsident von BirdLife Österreich überzeugt. Die Bilanz ist jedoch immer noch deutlich negativ: einem Nachwuchs stehen 15 vergiftete Seeadler gegenüber. Wie brisant dieses Thema immer noch in Österreich ist, zeigt ein makaberer Vergleich: In Deutschland gibt es 360 Seeadlerbrutpaare und einen Giftfall in den letzten Jahren, in Österreich hingegen eine Brut und rund 360 Giftfälle. "Das ist eine Schande für unser Land!", so Mörth.

Qualvoller Tod

"Gift auslegen ist Tierquälerei!", weiß Dungler, "Carbofuran ist hochgiftig, weniger als ein halbes Gramm reicht aus, um einen 30 Kilogramm schweren Hund zu töten." Zuerst setzen Muskelkrämpfe und Bewegungsstörungen ein, dann kommt es zu Erbrechen und letztendlich zu Herz- und Atemstillstand. Bei Hunden und Katzen kann dieser Todeskampf mehr als eine Stunde dauern. Bei Vögeln wirkt Carbofuran sofort, sie sterben meist innerhalb weniger Minuten.

Rückfragen & Kontakt:

VIER PFOTEN
Mag. Jutta Zachar
Tel.: 0664/308 63 03,
jutta.zachar@vier-pfoten.at

WWF Österreich
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Tel.: 0676/83 488 249,
susanne.grof@wwf.at

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