Wahlkampf um das Weiße Haus

Politologen stellen Buch zu den US-Präsidentenwahlen vor

Wien (OTS) - Peter Filzmaier und Fritz Plasser präsentieren am Donnerstag, 20. Dezember 2001, ihr im Verlag Leske und Budrich erschienenes Buch Wahlkampf um das Weiße Haus: Presidential Elections in den USA. Die Autoren sind als führende österreichische Politikwissenschaftler an der Universität Innsbruck tätig und stellen durch die Buchpublikation das Resultat ihrer intensiven Wahlforschung 2000 in den USA vor.

Vor dem Hintergrund der dramatischen Auseinandersetzung zwischen George W. Bush jr. und Al Gore beinhaltet das Buch detaillierte Analysen des Wahlsystems, des Wahlergebnisses und der Wahlkampfstrategien sowie auch der Funktionen der Massenmedien. Speziell die Rolle des Fernsehens in einem fragmentierten Multi-Mediensystem sowie die Konsequenzen eines am Marketing orientierten politischen Journalismus für die Politikvermittlung werden untersucht. Filzmaier und Plasser beschränken sich nicht auf den Wahlkrimi 2000, sondern zeigen Innovationen im politischen Wettbewerb der USA in Form einer Langzeitanalyse der Präsidentschaftswahlkämpfe von 1988 bis 2000.

Beispiele für solche Neuerungen, die nach Auffassung der Autoren zugleich europäische Wahlkämpfe prägen werden, sind

  • Eine exzessive Meinungsforschung - die wöchentlichen(!) Ausgaben von Bush und Gore wurden auf jeweils bis zu 500.000 US-Dollar geschätzt - für die zielgerichtete Entwicklung von Wählerbotschaften (Message Development),
  • die thematische Akzentuierung nach der Logik von Medieninhalten (Sound Bites - die durchschnittliche Länge der O-Ton-Kandidatenbotschaften betrug 2000 7,8 Sekunden, während es 1988 noch knapp 10 Sekunden und 1968 durchschnittlich 42 Sekunden waren - und Issue Framing),
  • die extrem kostenaufwendige Fernsehwerbung (Air Wars) - in den USA wurde 2000 Sendezeit für 1,2 Millionen TV-Spots gekauft - in Verbindung mit einer arbeitsintensiven Wählermobilisierung (Ground Wars),
  • eine steigende Bedeutung des Web Campaigning, für das im Jahr 2000 lediglich eine Generalprobe stattfand, sowie · ein exzessives Fundraising bis hin zum Begriff einer "Scheckbuch- Demokratie" für die USA, wo 2000 mehr als drei Milliarden US-Dollar im Wahlkampf ausgegeben wurden.

Filzmaier und Plasser zur "Amerikanisierung": "US-Wahlen üben auf ausländische Beobachter eine besondere Faszination aus. Die Verlockung, die jeweils neuesten Wahlkampftechnologien zu importieren, ist unzweifelhaft groß. Zwei Drittel aller westeuropäischen Kampagnemanager beziehen aus der regelmäßigen Beobachtung der US-amerikanischen Wahlkampftrends Anregungen für die Modernisierung der Wahlkampfpraxis in ihren Ländern. Auch jeder zweite österreichische Wahlkampfmanager hat in den letzten Jahren mit einem Politikberater aus den USA professionellen Kontakt gehabt."

Die Autoren kommen zur Schlussfolgerung, dass der Wahlkampf in den USA nicht mit dem Wahltag endet, sondern Regierungshandeln als ständige (Medien-) Kampagne stattfindet (Permanent Campaigning). Politik ist der laufende Versuch, durch professionelles Themenmanagement die massenmediale Berichterstattung zu kontrollieren. Für wahlkämpfende Politiker zählen folgerichtig nicht Inhalte, sondern der Grundsatz, als Wahlkämpfer in jeder Situation so zu handeln, als ob man ein Fernsehproduzent wäre.

Peter Filzmaier / Fritz Plasser Wahlkampf um das Weiße Haus:
Presidential Elections in den USA Opladen, Verlag Leske und Budrich, 2001 271 Seiten ISBN 3-8100-3213-1 DM 48,--

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