Pressekonferenz der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik

EU-Erweiterung & Temelín-Kontroverse

Wien (OTS) - 20. Dezember 2001, 10.00 Uhr, Café Landtmann, Großer Saal Dr. Karl Lueger Ring 4, 1010 Wien

Die Ergebnisse werden präsentiert von:

Dr. Gerhard H. Bauer
Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik

In Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) hat die Sozialwissenschaftliche Studiengesellschaft (SWS) vom 1. bis 12. Dezember 2001 eine Telefonumfrage durchgeführt, bei der die Einstellung der Österreicher zur aktuellen Debatte um das tschechische Kernkraftwerk Temelín erhoben werden sollte. Die Stichprobe umfasste die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren mit einer Quotierung der österreichischen Bundesländer (N= 993).

Die Fragethemen waren:

  • Informationsquellen über Temelín
  • Beurteilung der Temelín-Kontroverse durch die Österreicher
  • Ist die "Null-Variante" realistisch?
  • Informationsquellen über Kernkraftwerke in Westeuropa
  • Beurteilung der verschiedenen Formen der Stromerzeugung
  • Politik um Temelín

Hauptergebnisse:

1. TV ist Hauptinformationsquelle über Temelín

Die Österreicher beziehen ihre Informationen über Temelín zu... - 88 % aus dem Fernsehen,
- 59 % aus dem Hörfunk,
- 39 % aus der Kronen Zeitung,
- 64 % aus anderen Zeitungen.

2. Die mit Tschechien erzielten Ergebnisse werden positiver bewertet als noch vor einem Jahr.

Die Österreicher bewerten die Resultate der Auseinandersetzungen zwischen der österreichischen und der tschechischen Regierung betreffend das AKW Temelín zu...

  • 3 % als "großen Erfolg" für Österreich,
  • 35 % als "geringen Erfolg",
  • 28 % "eher als Misserfolg"
  • 14 % als "großen Misserfolg".
  • Die Stimmungslage ist positiver als im Vorjahr.

3. Die Österreicher sind skeptisch, dass Österreich die Stilllegung Temelíns erzwingen kann.

  • 75 % der Österreicher glauben nicht, dass Österreich die Stilllegung Temelíns erzwingen kann.
  • 18 % meinen, dies sei möglich.

4. Fachleute, TV und Zeitungen sind die wichtigsten Informationsquellen über westliche AKW's - Politiker sind dies weniger.

Die in Österreich vielfach anzutreffende Meinung, dass die Kernkraftwerke im Westen Europas unsicher seien, gründet sich laut Ansicht der Befragten auf folgenden Ursprung:

  • "weil es die Fachleute sagen" 65 %
  • "weil es im Fernsehen gebracht wird" 57 %
  • "weil es die Zeitungen schreiben" 52 %
  • "weil es die Politiker sagen" 25 %

5. Der Atomenergie wird von den Österreichern in den Punkten Sicherheit und Umweltbelastung ein sehr schlechtes Zeugnis ausgestellt. Die Verfügbarkeit der Atomenergie wird besser bewertet.

  • Als sicherste Form der Stromerzeugung wird die Solarenergie betrachtet, gefolgt von Wind- und Wasserkraft.
  • Die Atomenergie wird von 84 % der Österreicher mit den schlechtesten Noten 4 und 5 bewertet.
  • Auch hinsichtlich der Umweltverträglichkeit liegt die Atomenergie an letzter Stelle (Noten 4 und 5: 76 %).
  • Hinsichtlich des Kriteriums der Verfügbarkeit wird die Wasserkraft am positivsten bewertet (Noten 1 + 2: 76 %), gefolgt von der Solarenergie.
  • Die Atomenergie erhält von 41 % der Befragten die Noten 1 + 2, von 30 % jedoch die Noten 4 + 5.

Gesamtanalyse aller 3 Kriterien (Sicherheit, Umweltbelastung, Verfügbarkeit)

  • Frauen betrachten die Atomkraft skeptischer als Männer.
  • Atomkraft wird mit steigendem Alter und niedrigerem Bildungsgrad negativer bewertet.
  • Nimmt man die Parteisympathie der Befragten zum Maßstab, so wird die Kernkraft noch von Sympathisanten der ÖVP - relativ - am positivsten gesehen.

6. 85 % der Österreicher glauben:
Politiker thematisieren Temelín, um Wählerstimmen zu gewinnen.

  • 24 % glauben, dass sich viele österreichische Politiker gegen Temelín aussprechen, weil sie über das entsprechende Fachwissen verfügen,
  • 49 % sagen: "weil sich die Politiker für die Österreicher einsetzen wollen",
  • 85 % meinen, "die Politiker wollen Wähler gewinnen".

7. Drei Viertel sagen: Volksbegehren kann Temelín nicht verhindern

  • 76 % der Österreicher glauben nicht, dass durch das Volksbegehren der FPÖ die Inbetriebnahme des AKW Temelín verhindert werden kann.
  • 16 % sind gegenteiliger Ansicht.
  • Auch 59 % der FPÖ-Anhänger glauben nicht an die Durchsetzungskraft des Volksbegehrens.

Achtung!

Detaillierte Ergebnisse und Grafiken zu unseren Umfragen sind ab 20. Dezember 2001, 11 h auf unserer Homepage http://www.euro-info.net unter den Rubriken "Studien" und "Pressekonferenzen" abrufbar!

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Gerhard Bauer oder Frau Schreiber
Tel.: 533 49 99
Fax: 533 49 40
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