"profil": "Krone"-Chef Dichand kritisiert Schüssel

. Bundeskanzler ist "schlechter Politiker" - für Konzentrationsregierung aus SPÖ/ÖVP und FPÖ - Häupl statt Gusenbauer - Kritik an Haider

Wien (OTS) - In einem Interview in der Freitag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" übt Hans Dichand, Herausgeber der "Kronen Zeitung", heftige Kritik an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Kurz vor Ernennung des neuen ORF-Generaldirektors setzt sich Dichand neuerlich für den amtierenden ORF-GI Gerhard Weis ein: "Weil Weis den Parteieneinfluss eindämmen wollte, soll er nun zum politischen Opfer werden. Es täte uns leid, wenn Weis abtreten müsste. Aber bei den nächsten Wahlen würde Schüssel dafür bezahlen müssen."

Die beiden Regierungsparteien kämpften um mehr Einfluss im ORF. Dichand: "Das ist zwar verständlich, aber sie haben das Gegenteil versprochen."

Zur Auseinandersetzung mit Schüssel erklärt Dichand im "profil"-Interview: "Er will der 'Kronen Zeitung' zeigen, dass er der Stärkere ist. Er macht Fehler, die wir aufzeigen. Wir verfolgen ihn nicht. Er versucht krampfhaft gegen Mehrheiten anzutreten, daher wirkt er auch so verkrampft. Das kann nicht gut gehen. Jeder, der gegen das Volk regieren will, ist ein schlechter Politiker."

Die von Dichand zum Zeitpunkt Ihrer Angelobung schwarz-blaue Regierung gefällt dem Verleger-Tycoon heute "gar nicht so schlecht". "Ich halte es für möglich, dass es einmal zu einer Koalition von drei Parteien kommen könnte, von SPÖ, ÖVP und FPÖ." Dies hätte auch den Vorteil, dass "extreme Politik" aufhöre.

Jörg Haider sei zwar ein "blendender Agitator", müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass man nicht Regierung und Opposition gleichzeitig sein könne. Kritisch wertet der "Krone"-Chef Haiders Kritik am Verfassungsgerichtshof. Dichand: "Ein Urteil eines Höchstgerichtes muss schon anerkannt werden, sonst fällt ein Fundament der Ordnung weg."

Die "Krone" unterstütze das FPÖ-Volksbegehren gegen Temelin, "weil direkte Demokratie immer gut und recht ist." "Wir möchten, dass es zu einer Plattform kommt, abseits von der FPÖ. Wenn man das Volksbegehren unterschreibt , heißt das somit nicht, dass man die FPÖ unterstützt."

Zur SPÖ erklärt Dichand, dass SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer "aufgeholt" habe. "Aber Wiens Bürgermeister Michael Häupl steht dem Wähler näher", so der "Krone"-Herausgeber. "Er ist gleichzeitig Intellektueller und ein Wiener Fiaker. Und diese Mischung würde auch in den Bundesländern ankommen, weil die zwar oft etwas gegen die Wiener, aber kaum etwas gegen Fiaker haben."

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