Martha Mödl am 17. Dezember 2001 im 90. Lebensjahr verstorben

Wien (OTS) - Die international rennomierte Opernsängerin Martha Mödl ist am 17. Dezember 2001 in einem Stuttgarter Krankenhaus im 90. Lebensjahr vestorben.

Die gebürtige Nürnbergerin ging längst einem bürgerlichen Beruf nach, als sie mit 28 Jahren beschloß, ihre Stimme ausbilden zu lassen. Sie war 30 als sie im Jahr 1942 in Remscheid-Solingen als Hänsel in Humperdincks HÄNSEL UND GRETEL debütierte. Nach dem Krieg wurde sie als Mezzosopranistin an das Theater in Düsseldorf engagiert, wo sie in Partien wie Azucena, Eboli, Dorabella, Lady Macbeth und Cherubin zu erleben war. Günther Rennert hörte sie als Carmen und holte sie an die Hamburger Staatsoper. Ihre Stimme entwickelte sich zum hochdramatischen Sopran, und Martha Mödl konnte die Bühnenwelt Richard Wagners für sich entdecken. Sie rückte rasch in die Garde der Wagner-Heroinen auf, seit sie 1951 bei der Wiedereröffnung des Bayreuther Festspielhauses nach dem Krieg mit ihrer Kundry die Wagner-Fans in Atem hielt. Die von Wieland Wagner geformte Künstlerin begeisterte Bayreuth bis in das Jahr 1966 auch als Isolde, Brünnhilde und Waltraute.

Im Verband der Wiener Staatsoper debütierte Martha Mödl als Oktavian (25. Oktober 1948 im Theater an der Wien), im November 1955 war sie die Leonore des Eröffnungs-FIDELIO unter Karl Böhm im Haus am Ring. Als ständiger Gast war sie in Wien auch als Carmen, Eboli, Klytämnestra, Isolde, Lady Macbeth und Küsterin zu hören. Daneben setzte sich die Künstlerin immer wieder für die Moderne ein, in Wien als Gräfin Geschwitz in LULU, Baals Mutter, Jokaste in ÖDIPUS REX, oder Frau Miller in der Uraufführung von Gottfried von Einems KABALE UND LIEBE.

An der Wiener Staatsoper trat sie insgesamt 157 Mal in 19 verschiedenen Rollen auf. 1963 half sie auch die Bayerische Nationaltheater in München wiederzueröffnen: als Amme in Strauss' FRAU OHNE SCHATTEN. 1957 debütierte sie als Brünnhilde an der New Yorker Metropolitan Opera. Gastspiele brachten ihr an der Mailänder Scala, an der Royal Opera Covent Garden in London und an der Grand Opéra in Paris große Erfolge, sie blieb aber Hamburg, Stuttgart, Berlin und Wieland Wagner mit dem sie für das Neue Bayreuth focht, treu.

Bis zuletzt verkörpert die Künstlerin sorgsam ausgewählte Rollen, die ihre große Persönlichkeit zur Geltung brachten: sie sang die Golde in ANATEVKA an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, noch Anfang des Jahres trat sie in Mannheim und Berlin auf. Ihren 80. Geburtstag - zugleich ihr 50. Bühnenjubiläum - beging die Künstlerin auf der Bühne der Wiener Staatsoper: im Mai 1992 trat sie als Gräfin in Tschaikowskis PIQUE DAME unter Seiji Ozawa auf. (Schluß)

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