"Kleine Zeitung" Kommentar: "Übertüncht" (von Michael Jungwirth)

Ausgabe vom 17.12.2001

Graz (OTS) - Der Bürger auf der Straße bringt, so scheint's,
mehr Engagement für Europa auf als die gewählten Volksvertreter. Während ein Sturm auf die ersten Euros einsetzte, verwandelten die Regierungschefs den EU-Gipfel von Laeken in einen Basar. Das Feilschen um neue Agenturen endete im Fiasko. Schwierige Entscheidungen, wie die EU-Armee, das EU-Patent oder das EU-Satellitensystem, wurden vertagt.

Die EU stand immer schon in dem Spannungsfeld von großer Vision und kleinlicher Politik. Der Namensgebung "Euro" und "Cent" ging ein wochenlanger Zwist voraus. Dass die neuen Münzen in Österreich auf einer Seite den Mozart und in Italien Leonardo da Vinci tragen, ist das Ergebnis eines Kuhhandels im Jahr 1996.

Das unrühmliche Ende von Laeken übertönt die Fortschritte, die am Gipfel erzielt wurden. Ein Konvent wurde eingesetzt, um die EU einer Generalreform zu unterziehen. Ein schwieriges Unterfangen.

Das G'riss um die Münzen ist zwar erfreulich, verdeckt aber die Mängel der EU-Konstruktion, an denen gerade die Euro-begeisterten Bürger immer öfters Anstoß nehmen. ****
Michael Jungwirth

Rückfragen & Kontakt:

Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035
email: redaktion@kleinezeitung.at
www.kleinezeitung.atKleine Zeitung

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ/PKZ