FORMAT: Gerichtsgutachten belastet Pleitier Steiner schwer

Massive Indizien für Versicherungsbetrug, Krida und Untreue

Wien (OTS) - Ein im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wels angefertigtes Gerichtsgutachten belastet die beiden Schlüsselfiguren der 4,5-Milliarden-Pleite des oberösterreichischen Plastikimperiums Steiner Industries AG, Leopold und Alfred Steiner, schwer. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Laut dem FORMAT vorliegenden Gutachten kommen die Prüfer der Wiener Kanzlei Hamerle & Partner zu einem vernichtenden Urteil. Beim insgesamt sechsten Großbrand, den Unternehmensgründer Leopold Steiner seit 1979 erlebt hat, handelt es sich demnach um großangelegten Versicherungsbetrug: Am 24. März des Vorjahres war die funkelnagelneue Fabrik der Steiner-Tochter Steco abgebrannt, worauf Steiner von der Axa-Versicherung insgesamt 550 Millionen Schilling forderte. Laut Gutachten sind nur 144 Millionen gerechtfertigt, weil die Lagerbestände "fiktiv" in die Höhe getrieben, also "manipuliert" wurden. "Zwischen Inventur und Bilanz", so das Gutachten, "wurden einfach die Zahlen verändert." Sechs Monate vor dem Brand wurden die produzierten Plastikboxen "nunmehr mit dem doppelten des üblichen Preises fakturiert." Die "Anweisungen" dazu habe Leopold Steiner gegeben.

Neben großangelegtem Versicherungsbetrug müssen sich Leopold und Alfred Steiner laut FORMAT auch wegen betrügerischer Krida und Untreue verantworten. Gabriel Wariwoda von der Kripo Oberösterreich glaubt, daß die Mega-Pleite "gezielt und über einen längeren Zeitraum geplant" war. So wurde das insolvente Tochterunternehmen zuerst um eine D-Mark nach Liechtenstein veräußert und später wieder zurückgekauft. Mutmaßlicher Gewinn für die Steiners: rund 83 Millionen.

FORMAT zitiert außerdem aus Einvernahmeprotokollen hochranginger Steiner-Manager, die den Verdacht erhärten, daß die Bilanzen des Unternehmens mittels Scheinrechnungen und Wechselgeschäften geschönt wurden. Laut Steiner-Vorstand Wolfgang Putzinger sind zumindest 350 Millionen "durch die in Umlaufsetzung verschiedenster Wechsel" abgeflossen, die "keinem Grundgeschäft zuzuordnen sind, sondern auf fingierten Rechnungen basieren."

Die Steiner Industries AG war im Sommer mit Schulden in der Höhe von 4,5 Milliarden (nach Konsum und Maculan die drittgrößte Insolvenz Österreichs) in die Pleite geschlittert, nachdem das britische Investmenthaus Duke Street Capital - es hatte 67 Prozent des Unternehmens bis Mitte 1999 um 750 Millionen Schilling gekauft - die Steiners bei der Staatsanwaltschaft angezeigt hatte. Die Gutachter gehen davon aus, daß die Steiner-Unternehmen in Wahrheit bereits 1995 zahlungsunfähig waren.

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