Temelin-Betreiber CEZ verklagt Greenpeacer

Verkaufsentscheidung über tschechischen Energiekonzern am Montag

Wien/Prag - Der tschechische Energiekonzern und Temelinbetreiber CEZ
hat drei Greenpeacemitarbeiter persönlich wegen "Angstverbreitung" angezeigt, weil diese im Oktober dieses Jahres einen Brief mit brisantem Inhalt an die französische EdF (Electricité de France), den favorisierten CEZ-Übernahme Kandidaten, an die Internationale Atomenergiebehörde IAEO und EU-Erweiterungskommissar Günther Verheugen geschickt haben. Den Aktivisten droht eine maximale Haftstrafe von drei Jahren. In dem Brief macht Greenpeace auf gravierende Sicherheitsmängel im AKW Temelin aufmerksam. Laut einem verlässlichen Zeugen wurden bei Schweißarbeiten im Primärkühlkreislauf von Temelin grobe Schlampereien begangen, die sowohl der CEZ wie auch der tschechischen Atomenergiebehörde SUJB bekannt sind. "Die Anzeige der CEZ gegen Greenpeace ist ein weiterer Beleg dafür, dass man kritische Stimmen mundtot machen will, um den Verkauf des Energiekonzerns reibungslos abwickeln zu können", stellt Steffen Nichtenberger, Atomexperte von Greenpeace, fest.

Greenpeace hatte im Juli 2000 von einem zuverlässigen Informanten erfahren, dass ein Rohr zwischen dem Reaktorblock und dem Primärkühlkreislauf um 180 Grad falsch angeschweißt wurde. Dieser Bereich ist hochsensibel und kann bei einem Bruch eine nukleare Katastrophe auslösen. Der Informant war bei den Schweißarbeiten am ersten Reaktorblock in Temelin selbst beteiligt. In der Folge wurde das Rohr einfach abgeschnitten und umgedreht wieder angeschweißt. Um den Vorfall zu vertuschen, wurden die Aufzeichnungen manipuliert. Greenpeace erstattete daraufhin Anzeige. Die Polizei leitete zwar eine Untersuchung ein, untersuchte allerdings nicht die durch den Zeugen beschriebene Schweißnaht "1-4-5", sondern einen andere (1-1-5). Informationen darüber, welche Schweißnaht zu untersuchen gewesen wäre, hätte die Untersuchungsbehörde nur von der SUJB erhalten können oder von der SUJB über die Temelin-Betreibergesellschaft CEZ. Greenpeace hat niemand anderen als die SUJB informiert, welches Rohr der Zeuge gemeint hat. "Wir können daraus nur die Schlussfolgerung ziehen, dass die SUJB versucht, die Sache zu vertuschen", sagte Jan Haverkamp, Kampagnen-Direktor und Atomexperte von Greenpeace Tschechien.

Währenddessen laufen im Hintergrund die Verhandlungen über den Verkauf des 67-Prozent-Anteils des Energiekonzerns CEZ. Das Ergebnis wird morgen, den 17. Dezember, bekanntgegeben. "Es ist ein offenes Geheimnis, dass die französische EdF der Wunschkandidat für die Übernahme ist", meint Nichtenberger. Die kolportierte Übernahmesumme der CEZ beträgt 5 Milliarden EURO (fast 69 Milliarden Schilling). "Wenn solche Summen im Spiel sind, schreckt man scheinbar auch nicht davor zurück, Kritiker zu verklagen", sagt Nichtenberger. "Der Brief an die EdF war dabei einigen Entscheidungsträgern des CEZ-Verkaufs ein Dorn im Auge, sagt Nichtenberger abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

DI Jan Haverkamp, Kampagnen-Direktor Greenpeace Tschechien, mMMag. Franko Petri, Pressesprecher Greenpeace
Österreich, mob. tel. 0676-5147246
Steffen Nichtenberger, Atom-Experte Greenpeace Österreich, mob. tel.
0699-11502360

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