Die Verteufelung von "Basel II" (Kommentar von Jens Tschebull)

Wien (OTS) - Es geht bei "Basel II" um den internationalen
Versuch, den Banken ein einheitliches Kreditprüfungsverfahren zu verpassen, um die Schmuddelkinder und bösen Buben unter den Debitoren - vom "Konsum" bis zu Hom-Rusch - leichter zu erkennen, durch höhere Zinsen auf Distanz zu halten oder überhaupt vom Kredittrog auszusperren.

Dieses Bemühen, Kreditrisken zu minimieren und Bankenzusammenbrüchen mit ihren volkswirtschaftlichen Schäden vorzubeugen, wird mit grossem Eifer verteufelt und "Basel II" zu einem Krampus aufgeblasen, der vor allem kleine Unternehmen für ihre betriebswirtschaftlichen Sünden mit der Zinsenrute bestraft. Die Schwächsten, die beim "Rating" weder genügend Geschäftserfolg noch ausreichende Sicherheiten vorweisen können, werden als weder gesellschaftsfähig noch kreditwürdig in der Butte entsorgt. Abgesehen von allen technischen Details der Bonitätsprüfung und gestaffelten Eigenkapitalunterlegung, die noch verhandlungsbedürftig sein mögen, stösst höhere Transparenz bei Kreditprüfung und Kreditvergabe in Österreich auf besonderes Misstrauen, da sie der ortsüblichen "Kreditkultur" zu widersprechen scheint:

Kreditzinsen werden seit Jahrzehnten nicht einfach als Marktpreis für Geldkapital, sondern als Fürsorge- und Machtinstrumente angesehen. Kreditinstitute degenerierten gleichzeitig vom redlichen Geldverleiher zum augenzwinkernden Vermittler der Förderungen. Der Kreditkunde erläuterte nicht seine Geschäftspläne, sondern fragte, ob "etwas zu machen" ist. Besonders wehleidig zeigt sich jetzt die überschuldete Fremdenverkehrswirtschaft. Diese aber wurde die längste Zeit mit zinsenbegünstigten Struktur- und Häuslkrediten aufgebläht. Man hofft auf die weitere Anerkennung von "banküblichen Sicherheiten", darunter hinterlegte Sparbücher unbekannter Herkunft. Manche wünschen sich eine durch Steueramnestie ermöglichte Weisswaschung solcher Sparkonten, deren Inhalt als offene stille Reserve aus den Sparbüchern in die offiziellen Geschäftsbücher gleiten soll. Wenn die laufende Diskussion dazu führt, dass alle Beteiligten endlich aussprechen, was sie eigentlich meinen, wäre dies ein erster Erfolg von Krampus "Basel II".

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