BSE: Derzeit keine Absatzprobleme auf heimischem Rindermarkt

Importstopp in Drittländern - Rogl: Besonnenheit bei Rindermästern notwendig

Wien, 13. Dezember 2001 (AIZ). - Der erste österreichische BSE-Fall hat den heimischen Rindermästern noch keine Absatzprobleme im Inland sowie auf dem EU-Binnenmarkt beschert. Der Vermarktungsumfang der Börse blieb diese Woche gegenüber der Vorwoche gleich. Dies erklärte der Geschäftsführer der Österreichischen Rinderbörse, Rudolf Rogl, gegenüber dem AIZ. Derzeit sei ein minimaler Nachfragerückgang zu beobachten, der zu keinen nachhaltigen Absatzveränderungen führen werde. "Im Gespräch mit den Vertretern der großen Handelsketten (Spar, Billa, Merkur) wurde uns versichert, es werde bis Anfang Jänner kein Druck auf die Rindfleischlieferanten ausgeübtS, berichtet Rogl. Spürbar seien dagegen die gestern von Drittländern verhängten Importsperren. Er gehe aber davon aus, rdass diese Länder mittelfristig wieder in der EU - und damit auch in Österreich -Rindfleisch kaufen werden". An die Bauern, die in den letzten Tagen zum Teil Schlachtrinderverkäufe vorgezogen haben, appellierte Rogl, mit Besonnenheit auf diese neue Situation zu reagieren, es gebe keinen Grund zur Panik. ****

Für österreichische Schlachtkühe und -kalbinnen wurden diese Woche laut Rinderbörse um ATS 1,- je kg, für Stiere um bis zu ATS 1,50 je kg weniger erlöst. Dieser verhältnismäßig geringe Rückgang wird auf den BSE-Fall zurückgeführt. Weitere Rückgänge sind derzeit - auch auf Grund des eher knappen Angebots - nicht in Sicht.

EU-Markt zeigt steigende Preistendenz

Einen Einfluss auf die weitere Preisentwicklung auf dem Rindermarkt wird laut Rogl die Exportsituation ausüben. Ungefähr 30 % des österreichischen Rindfleisches werden im Ausland abgesetzt, wobei der Anteil bei Kuhfleisch besonders hoch ist: 70 % der in Österreich geschlachteten Kühe gehen in den EU-Binnenmarkt oder in Drittstaaten. "Generell war in den letzten Wochen innerhalb der EU eine steigende Preistendenz festzustellen", erläutert Rogl. Ungünstig sei allein die Tatsache, dass im benachbarten Bayern auf Grund eines stärkeren Angebotsdrucks rückläufige Preise festgestellt wurden.

Von den EU-Ländern erwartet man bei der Rinderbörse daher keinen Marktdruck. Speziell nach Italien werden Entlastungsverkäufe durchgeführt - dieses Land weist auch ein verhältnismäßig hohes Preisniveau auf.

Drittländer verhängen Importstopp

Nach Kroatien, Tschechien, Polen und Restjugoslawien haben am Mittwoch auch Ungarn, die Slowakei und Mazedonien einen Importstopp für Rindfleisch beziehungsweise zum Teil auch für Lebendvieh aus Österreich verhängt. Wie weit die Importverbote gehen, ist noch nicht ganz klar, schränkt Richard Franta, Syndikus des Bundesgremiums des Agrar- und Lebensmittelhandels, ein. Die beiden Großabnehmer Russland und Rumänien seien vorerst noch frei, so Franta. Er gehe davon aus, "dass das auch so bleibt". Schmerzhaft wirke sich bisher die Sperre in Kroatien und Mazedonien aus. In die Länder des ehemaligen Jugoslawien gingen insgesamt rund 25 % der heimischen Exporte. Jeweils rund ein Zehntel werde nach Rumänien und Russland exportiert.

"Manche Länder im Drittlandsbereich haben ihre Rindfleisch-Bezüge aus Österreich vorerst reduziert oder eingestellt, andere haben unter Hinweis auf den ersten BSE-Fall Preisreduktionen verlangt", berichtet Rogl. Wie restriktiv die Drittländer bei den Importen tatsächlich vorgehen, müsse abgewartet werden.

Besonnenheit ist angesagt

Dass die Rindermäster angesichts des ersten BSE-Falles nervös sind und Viehverkäufe vorziehen wollen, sei verständlich, meint Rogl. Allerdings gebe es keinen Grund für Panikverkäufe. Erstens seien im Inland keine Absatzeinbrüche festzustellen, das Angebot sei eher knapp. Zweitens sei in wichtigen EU-Erzeugerländern eine steigende Preistendenz festzustellen. Und drittens weise er auf die ab 1. Jänner 2002 steigende Schlachtrinderprämie hin. "Es ist das erklärte Ziel der Erzeugergemeinschaften, dass wir jetzt keinen Marktdruck ausüben, sondern nur verkaufen, was der Markt aufnehmen kann", so der Geschäftsführer der Rinderbörse. Die österreichischen Erzeugergemeinschaften, darunter auch die Rinderbörse in Nieder- und Oberösterreich, repräsentieren 22 % des heimischen Schlachtrinderabsatzes.
(Schluss) kam

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