VIER PFOTEN fordern Ablehnung des Tierarzneimittelkontrollgesetzes

Wien (OTS) - Die Freigabe bestimmter Medikamente und Impfstoffe
für Landwirte soll in der heutigen Parlamentssitzung beschlossen werden: Die damit verbundene mangelnde tierärztliche Kontrolle könnte Konsumenten künftig keine Garantie mehr auf Lebensmittelsicherheit geben. VIER PFOTEN kritisieren diese Gesetzesvorlage im Hinblick auf den jüngsten BSE-Fall und den Schweinemastskandal.

Der Landwirt als Tierarzt: Mit dem neuen Arzneimittelgesetz könnte dieser Albtraum für den Konsumenten Wirklichkeit werden. Geht es nach dem Entwurf, so könnten Bauern in Zukunft bestimmte Medikamente und Impfungen selbst verabreichen. Künftig soll es auch erlaubt sein, den Impfstoffvorrat eines Monats im Hof lagern zu können. Tierärzte werden auf diese Art und Weise immer mehr aus den Ställen gedrängt. VIER PFOTEN Nutztierexperte Michael Buchner: "Ohne Diagnose gespritzte Impfstoffe bergen eine Gefahr nicht nur für Tiere, sondern auch für Konsumenten und haben in den Händen von Laien nichts verloren." Ein weiteres Problem liegt in der Überdosierung von Medikamentengaben. Dabei kann es bei einem Ansteigen von Medikamentenrückständen in Nahrungsmitteln kommen, was eine massive Gefährdung der Gesundheit für den Menschen bedeutet. Unliebsame Nebenwirkungen können Resistenzen gegen Medikamente sein. Die Folgen für den Konsumenten sind dramatisch: Ungefähr 300 Personen essen das Fleisch eines Schweins.

Neues Gesetz erschwert Seuchenerkennung

In England konnten sich BSE und die Maul- und Klauenseuche besonders rasant verbreiten, weil sie über mehrere Wochen nicht erkannt worden sind. Britische Landwirte führen die Behandlung der Tiere selber durch und Tierärzte sind auf Grund dessen selten in den Ställen anzutreffen. "Mit dem Beschluss eines solchen Gesetzes in Österreich wird legalisiert, was wir im Rahmen des Schweineskandals massiv kritisiert haben", ist Buchner über den Vorstoß von Minister Haupt erschüttert, "Es ist unglaublich, wie wenig Konsequenzen die Regierung aus dem Schweinemastskandal gezogen hat." Dieser Gesetzesentwurf nützt vor allem den österreichischen Bauern. Sie könnten dadurch künftig die Kosten für den Tierarzt deutlich reduzieren. Die wirkliche Alternative zum massiven und unkontrollierten Medikamenteneinsatz in Österreichs Ställen müsste -so der VIER PFOTEN Nutztierexperte - bereits viel früher ansetzen:
"Artgerechte Haltung ist nicht nur aus Tierschutzgründen vorzuziehen - sie macht Tiere auch weniger anfällig für Krankheiten".

Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN wurde im Frühjahr 1988 von Helmut Dungler in Wien als Verein gegründet und finanziert sich seit damals ausschließlich durch private Spendengelder. Rund 45 Millionen Schilling wurden im Jahr 2000 als Spendengelder lukriert, wovon ca. die Hälfte für konkrete Projekte und laufende Kampagnen im In- und Ausland verwendet wurden. Das übrige Budget floß in Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärungsarbeit. Erschreckende Ergebnisse brachte zu Beginn des heurigen Jahres die umfassende Recherche über Schweinehaltung in Österreich, die in die Aufdeckung des Schweineskandals in Österreich und Bayern mündete. Seit dem Sommer 1999 ist VIER PFOTEN eine unabhängige Stiftung: Sie verfügt mittlerweile über Büros in Deutschland, Rumänien und der Schweiz. Derzeit versuchen in Österreich 30 fix angestellte Mitarbeiter und eine große Anzahl an freiwilligen Helfern Verbesserungen in der Tierschutzgesetzgebung zu erreichen und Konsumverhalten sowie Bewußtsein der Bevölkerung positiv zu beeinflussen.

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