Fischer würdigt Anton Benya als Baumeister des Wohlfahrtsstaates

Wien (SK) "Mit Anton Benya ist zweifellos eine der markantesten Persönlichkeiten der Zweiten Republik, ein Baumeister des Wohlfahrtsstaates und eine Symbolfigur unserer Sozialpartnerschaft von uns gegangen. Benya hatte ein sicheres Augenmaß für das Zumutbare und eine einzigartige Mischung aus Härte und der Fähigkeit zum Kompromiss, er zeigte Fairness auch in der härtesten Auseinandersetzung", betonte Nationalratspräsident Heinz Fischer Donnerstag in seiner Rede bei der Gedenkveranstaltung aus Anlass des Ablebens des früheren Präsidenten des Nationalrats Anton Benya im Parlament. Fischer würdigte Benyas jahrzehntelange engagierte, vielseitige und erfolgreiche Arbeit, durch die Benya zum sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg Österreichs wesentlich beigetragen habe. ****

"Zweifellos war Benya auch im Bereich der Politik von den dramatischen Ereignissen der Ersten Republik geprägt und es war sein politisches Credo, dass sich das einfach nicht mehr wiederholen dürfe. Man müsse aus der Geschichte lernen und Probleme besser am Verhandlungstisch als auf der Straße lösen", führte Fischer aus. Dabei sei Benya bewusst gewesen, dass es echte Interessengegensätze gebe, denen man sich stellen und die man austragen müsse.

Benya habe versucht, auch mit dem Kopf der anderen Seite zu denken, und er habe den Preis für einen Kompromiss und den Preis für einen Konfliktfall nicht aus den Augen verloren. Die österreichische Sozialpartnerschaft habe Benya mit Leben erfüllt und dafür gelebt. Als Nationalratspräsident sei von ihm Würde ausgestrahlt, er habe auf Festigkeit gezeigt und auf seine volkstümliche Sprache nicht verzichtet, so Fischer.

Fischer erklärte, auf kaum jemanden träfe der Satz von der rauhen Schale und dem weichen Kern so exemplarisch zu wie auf Anton Benya, der hart und beharrlich einen Standpunkt vertreten und eine Organisation mit fester Hand leiten konnte, der aber den weichen Kern eines sensiblen Menschen gehabt habe, "der mitfühlen, mitleiden und mittrauern konnte und dem Freundschaft sehr viel bedeutete".

Der Nationalratspräsident erinnerte an Benyas Lebensweg: 1912 in Wien geboren, von Beruf Elektromechaniker, schon als Lehrling in der Gewerkschaftsjugend, mit 21 Jahren Betriebsrat, 1937 inhaftiert, und nach dem Krieg bald wieder gewerkschaftliche Tätigkeit. Ab 1962 sei Benya Vorsitzender der Metallarbeitergewerkschaft gewesen, von 1963 bis 1987 ÖGB-Präsident und von 1971 bis 1986 Nationalratspräsident.

Über das bereits Gesagte müsse man Benya würdigen, sagte Fischer und hob Benyas Fähigkeit zu verlässlichen lebenslangen Freundschaften, sein ausgeprägtes Gefühl für Kameradschaft und seine sprichwörtliche Bescheidenheit und seine ungekünstelte Volksverbundenheit hervor. "Ich möchte auch in dieser traurigen Stunde seinen Sinn für Humor, seine Lebensfreude und seine Begeisterungsfähigkeit nicht unerwähnt lassen." Abschließend betonte der Nationalratspräsident, dass Anton Benya einen festen und bleibenden Platz in der Geschichte unseres Landes haben werde. (Schluss) ts

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 53427-275
http://www.spoe.atPressedienst der SPÖ

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK/SPK