DER STANDARD-Bericht: "Haftung für "Zustand der Natur": Trotz Forstgesetznovelle droht Waldwegen die Sperre"

Erscheinungstag 13.12.2001

Wien (OTS) - "Das alpine Wegenetz wird Stück um Stück weniger begehbar", berichtet der Raumplaner des Alpenvereins, Peter Haßlacher, im Gespräch mit dem Standard. Grund dafür ist eine jahrelang wenig beachtete Stelle des Forstgesetzes 1975, nach der die Wegerhalter im Wald nicht nur für den Zustand des Weges an sich, sondern auch für den Zustand des umliegenden Waldes haften. Fällt einem Spaziergänger ein Ast auf den Kopf, so kann er sich etwa an der Alpenvereinssektion, die den Weg markiert hat, schadlos halten.

Und das kommt in der Praxis immer öfter vor, sagt Haßlacher. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbands, hält diese Situation "für unhaltbar im 'wanderbaren Österreich" - es kann doch nicht so sein, dass Vereine oder Fremdenverkehrsverbände die Haftung für den Zustand der Natur tragen müssen".

Obwohl die Umweltschützer mehrfach auf eine Änderung der Rechtssitutation gedrängt haben, geht das Landwirtschaftsministerium bei der Forstgesetznovelle von der bisherigen Regelung des Paragraphen 176 nicht ab. Heilingbrunner: "Das führt zu kuriosen Situationen: In den Donauauen wird links und rechts der Wege der alte Baumbestand gefällt, damit Wanderern nur ja nichts passiert. Und das in einem Nationalpark, in dem alter Baumbestand erhalten bleiben sollte."

Andreas Tschugguel vom Kuratorium Rettet den Wald: "Auch tote Bäume und totes Holz, das gelegentlich einmal herunterfallen kann, spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem Wald. Es erscheint paradox, einerseits den Wald in seiner Ursprünglichkeit und natürlichen Schönheit erleben zu wollen und andererseits eine unnatürliche totale Sicherheit auf Kosten der Natur gewährleisten zu wollen."

Die Umweltschützer appellieren nun an den die für den Sport zuständige Vizekanzlerin, an die Tourismusstaatssekretärin und den Justizminister, sich beim Umweltminister für eine Lösung einzusetzen, die dem Schutz der Touristen ebenso entspricht wie deren Erholungsbedürfnis: "Das Risiko, dass einem ein Ast auf den Kopf fällt, wird man doch tragen können, wenn der Weg sonst in Ordnung ist und die Natur intakt bleibt", sagt Heilingbrunner.

Er hofft, dass die Forstgesetznovelle noch von anderen ökologischen Schönheitsfehlern befreit wird: Vor allem solle die die Ökologie konkreter verankert werden - und heimischen Bäumen der Vorzug gegeben werden.

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