Minister Haupt ersetzt Gesundheitsberuf durch Schnellkurs

Gesetzentwurf ein Geheimpapier

Wien (ÖGB-FGV/ÖGB). Zum unbrauchbaren Entwurf des neuen Heilmasseurgesetzes fand heute eine gemeinsame Pressekonferenz der ÖGB-Fachgruppenvereinigung für Gesundheitsberufe, der Österr. Ärztekammer und der Wirtschaftskammer Österreich statt.++++

Einig sind sich ÖGB, Österr. Ärztekammer und WKÖ, dass der Entwurf zum neuen Heilmasseurgesetz (HmG) noch gründlich überarbeitet werden muss. Die vorgesehene Regelung untergrabe die gesundheitlichen Schutzinteressen der Bevölkerung, widerspreche der Berufssystematik in Österreich und schaffe darüber hinaus schwerwiegende rechtliche Unklarheiten, sagte ÖÄK-Präsident Dr. Otto Pjeta.

Oberin Monika Mauerhofer, ÖGB, meinte zum Entwurf: "Tatsache ist, dass ein Patient in seiner körperlichen Notlage oft nicht entscheiden kann, ob er sich in kompetente Hände begibt oder nicht. Daher ist es Aufgabe des Gesetzgebers für Rechtssicherheit und die persönliche Sicherheit der Kranken zu sorgen."

So war es bisher

Bisher durften Heilmasseure nur unter ärztlicher (!) Aufsicht arbeiten, egal ob in Krankenhäusern, in physikalischen Instituten, in privaten Krankenanstalten oder Kurbetrieben. Gewerbliche Masseure durften keine Heilmassagen verabreichen, weil sie nicht dazu ausgebildet worden sind.

Schnellsiederkurs schafft zwei Behandlungsqualitäten

Geht es nach Minister Haupt werde es in Zukunft zwei Klassen von Heilmasseuren geben: Diejenigen, die sich sofort für diesen Beruf entscheiden und eine Schule mit speziellen für diesen Beruf ausgelegten Lehrinhalten besuchen (die gesamte Ausbildungszeit beträgt in diesem Fall 2.800 Stunden, wovon 1.740 Stunden reines Praktikum am Patienten sind).

Die zweite Kategorie sind 'dürftig' aufgeschulte Gewerbemasseure, die im Rahmen von Übergangsregelungen nach der Lehre und dreijähriger 'gewerblicher' Berufspraxis an gesunden Menschen nach nur 180 Stunden zusätzlicher Ausbildung ohne ärztliche Aufsicht an Kranken tätig werden dürften. Lediglich für gewerbliche Masseure ohne Berufspraxis sind danach weitere 1.740 praktische Ausbildungsstunden für Heilmassage und andere therapeutische Maßnahmen am Patienten vorgesehen.

Mauerhofer meinte dazu: "Durch die geplante Aufschulung mit nur 180 Stunden Theorie wird es nicht möglich sein, ein fundiertes medizinisches Grundwissen zu erhalten, um auf die Aufsicht eines Arztes verzichten zu können."

Hans Hable, GÖD, erklärte, dass der Gesetzesvorschlag ein in Geheimsitzungen im Ministerium unter Ausschluss der Öffentlichkeit erarbeitetes Papier sei. Hable, selbst Direktor in einem Pflegeheim in OÖ. wörtlich: "Das hat sich so bisher noch kein Bundesminister geleistet." Diese gegenwärtige Vorgehensweise stelle die Sinnhaftigkeit des Begutachtungsverfahrens für Bundesgesetze in Frage. Hable fordert, Experten und Sozialpartner in die Gesetzesarbeit einzubeziehen und nicht auszugrenzen.

Dr. Günther Wiesinger, Facharzt für physikalische Medizin (WKÖ) ist fassungslos: "Es ist mir unverständlich den hilfesuchenden Patienten eine Vielzahl von unzureichenden Therapieanbietern, aus dem Bereich Fußpflege, Kosmetik und Massage anzubieten, die in keinster Weise einer fachärztlichen Aufsicht unterstehen und schlecht ausgebildet sind." Laut Wiesinger würden die privaten Krankenanstalten und Kurbetriebe in den letzten Jahren zu Rehab-Einrichtungen mit einer höchstgradigen Qulitätssicherung - was zumindest auf den Raum Wien zutreffe.

Sollte der Entwurf den Ministerrat passieren und im Parlament durchgebracht werden, so könnte ein massiver Eingriff in das österreichische Gesundheitswesen die Folge sein. Hunderte Arbeitsplätze wären allein in Wien in Gefahr, weil vielen ‚alten’ Heilmasseuren/innen die Berufsberechtigung aberkannt werden würde!

ÖGB, 12. Dezember 2001
Nr. 1087

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Pflegedirektor Hans Hable, Mobil: 0664 - 243 53 35
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