Peymann zu Causa "Josefstadt" und Gratzers Erennnung: "Politker sind rücktrittsreif"

Vorausmeldung zu NEWS 50/01 v. 13.12. 01

Wien (OTS) - Der langjährige Burgtheaterdirektor und Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, übt in der morgen erscheinenden Ausgabe des Wochenmagazins NEWS vernichtende Kritik am Theater in der "Josefstadt" und an der Bestellung des designierten Direktors, Hans Gratzer.

Peymann, der selbst für die Direktion im Gespräch war und dessen Stellvertreter Hermann Beil trotz Jury-Votum absagte, zu NEWS: "Ich weiß nicht, ob ich ihm das Haus gewünscht hätte, ob er die nötige Härte überhaupt hätte aufbringen wollen. Die "Josefstadt" ist nur von jemandem neu zu gründen, der entweder mit der Härte eines Managers auftritt oder ein erster Regisseur wie Peter Stein oder ich ist. Die "Josefstadt" braucht scharfe Sanierung in allen Bezirken, von der Technik über den Ensemble bis zum Publikum und zur Verwaltung. Dort ist ja alles voriges Jahrhundert! Gehen Sie einmal an einem beliebigen Sonntagnachmittag in die "Josefstadt". Da ist ja der Zantralfriefhof jugendlich dagegen, auf der Bühne und im Parkett." "Politikerrücktritt fällig".

Und zu Gratzers Ernennung: "Er kann das nicht schaffen. Er war ja schon im Schauspielhaus ausgebrannt. Für mich ist er dieser Wiener Kompromiss, der sich immer findet, und seine Ernennung die endgültige Bankrotterklärung der Reste einer mit Sachkenntnis und Überblick agierenden sozialdemokratischen Kulturpolitik, die in dieser Stadt ja angeblich noch existiert haben soll. Wer Gratzer ernennt, kann eigentlich nur seinen Rücktritt erklären."

Peymann äußert sich in NEWS auch zum Bombardement Afghanistans:
"Jede unabhängige Diskussion über Sinn und Unsinn des Kriegseinsatzes ist verboten. McCarthy ist da nichts dagegen, was einem blüht, wenn man, sagt, dass es noch andere Möglichkeiten geben muss, als für oder gegen Amerika zu sein. Dabei ist der Krieg in Afghanistan völlig sinnlos, nur der Anfang einer nicht zu beendenden Kette. Dieser Krieg wird nichts bringen als gesteigerte Umsätze für die Waffenindustrie. Der Kapitalismus erfindet sich immer wieder seine Krisen und Kriege, wenn der Umsatz stockt. Insofern war der 11. September ein willkommener Anlass, so zynisch das klingen mag."

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