Industriellenvereinigung/Universitätsreform: Zwischen Internationalität und Provinzialismus

IV-Präsident Mitterbauer: Rasche Reform entscheidet über internationale Wettbewerbsfähigkeit der Universitäten - Ausgliederung und Entlassung der Universitäten in die Selbständigkeit ist einzig gangbarer Weg: Entweder Universitätsreform jetzt, oder Rückfall in die internationale Bedeutungslosigkeit!

Wien (PdI) "Wenn Österreichs Universitäten im internationalen Wettbewerb bestehen wollen, gibt es zu den geplanten Reformvorhaben keine Alternative,", betonte der Präsident der Industriellenvereinigung, DI Peter Mitterbauer auf einer Pressekonferenz anlässlich der heute, Mittwoch, stattfindenden Veranstaltung der Industriellenvereinigung zum Thema "Die Zukunft der österreichischen Universitäten - Zwischen Internationalität und Provinzialismus". Die Industriellenvereinigung begrüßt daher die Universitätsreform, zu der es auch keine Alternative gebe: "Entweder Universitätsreform jetzt, oder Rückfall in die internationale Bedeutungslosigkeit!".
Neben IV-Präsident Mitterbauer legten Dr. Peter Adler, Vorstandsvorsitzender der Cybertron Telekom AG und stv. Vorsitzender des Ausschusses für Bildungs- und Gesellschaftspolitik in der IV und Dkfm. Lorenz Fritz, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, die Position der IV zum Gestaltungsvorschlag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (bm:bwk) für die Universitätsreform dar.

Mitterbauer erinnerte an die für den Lehr- und Forschungs-, aber auch Wirtschaftsstandort Österreich unbefriedigenden Rahmenbedingungen:
Nach wie vor zählen die Studien an österreichischen Universitäten -bedingt durch die lange Studiendauer - zu den weltweit teuersten. Nicht allein deshalb ist der Handlungsbedarf dringend. "Der Reformprozess muss aber sachlich, zielorientiert und konstruktiv geführt werden. Reine Parteipolitik ist hier fehl am Platz", appellierte Mitterbauer, "denn wer auch immer in der nächsten Regierung sitzt, wird die Früchte der Reform ernten müssen. Deshalb gilt für die Diskussionspartner: Es muss gemeinsam, statt einsam eine Lösung gefunden werden!"

Für Peter Adler ist die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Universitäten der Schlüssel zur Effizienzsteigerung an den Universitäten. "Jeder Mensch ist bereit, sein Geld einzuteilen, wenn er weiß, dass er das Ersparte für Nützliches verwenden darf." Das derzeit vorherrschende kameralistische System steht selbst verantworteten Entscheidungen aber im Weg. Adler vertraut auf effizientere Mittelverwendung, wenn man die Universitäten nur lassen würde. Ohne Budgetbelastungen oder
Qualitätseinbußen können in selbständigen Universitäten Ressourcen freigesetzt werden. "Alleine aus besserer Raumnutzung lässt sich dann viel gewinnen, wenn diejenigen, die die Räume einteilen, auch etwas davon haben, wenn diese besser genutzt werden", so Adler. Für den Manager ist klar, dass die Universitätsleitung wissen muss, welche Mittel ihr zur Verfügung stehen, welche Rechte und Pflichten ihr beim Übergang in die Selbständigkeit von der Republik mitgegeben werden. Jedenfalls darf die Entlassung der Republik aus der bildungspolitischen Verantwortung für die Universitäten nicht stattfinden. Die Selbständigkeit bedingt jedoch, dass primär die Universität für ihre Ausgaben verantwortlich ist und auch dementsprechend handelt.

"Der Industrie ist das Gelingen dieser Reform viel zu wichtig, als dass wir nicht alles Denkmögliche zur erfolgreichen Durchführung dieses Prozesses unternehmen", betonte der Generalsekretär der IV, Lorenz Fritz, die Bereitschaft der Industriellenvereinigung, in diesem Prozess eine "Mediatorenrolle" zwischen dem federführenden Bildungsministerium und den wichtigen, reformwilligen Kritikern einzunehmen. Mit der Reform der Universitäten in Österreich muss auch eine inhaltliche, organisatorische und strategische Neuausrichtung des Ressorts einhergehen, damit dieses letztendlich auch die notwendige Controllingfunktion wahrnehmen kann.

Die Industrie unterstützt nicht nur die Reformbestrebungen der Bundesregierung - sondern auch die Diskussion und den Reformprozess an sich. Fritz zeigte sich beeindruckt von der Vehemenz wie Bundesministerin Gehrer den Reformprozess vorantreibt. Dieser sei mit der Einführung eines neuen Dienstrechts bzw. der Einführung von Studienbeiträgen bereits voll im Laufen. In diesem Zusammenhang hob Fritz hervor, dass die befürchteten Rückgänge bei den Studierenden aufgrund der Einführung der Studienbeiträge nicht eingetreten sind, wie ein Vergleich mit ähnlich großen Ländern (z.B. Schweiz, Bayern, Niedersachsen) zeigt.

Entscheidend für das Funktionieren der "neuen" Universitäten ist für die Industriellenvereinigung ein modernes, leistungsorientiertes Management. Die Leitungsorgane sind mit starker Leitungs- und Entscheidungsmacht auszustatten. Eine klare Aufgabentrennung zwischen Rektor und Universitätsrat in operative und strategische Agenden erachtet der IV-Generalsekretär aus unternehmerischer Sicht als notwendig. Bei der Größe und der Zusammensetzung des Universitätsrates sieht die IV noch Korrekturbedarf. Die Erarbeitung eines Anforderungsprofils für Universitätsräte soll sicherstellen, dass Personen mit einschlägiger internationaler Erfahrung und anerkannte Persönlichkeiten aus der Wirtschaft darin vertreten sind. An "guten Köpfen" dafür dürfte es Österreich jedenfalls nicht mangeln. "Der Staat als Financier der Universitäten muss", so Fritz, "aber das Recht haben, geeignete Persönlichkeiten in den Universitätsrat zu entsenden. Wenngleich es auch aus Sicht der Industrie wünschenswert wäre, wenn dies keine weisungsgebundenen Beamten wären".

Der Reformweg müsse jedenfalls mit derselben Konsequenz zu Ende geführt werden, mit der er begonnen wurde, unterstrich Fritz abschließend.

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