Sima zu BSE: Nur 437 Rinder-Futtermittel-Proben auf Tiermehl von 1998 bis 2000 gezogen

"Rund neun Prozent enthielten tatsächlich Spuren von Tiermehl. EU-Bericht kritisiert mangelnde Überwachung vom Tiermehl-Verfütterungsverbot"

Wien (SK) Nur 437 Rinder-Futtermittel-Proben auf Tiermehl wurden in Österreich laut einer aktuellen Anfragebeantwortung von Minister Molterer an SPÖ-Umweltsprecherin Ulli Sima von 1998 bis 2000 gezogen: "Da allgemein davon ausgegangen wird, dass Tiermehl im Futter von Wiederkäuern BSE auslöst, ist diese geringe Probenanzahl mehr als bedenklich. Auch der renommierte BSE-Experte Budka hat erst gestern wieder betont, dass spontan auftretende BSE-Fälle unwahrscheinlich sind und die Ursache der Erkrankung in mit Tiermehl verunreinigtem Futtermittel zu suchen ist", erläuterte Sima. ****

In 8,7 Prozent der Proben wurden laut Molterer auch tatsächlich Spuren von Tiermehl gefunden. "Es handelt sich dabei nicht um zufällige Verunreinigungen, der Grund liegt im System. Da in den heimischen Futtermühlen zum einen Futter für Schweine und Geflügel hergestellt wurde, an die bis Ende 2000 Tiermehl verfüttert werden durfte. Zum anderen wurde auch Futter für die Wiederkäuer in den gleichen Produktionsstätten hergestellt, für die schon seit 1990 ein Tiermehlverbot gilt, da kam es unweigerlich zu Verunreinigungen", erläuterte Sima.

"Obwohl also bekannt war, dass es in Österreich in den letzten Jahren sehr wohl Verunreinigungen im Rinder-Tierfutter mit Tiermehl gab, wurde erst auf Druck der EU mit 1.1. 2001 ein generelles Tiermehlverbot verhängt, in dessen Folge Verunreinigungen des Futters für die Rinder ausgeschlossen werden kann", kritisiert Sima. Dass die Probenanzahl insgesamt gering ist, hat nach Angaben der SPÖ-Umweltsprecherin auch die EU-Kommission in ihrem Bericht über einen Kontrollbesuch des Lebens- und Veterinäramtes kürzlich scharf kritisiert. Tatsächlich gehe aus der Anfragebeantwortung hervor, dass 1998 121 Proben gezogen wurden, 2,5 Prozent waren positiv, 1999 waren von 111 gezogenen Proben 6,3 Prozent mit Tiermehl verunreinigt und im Jahr 2000 waren 13 Prozent positiv.

Der EU-Bericht kritisiert zudem, dass das Verfütterungsverbot in Österreich nicht effektiv überwacht wird. So seien laut EU-Bericht etwa nicht einmal die Grundregeln zur Verhinderung der Verseuchung von Wiederkäuer-Futtermitteln mit Tiermehl in den Futtermühlen eingehalten worden. Aufgrund der Struktur der Futtermittelindustrie in Österreich bestehe ein hohes Risiko auf Kreuzkontamination in den Futtermühlen. Der Besuch einer großen Futtermühle hätte laut EU-Experten ergeben, dass die "Gefahr einer Kreuzkontamination von Wiederkäuer-Futtermitteln mit Fleisch-Knochenmehl in Wirklichkeit häufiger und höher war, als es die amtlichen Ergebnisse vermuten ließen", so die Experten.

Sie kritisieren darüber hinaus die stichartige Überprüfung der heimischen Futtermittel. "Dies entspricht nicht den in der Richtlinie 95/53/EG des Rates festgelegten Grundsätzen, nach denen ein gezielter Ansatz erforderlich ist", so der EU-Bericht. Landwirtschaftsminister Molterer kann dem Vorschlag wenig abgewinnen, er hält laut parlamentarischer Anfragebeantwortung an Sima die Stichproben für zielführender als den zielgerichteten Ansatz, wobei er schließlich doch einräumt, dass hinkünftig auch der "zielgerichtete Ansatz bei der Kontrolle stärker Berücksichtigung" finden werde. Auch sind laut EU-Bericht in den Betrieben keine Proben entnommen worden, sodass sich die Frage von Kreuzkontamination nach Verlassen des Produktionsbetriebs nicht klären ließe.

"Konsumentenschutzminister Haupt, der für die Vorort-Kontrollen zuständig ist, hat in seiner Beantwortung meiner parlamentarischen Anfrage keine Angaben über Kontrollen in den Betrieben machen können, erst mit Juli 2001 habe er veranlasst, dass auf den Bauernhöfen kontrolliert war", kritisiert Sima scharf. Gebot der Stunde sei für die Umweltsprecherin die sofortige Umsetzung der Empfehlungen der EU-Kommission und die Aufrechterhaltung des generellen Tiermehl-Verbots EU-weit. In der von der SPÖ für heute eingebrachten Kurzdebatte im Parlament wird Sima dem Problembereich BSE zum Thema machen. (Schluss) ns/mp

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