Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik

Klagenfurt (OTS) - Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Menschenrechte globalisieren?

Utl.: Ausgabe vom 11. Dez. 2001=

Es war kein gutes Jahr für die Menschenrechte.
Darüber waren sich am gestrigen Tag der Menschenrechte so ziemlich alle einig. Es mangelt an allen Ecken und Enden, im Großen wie im Kleinen. Mehr noch, die Praxis der Menschenrechte durchschritt an der Schwelle des dritten Jahrtausends ein "Feuertor" (Kofi Annan). Ein Rückschlag, der zum dauernden Rückschritt auszuarten droht. Die "kollektive Paranoia" gegenüber Einwanderern erreicht, wie der Europarat feststellt, traurige Höhepunkte. Die Terrorbekämpfung wird zunehmend zum Instrument der Grundrechtsbeschneidung. In den USA gibt es wieder geheime Militärgerichtshöfe und Folter wird als legitime Maßnahme diskutiert. Das Recht wird völlig ungeschminkt wieder dem politischen Ziel untergeordnet. Da wird das Menschenrecht gehörig ausgedünnt.
Aber was ist zu tun? Lässt sich Menschenrecht globalisieren, global verordnen? Oder wäre dies nicht viel mehr eine neue Kultur-Kolonialisierung? Kofi Annan nannte in seiner gestrigen Dankesrede die "unerlässliche Voraussetzung" für die globale Durchsetzung der Menschenrechte: Hilfe für die verarmte Mehrheit der Menschen. Das Menschenrecht der anderen ist unsere Pflicht, zu teilen. Was immer auf dieser Welt passiert, das Grundübel ist die Armut. Armut steht am Anfang aller Menschenrechtsverletzungen. Materielle, emotionale, geistige Armut. Und es genügt einfach nicht, von sich lediglich sagen zu können, "ich tu keinem Menschen was". Das ist ja das Traurige. Oft genügt es für das Aufblühen von Menschenrecht, im Altersheim um die Ecke die Armut des Verlassenseins zu lindern.

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.atKärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI