Maschinenbauer rechnen heuer noch mit einer "schwarzen Null"

Produktionswert dürfte 2001 nominell um 3% auf 193 Mrd Schilling wachsen - Exporte legen um 5% zu - 2002 wird deutlich schwieriger

Wien (PWK897) - Der österreichische Maschinen-, Stahl- und Anlagenbau wird heuer nominell um 3% und real um 0,4% auf 193 Mrd Schilling (14 Mrd €) wachsen. Auch die Exporte können nochmals um 5% zulegen. "2002 wird jedoch deutlich schwieriger. Schon vor dem 11. September ist das Klima im internationalen Geschäft sehr rau geworden. Jetzt müssen wir froh sein, wenn wir im nächsten Jahr unser Ergebnis halten können", sagte Clemens Malina-Altzinger, Vorsteher des Fachverbandes der Maschinen- und Stahlbauindustrie Österreichs (FMS), bei der Jahrespressekonferenz seines Verbandes in der Wirtschaftskammer Österreich.

Im Apparatebau, in der Luft-, Druckluft- und Kältetechnik, bei den Kraftmaschinen, im Stahlbau sowie im Zentralheizungs- und Lüftungsbau zeichnen sich für 2001 bereits Produktionseinbußen ab. In vier weiteren Produktgruppen rechnet Malina-Altzinger zwar noch mit einem Wachstum, das allerdings unter dem Branchendurchschnitt liegen wird. Die restlichen elf Produktgruppen werden voraussichtlich überdurchschnittlich wachsen.

Die Trendumkehr hat bereits im Mai eingesetzt. Während in den ersten drei Monaten 2001 die Produktion in der größten heimischen Industriesparte noch um 15% zulegte, wies die Statistik im 2. Quartal 2001 nur mehr ein Plus von 0,6% aus. Bei den Auftragseingängen erwartet Malina-Altzinger insgesamt einen Rückgang in der Größenordnung von 2 bis 4%. Positiv hat sich die Beschäftigung entwickelt. Bis Jahresende wird die Zahl der Mitarbeiter voraussichtlich um 1,5% auf rund 61.000 steigen. Damit ist die Maschinen- und Stahlbauindustrie der größte industrielle Arbeitgeber in Österreich. Malina-Altzinger hofft, dass die Firmen diesen Beschäftigtenstand bis Ende 2002 halten können.

Mit gemischten Gefühlen sehen die österreichischen Maschinenbauer dem Jahr 2002 entgegen. Während das 1. Halbjahr von einer weltweiten nachfrage- und investitionsbedingten Zurückhaltung geprägt sein wird, rechnet die Branche frühestens in der 2. Jahreshälfte mit belebenden Impulsen sowohl aus dem Binnenmarkt als auch aus den USA und Asien.

Als Folge der rückläufigen Auftragseingänge seit dem Sommer 2001 hat der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) seine Jahresprognose für 2001 von 5% auf real 3% hinuntergesetzt. Die deutschen Maschinenbauer zehren derzeit noch vom dicken Auftragspolster des Vorjahres. Ähnlich wie in Österreich prognostiziert der VDMA für 2002 jedoch ein Schrumpfen der Produktion um real 2 %, wobei die Produktion nach Aussagen des VDMA-Präsidenten Klingelnberg auch um 3 oder 4 % absacken könnte, sollten sich die Auftragseingänge in der zweiten Jahreshälfte 2002 nicht wieder beleben. Den Schweizer Maschinenbauern droht nach dem erfolgreichen Jahr 2000 bereits heuer ein Produktionsrückgang von nominell 2 %. Für 2002 erwartet der schweizerische Verband SWISSMEM ein "Nullwachstum". Die Branchenverbände in Frankreich und Italien gehen von einem Wachstum von höchstens 1% im kommenden Jahr aus.

Die vorläufigen Außenhandelsergebnisse von Statistik Austria für das 1. Halbjahr 2001 zeigen mit einem Exportplus von 9,4 % auf 67,9 Mrd Schilling (4,9 Mrd €) eine Fortsetzung der positiven Exportentwicklung der letzten Jahre. Österreichs Maschinen-, Stahl-und Anlagenbauexporteure konnten im 1. Halbjahr 2001 vor allem in einzelnen EU-Ländern, wie beispielsweise Italien und Großbritannien sowie in Osteuropa (+11,2%) und in den NAFTA-Ländern (USA +22,5%) punkten. Zunehmend gewinnen aber auch die Exportmärkte im Nahen Osten an Bedeutung.

53,1 % der österreichischen Maschinen- und Anlagenbauexporte mit einem Volumen von 36,1 Mrd Schilling gingen im 1. Halbjahr 2001 in die EU. Das ist ein Plus von 6,6 % gegenüber dem Vorjahr. Deutschland ist und bleibt das mit Abstand bedeutendste Abnehmerland österreichischer Maschinen- und Stahlbauerzeugnisse. Knapp 30 % aller Exporte im Wert von rund 20 Mrd. Schilling (1,4 Mrd €) gingen im 1. Halbjahr 2001 nach Deutschland.

Die Importe konnten im 1. Halbjahr 2001 mit einem Plus von 14,7% auf 57,4 Mrd. Schilling (4,2 Mrd €) stärker zulegen als die Ausfuhren. Damit ergibt sich in der österreichischen Handelsbilanz im Maschinen-und Stahlbau eine Verringerung des Aktivums auf 11 Mrd Schilling (0,8 Mrd €).

Um die Exporterfolge der österreichischen Maschinen- und Stahlbauindustrie auch in den nächsten Jahren zu prolongieren spricht sich der FMS für eine Verbesserung der Exportförderung aus. "Grundsätzlich haben unsere Mitgliedsfirmen mit der Österreichischen Kontrollbank gute Erfahrungen gemacht. Gerade bei der Absicherung von Geschäften in sogenannten 'Risikoländern' legt sie im Gegensatz zu vielen anderen EU-Ländern allerdings eine zu noble Zurückhaltung an den Tag", stellte Malina-Altzinger fest. Der Fachverbands-Vorsteher begrüßte in diesem Zusammenhang die Initiative der Kontrollbank, wonach ab 2002 in bestimmten Risikomärkten die Deckung auf unbesicherte Basis durch eine höhere Prämie erkauft werden kann. Angesichts der dynamischen Entwicklung in Osteuropa müssen die Garantiebedingungen der Kontrollbank jedoch wesentlich flexibler werden. Dies trifft vor allem auf die Auslandsanteile bei der Anrechnung von österreichischen Zulieferungen zu. Weiters könnte die länder- und projektbezogene Risikokapazität der Kontrollbank durch sogenannte "Riskio-Swaps" mit anderen staatlichen Exportversicherern deutlich erhöht werden.

Der FMS wird die Exporttätigkeit seiner Mitgliedsfirmen jedenfalls tatkräftig unterstützen. So wird u.a. die Teilnahme an drei ausländischen Fachmessen mit 50% der Platzmiete bis höchstens 50.000 Schilling pro Beteiligung subventioniert. Auch bei Übersetzungskosten für Exportwerbemittel erhalten Mitgliedsfirmen des FMS 30 % der Kosten bis maximal 40.000 Schilling pro Firma ersetzt.

Anfang November 2001 waren insgesamt 1.082 Betriebe mit einer aufrechten Mitgliedschaft im FMS erfasst. 88 % der Betriebe sind kleine und mittlere Betriebe mit bis zu 250 Beschäftigten. Die Exportquote der Branche liegt über 70 %, der Anteil an der Sachgütererzeugung bei rund 14%. Bedeutendstes Bundesland ist Oberösterreich: Mehr als ein Drittel der gesamten Produktion wird im Land "ob der Enns" erwirtschaftet. (MH)

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Mag. Michael Renelt
Fachverband der Maschinen- und Stahlbauindustrie
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