Lebensmittelsicherheit bedroht!

Die Sorgen der Tierärzteschaft um den Konsumentenschutz werden ignoriert!

Wien (OTS) - Die Bundeskammer der Tierärzte Österreichs ist zwar weiterhin der Meinung, daß BSE vorerst keine Gefahr für den Konsumenten in Österreich darstellt. Die Pannen bei der Aufklärung der Herkunft des Rindes zeigen jedoch deutlich, daß Lebensmittel vielleicht doch nicht so sicher sind wie uns Landwirtschaftsfunktionäre und die zuständigen Behörden immer wieder versichern. Wenn schon der erste BSE-Fall in Österreich nicht rückverfolgbar ist und zwei Tage lang der falsche Hof von den Behörden gesperrt wird ist zu befürchten, daß dies auch bei Auftreten anderer Seuchen der Fall sein könnte. Die Bundeskammer weist neuerlich darauf hin, daß es den von der Regierung seit einem Jahr versprochenen österreichischen Tiergesundheitsdienst nach wie vor nicht gibt und daß entsprechende Aufzeichnungsverpflichtungen der Landwirte auch im Tierarzneimittelkontrollgesetz nicht enthalten sind. Das Tierarzneimittelkontrollgesetz, das derzeit in parlamentarischer Behandlung steht, sieht vielmehr umfassende Möglichkeiten zur Selbstmedikation durch Landwirte vor. Auch Impfungen sollen in Zukunft von den Bauern selbst vorgenommen werden können. Damit gibt Österreich das System der flächendeckenden tierärztlichen Versorgung, wie es sich für die kleinstrukturierte Landwirtschaft grundsätzlich bewährt hat, auf und nähert sich englischen Verhältnissen, wo Medikamente auch für Laien weitgehend frei erhältlich und anwendbar sind. Es ist kein Zufall, daß Krankheiten wie BSE und die Maul- und Klauenseuche von England ihren dramatischen und bereits mehr als S 200 Milliarden verschlingenden Ausgang genommen haben.

Die vorgesehenen Liberalisierungen des Arzneimitteleinsatzes stehen im diametralen Gegensatz zum Inspektionsbericht einer EU-Kommission im heurigen Sommer über die Evaluierung der Rückstandskontrollen in lebenden Tieren und tierischen Erzeugnissen. Die Kommission hat hier die Behörden Österreichs aufgefordert, in Österreich Rechtsvorschriften zu erlassen, die den Verbraucher wirksam vor dem illegalen Einsatz von Tierarzneimitteln schützen und einige Richtlinien in nationales Recht umzusetzen. Für den Fall einer unzulänglichen Reaktion hat sie sogar die Eröffnung eines Vertragsverletzungsverfahrens in Erwägung gezogen. Die Bundeskammer fürchtet, daß gerade die Pannen bei der Aufklärung des ersten österreichischen BSE-Falles zeigen, daß diese Forderungen der EU nicht erfüllt sind und mit dem geplanten Tierarzneimittelkontrollgesetz ein fataler Schritt in die falsche Richtung gesetzt wird. Die Bundeskammer fordert die Bundesregierung auf, Maßnahmen für einen verantwortungsvollen und kompetenten Einsatz von Tierarzneimitteln zu setzen, Dokumentationspflichten und Rückmeldesysteme für die Nachvollziehbarkeit des Einsatzes von Tierarzneimitteln zu schaffen und damit den grundsätzlich bewährten österreichischen Weg fortzusetzen und nicht durch völlige Freigabe des Arzneimitteleinsatzes zu verlassen.

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VR Dr. Franz Josef Jäger
Präsident der Bundeskammer der
Tierärzte Österreichs
Tel.: (01) 512 17 66

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