Sima zu BSE: EU-Kontrollbericht deckte bereits im September massive Mängel bei BSE-Maßnahmen auf

"Bestürzung über ersten BSE-Fall und Probenpanne"

Wien (SK) Bereits im September habe es laut SPÖ-Umweltsprecherin Ulli Sima eine scharfe Rüge des EU-Lebensmittel- und Veterinäramtes für die österreichischen BSE-Maßnahmen gegeben. "Die EU-Experten zeigten massive Schlampereien etwa bei der Entfernung von Risikomaterial und der Überwachung des Tiermehl-Verfütterungsverbotes auf", so Sima, die sich bestürzt über den ersten BSE-Fall in Österreich zeigt. "Die Probenpanne am Wochenende hat leider auch nicht zur Stärkung des Vertrauens in die österreichischen Behörden beigetragen", bedauert Sima. "Der EU-Bericht belegte schwarz auf weiß, dass die von der Bundesregierung getroffen Maßnahmen in Sachen BSE unzureichend sind und es mangelhafte Kontrollen gibt", so Sima am Montag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. Der Bericht über einen Kontrollbesuch des Lebensmittel- und Veterinäramtes zur Bewertung der Maßnahmen, die zum Schutz vor der Bovine Spongioformen Enzephalophatie angewandt werden, der von 5. bis 9. Februar 2001 in Österreich stattfand, wurde im September 2001 veröffentlicht, von Seiten der zuständigen Minister Haupt und Molterer habe es kaum Reaktionen gegeben, so Sima. ****

"Wenn kontaminiertes Fleisch-Knochen-Mehl auf dem österreichischen Markt gelangt ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Tiere mit dem BSE-Erreger in Berührung gekommen sind, weil das Verfütterungsverbot nicht effektiv überwacht wurde", lautet eine alarmierende Passage aus dem Bericht. So seien etwa nicht einmal "die Grundregeln zur Verhinderung der Verseuchung von Wiederkäuer-Futtermitteln mit Tiermehl in den Futtermühlen eingehalten worden". "In Österreich gilt seit zehn Jahren ein Verfütterungsverbot von Tiermehl an Wiederkäuer, seit Jänner 2001 gilt ein generelles Tiermehlverbot", erläutert die Umweltsprecherin. Aufgrund der Struktur der Futtermittelindustrie bestand bis Jänner dieses Jahres in Österreich ein hohes Risiko im Hinblick auf Verunreinigung von Futtermitteln mit Tiermehl. Denn da bis Jänner Tiermehl sehr wohl an Hühner und Schweine verfüttert wurde, kam es bei der Futtermittel-Produktion zu Vermischungen. Mit dem Ergebnis, dass trotz Verbots auch substanzielle Mengen an Tiermehl auch in den Futtertrog von Kühen gelangten. "Der Besuch einer großen Futtermühle ergab, dass die Gefahr einer Kreuzkontamination von Wiederkäuer-Futtermitteln mit Fleisch-Knochenmehl in Wirklichkeit häufiger und höher war, als es das amtliche Ergebnis vermuten ließ" so der Bericht. Die Verfütterung von Tiermehl an Wiederkäuer wird als Auslöser von BSE eingestuft.

Höchst alarmierend ist laut EU-Bericht der Umgang mit spezifiziertem Risikomaterial (SRM), also Hirn, Augen und Rückenmark, das als hoch infektiös gilt und EU-weit ausnahmslos entfernt werden muss. "Es gab kein effizientes Kontrollsystem zur Überwachung der gesamten SRM-Entsorgungskette. Die Tatsache, dass keinerlei Abgleich der von den Schlachtbetrieben an die Beseitigungsanstalten gelieferten Mengen an Risikomaterial stattfindet, bedeutet, dass dieses aus der Entsorgungskette verschwinden kann, ohne dass dies von den Behörden bemerkt wird", zitiert Sima haarsträubende Details aus dem Bericht. Dem zufolge sei nicht auszuschließen, dass Risikomaterial in Umlauf und damit in die Nahrungskette gekommen sei. "Die Sammelmethoden für Schlachtabfälle und die Etikettierung der Sammelbehälter waren nicht geeignet sicherzustellen, dass eine Mischung von Risikomaterial und normalem Fleisch im Zuge der Sammlung in zwei der Einrichtungen, die frisches Fleisch herstellen, ausgeschlossen werden konnte", so die EU-Prüfer.

Einen Grund für den Umgang mit der BSE-Problematik sahen die EU-Experten in der knappen Personalausstattung auf allen Ebenen der Veterinärdienste. "Durch die Sparmaßnahmen der Bundesregierung leidet die Sicherheit unserer Lebensmittel und damit die Konsumenten, dies ist ganz einfach unverantwortlich", gibt sich Sima empört. Sie fordert die sofortige Umsetzung sämtlicher Empfehlungen aus dem EU-Bericht. "Zudem muss das Tiermehlverbot EU-weit auf jeden Fall aufrecht erhalten werden. Dass die flächendeckenden BSE-Tests in Österreich weiterhin gemacht und nicht wegen Sparmaßnahmen abgesagt werden, ist wohl angesichts des ersten BSE-Falls eine Selbstverständlichkeit", so Sima abschließend. (Schluss) ml

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 53427-275
http://www.spoe.atPressedienst der SPÖ

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK/SPK