Pittermann: Rehabilitation von Wachkomapatienten forcieren

Förderpflege hilft Patienten zurück ins Leben

Wien, (OTS) "Wachkomapatienten bedürfen einer speziellen Förderpflege, um sie gezielt wieder ins Leben zurückzubegleiten -unter durchaus unterschiedlichen Bedingungen", betont Wiens Gesundheitsstadträtin Prim. Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker anlässlich der internationalen Enquete "Komarehabilitation und das apallische Syndrom" im Wiener Rathaus. Pittermann möchte in Wien vor allem die Chancen zur "Spät-Rehabilitation" bei Betroffenen verbessern und die Qualität in der Langzeitbetreuung heben.

Pittermann warnt davor, den Glauben an Wunderheilungen zu verstärken. "Neurorehabilitation ist und bleibt ein langfristiger, personalintensiver Arbeitsbereich und ein Bereich des Gesundheitswesens, in dem Wunder leider nur selten auftreten", so Frau Stadträtin.****

Die gesundheitspolitische Relevanz des Problems liegt für Wiens Gesundheitsstadträtin nicht in ihrer quantitativen Größe, sondern in ihren medizin-ethischen Anforderungen. "Die Humanität einer Gesellschaft kann vor allem am Umgang mit ihren schwächsten Mitgliedern abgelesen werden - zu denen zählen Menschen im Koma", betont Pittermann. "Menschen mit Bewusstseinsstörungen brauchen kompetente Pflege UND Förderung. Daher werde ich mich dafür einsetzen, dass die Förderpflege in den Krankenhäusern und Geriatriezentren der Stadt Wien realisiert wird".

Unfälle oder Sauerstoffmangel führen zu langdauernden Bewusstseinsstörungen

Wenn Menschen bei Autounfällen schwere Schädel-Hirn-Verletzungen erleiden oder durch Sauerstoffmangel oder Schädigung des zentralen Nervensystems aus anderen Gründen in Bewusstlosigkeit fallen, kann es Tage, Wochen, Monate oder Jahre dauern, bis sie aus diesem "Koma" wieder erwachen, oder aber in diesem Zustand ihr Leben beenden.

Jeder betroffene Angehörige wartet und hofft auf ein Wieder-Erwachen; Berichte über Fälle von spätem Erwachen, unter Umständen nach vielen Jahren, gehen als "Wunder" durch die Medien. Wie lange aber die Erholungszeit des Gehirns nach solchen Traumen bei einem einzelnen Menschen dauert, kann bis heute nicht zuverlässig eingeschätzt werden.

"Umso wichtiger ist es einerseits, eine genaue neurologische Diagnose zu stellen und andererseits, mit einer neurologischen Therapie und mit Rehabilitationsmaßnahmen so früh wie möglich, unmittelbar nach oder schon auf der Intensivstation, zu beginnen", betont Univ.-Prof. Dr. Ernst Berger, der Leiter der neuropsychiatrischen Abteilung für Kinder und Jugendliche im Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel.

In Wien derzeit rund 70 Betroffene

Eine von Univ.-Prof. Dr. Heinrich Binder, dem Vorstand des neurologischen Zentrums im Otto Wagner Spital, durchgeführte Erhebung in Wien zeigt, dass wir überschaubare Größen vor uns haben: in 42 Wiener Krankenanstalten befinden sich im langjährigen Durchschnitt etwa - je nach Definitionskriterien - 20 bis 30 PatientInnen mit längerdauernden Komazuständen; in 43 Pflegeeinrichtungen liegt die Zahl bei etwa 40. Vorerst nicht genau bestimmbar ist die Zahl jener PatientInnen, die in Familienpflege leben.

Das Verständnis für Menschen im Koma ist nicht leicht: sie verunsichern uns. Wir wissen nicht genau, welches Leben sie eigentlich führen, was sie wahrnehmen und empfinden. Ärzte, Pflegepersonal und TherapeutInnen müssen hier gemeinsam mit den Angehörigen, Freunden und Bekannten jedes einzelnen Koma-Patienten herausfinden, auf welche Anregungen er oder sie reagiert und was hilft oder aber stört. Das "Entdecken" der Zusammenhänge zwischen Aktion und Reaktion muss ein individueller, permanenter und intensiver Prozess sein.

Im Bereich Kinder und Jugendliche kommen im Wiener Versorgungsbereich pro Jahr etwa fünf bis acht PatientInnen mit längerdauernden Komazuständen hinzu. "Die Enquete soll dazu beitragen auf dieses Problem und die veränderte Sichtweise aufmerksam zu machen und die Planung von Verbesserungen - insbesondere in der Langzeitbetreuung - voranzubringen", betont Berger.

Eine Arbeitsgruppe von Experten hat bereits ein "Wiener Konzept" für die Versorgungsplanung erarbeitet. Die Kernpunkte dabei sind eine Optimierung der Ablaufplanung der Rehabilitationskette, die Verbesserung der Chancen zur "Spät-Rehabilitation" und eine Qualitätsanhebung in der Langzeitbetreuung im Sinne der Langzeit-Förderpflege.

Nähere Informationen auch im Internet unter: www.wachkoma.at/ (Schluss) rog

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