"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Der BSE-Makel" (Von Stefan Kappacher)

Ausgabe vom 10. 12. 2001

Innsbruck (OTS) - Von der "statistischen Wahrscheinlichkeit her" wären wir "erst in einem halben oder dreiviertel Jahr dran" gewesen, so sprach der zuständige Gesundheitsminister Herbert Haupt. Angesichts des ersten österreichischen BSE-Falles übte Haupt sich wieder einmal in seiner sprichwörtlichen Unberechenbarkeit. Das Rindfleisch-Musterland Österreich hat also nur darauf gewartet, die von Großbritannien ausgegangene Rinderseuche auf den eigenen Höfen zu bekämpfen.

Wenn auch politisch ungeschickt, so hat der Minister in der Sache natürlich Recht. Der europäische Markt ist durchlässig, bei allen Kontrollen und Schutzmaßnahmen hat niemand ausschließen können, dass es auch einen österreichischen Bauern einmal treffen wird. Zuletzt waren nur noch Schweden und eben wir von BSE verschont.

Entscheidend ist jetzt, dass exakt nach dem Krisenplan vorgegangen wird. Man muss die Ausbreitung von BSE verhindern und die Ursachen für den konkreten Fall in Niederösterreich erforschen. Vielleicht wurden Gesetze gebrochen, der anonym gehaltene Bauer könnte aber auch schuldlos zum Handkuss gekommen sein. Derzeit ist nichts sicher. Dass für einige Stunden ein anderer Betrieb den BSE-Stempel aufgedrückt bekam, ist aus der Vielzahl der Tests und einer Verwechslung erklärbar. Für den Betroffenen ist es natürlich kein Trost.

Für die Konsumenten gibt es wenig Grund zur Beunruhigung. Österreich hat zum Glück die flächendeckenden Tests aufrechterhalten. Somit haben wir jetzt zwar auch einen BSE-Makel, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit kein verseuchtes Fleisch auf dem Markt.

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0512/5354 DW 601

Tiroler Tageszeitung,

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT/OTS