Katastrophe für Lebensmittelsicherheit, Konsumentenschutz und Bauern droht!

Die Tierärzteschaft ist bestürzt!

Wien (OTS) - Der Sozialausschuss hat gestern gegen die ausdrückliche Warnung der Tierärztekammer, aber auch vieler Konsumentenschützer ein Maßnahmenpaket über Druck der Landwirtschaft beschlossen, das sich nachhaltig zum Schaden der Konsumenten, der Tiere, aber auch der landwirtschaftlichen Produzenten auswirken wird. Mit einer Fülle von einzeln vorgebrachten Forderungen versuchen landwirtschaftliche Funktionäre zu erreichen, dass Arzneimittelanwendungen, ja sogar Impfungen in landwirtschaftlichen Betrieben ohne Tierärzte erfolgen werden. Im Tierarzneimittelkontrollgesetz, das nach den ursprünglichen Ankündigungen der Bundesregierung dazu gedacht war, Arzneimittelmissbräuche hintanzuhalten und unter gerichtliche Strafsanktion zu stellen, sind nunmehr eine Reihe von Regelungen enthalten, die die bestehenden Missbräuche sogar legalisieren.

Forderungen der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammer gipfeln darin, dass Erzeugergemeinschaften sich Tierärzte anstellen können, die nicht einmal mehr dem Tierärztegesetz unterliegen.

Das Arzneimittelkontrollgesetz sieht dazu weitergehende Bestimmungen vor, die nunmehr den Tierärzten Aufzeichnungspflichten vorschreiben, die Landwirtschaft von solchen Kontrollen jedoch entbindet. Damit werden Tierärzte als Feigenblatt für illegalen Arzneimitteleinsatz missbraucht, dies zum Schaden der Konsumenten, die nicht mehr auf die gewohnte Qualität österreichischer Lebensmittel vertrauen können, zum Schaden der Tiere, weil unkontrollierter Arzneimitteleinsatz zwangsläufig Tierquälerein bedeutet, und zum Schaden der Landwirtschaft, die so auf Dauer nicht konkurrenzfähig bleiben wird.

Die traurigen Beispiele Englands, wo nur mehr wenige tierärztliche Praxen in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung tätig sind und wo Arzneimittel und auch Impfstoffe über den Ladentisch geschoben werden - sogenannte over the counter (OTC) Produkte - haben mit BSE, Maul-und Klauenseuche und anderen, in Österreich nicht bekannten Tierseuchen gigantische wirtschaftliche Schäden verursacht, die schlussendlich die Allgemeinheit zu tragen hat.

Die Bundeskammer der Tierärzte Österreichs appelliert eindringlich an den Gesetzgeber, diese Vorlagen nicht zu beschließen. Die Bundeskammer hat immer wieder aufgezeigt, wie im Rahmen eines österreichischen Tiergesundheitsdienstes, den ja auch die Bundesregierung gefordert hat, eine lückenlose Dokumentation des Arzneimitteleinsatzes - unter gleichzeitiger Ausweitung der Prophylaxe und einer unabhängigen Kontrolle der Tierhaltung -auszusehen hätte. Die Bundeskammer fordert, in diese Gespräche endlich eingebunden zu werden.

Die Sicherheit der Konsumenten, der Schutz der Tiere und das Überleben der korrekt arbeitenden österreichischen Landwirte müssen vorrangiges Ziel der Politik bleiben.

Rückfragen & Kontakt:

VR Dr. Franz Josef JÄGER
Präsident der Bundeskammer der
Tierärzte Österreichs
Tel.: (01) 512 17 66

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