OeNB - Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in den ersten drei Quartalen 2001

Wien (OTS) - Die Bilanzsumme der Kreditinstitute erhöhte sich seit Beginn des Jahres nur um +1,0% gegenüber +9,9% im Vergleichszeitraum
des Vorjahres.
- Auch die Direktkredite wuchsen nur noch um +3,1% und damit
beinahe halb so stark wie in der Vergleichsperiode des
Vorjahres. Der Boom der Fremdwährungskredite hat sich im
heurigen Jahr deutlich abgeschwächt.
- Die Einlagen erhöhten sich seit Beginn des Jahres um +2,2%
und somit wesentlich stärker als noch im Vorjahr (+1,3%). Vor
allem das Sparbuch erlebt trotz der Abschaffung der Sparbuchanonymität derzeit eine Renaissance. So wuchsen die Spareinlagen heuer bereits um +0,8%, während sie in den
Vorjahren (zuletzt um -3,1%) gesunken waren.

Seit Beginn des Jahres erhöhte sich die Gesamtbilanzsumme der
in Österreich tätigen Kreditinstitute um +5,82 Mrd EUR oder
+1,0%. Noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres war ein rund
zehn Mal so großes Bilanzsummenwachstum von +51,76 Mrd EUR oder +9,9% gemeldet worden. Bei Bereinigung dieser Zahlen um Sondereffekte im Zusammenhang mit der Umstrukturierung der
größten österreichischen Bank reduziert sich die Verlangsamung des Bilanzsummenwachstums allerdings auf rund 6%.

Seit Beginn des Jahres wuchsen die Direktkredite - analog zur
sich abkühlenden Konjunktur (Bezüglich des Zusammenhangs
zwischen Kreditwachstum und Konjunktur siehe u.a. Finanzmarktstabilitätsbericht 1, OeNB 2001) - nur noch um
+6,95 Mrd EUR (+3,1%) und damit beinahe halb so stark wie in der Vergleichsperiode des Vorjahres (+13,57 Mrd EUR oder +6,4%).
Auch der Boom der Fremdwährungskredite hat sich im heurigen Jahr deutlich abgeschwächt: Wuchsen sie im Vorjahr noch um
+8,51 Mrd EUR (+25,7%), so lag der heurige Anstieg nur noch bei +2,89 Mrd EUR oder +7,3%. Der Zuwachsrückgang der Direktkredite
in Euro fiel hingegen lange nicht so stark aus: Diese stiegen im Vorjahr zwar um +5,06 Mrd EUR (+2,8%), heuer aber immerhin noch
um +4,05 Mrd EUR oder +2,2%. Der Anteil der Kredite in Fremdwährungen an den gesamten vergebenen Direktkrediten erhöhte sich somit seit Beginn des Jahres nur noch geringfügig um
+0,7 Prozentpunkte auf 18,3% gegenüber einem Plus von
+2,8 Prozentpunkten im Vorjahr.

Der Anteil der Fremdwährungsausleihungen an den gesamten Ausleihungen war im September 2001 von allen
volkswirtschaftlichen Sektoren bei den privaten Haushalten mit
22,7% am höchsten. An zweiter Stelle rangierten die
Unternehmungen (19,4%), wobei deren Wachstumsdynamik deutlich schwächer als jene der privaten Haushalte ausgeprägt war.

51% aller Fremdwährungsausleihungen wurden in Schweizer
Franken gehalten, rund 8 Prozentpunkte weniger als noch zu
Beginn des Jahres. Der Anteil der Kredite in Japanischen Yen ist hingegen seit 1999 stark im Steigen begriffen und erhöhte sich
seit Beginn des Jahres von 34% auf 42%.

Die Einlagen erhöhten sich seit Beginn des Jahres um
+3,92 Mrd EUR oder +2,2% und somit wesentlich stärker als noch
im Vorjahr (+2,23 Mrd EUR oder +1,3%). Der Grund hiefür lag vor allem bei den Spareinlagen: Sanken diese im Vorjahr - analog zu
den letzten Jahren - noch um -3,80 Mrd EUR (-3,1%), so wuchsen
sie heuer bereits um +0,95 Mrd EUR (+0,8%). Angesichts der nicht erst seit dem Terroranschlag am 11. September äußerst
angespannten Situation auf den internationalen Kapitalmärkten
und dem damit einhergehenden Bedürfnis vieler Privater, sichere Erträge zu lukrieren, scheint das Sparbuch trotz der Abschaffung der Sparbuchanonymität derzeit eine Renaissance zu erleben.
Dies, obwohl der durchschnittliche Zinssatz für Spareinlagen bis
12 Monaten Laufzeit seit Jahresbeginn um 0,45 Prozentpunkte auf 2,77% und jener für Spareinlagen über 12 Monate Laufzeit um
0,42 Prozentpunkte auf 3,19% gesunken ist.

Seit Jänner dieses Jahres wuchs das Volumen der
Derivativgeschäfte um +229,96 Mrd EUR (+29,22%), während der Zuwachs in der Vergleichsperiode des Vorjahres nur bei
+183,25 Mrd EUR oder +27,9% gelegen war. Der Großteil des
Zuwachses stammte aus Zinsoptionen (+147,06 Mrd EUR) sowie
Zinsswaps (+61,73 Mrd EUR bzw. +14,0%). Generell war beim Handel
mit Zinsderivaten seit Beginn der Währungsunion eine Zunahme festzustellen. Mit Stand September 2001 lag das Verhältnis der Derivativgeschäfte zur Bilanzsumme bei 178,9%.

Zum 30. September 2001 hielten die in Österreich tätigen Kreditinstitute 40,01 Mrd EUR an Eigenmittel und somit um
+2,58 Mrd EUR oder 6,9% mehr als noch zu Beginn des Jahres. Die (unkonsolidierte) Eigenmittelausstattung in Prozent der Bemessungsgrundlage stieg um +0,5 Prozentpunkte auf 14,3%. Da
die risikogewichteten Aktiva (Es handelt sich dabei um jene um Wertberichtigungen gekürzten Aktiva, die gem. §22(3) BWG nach Risikoklassen zu gewichten sind.) mit einem Plus von
+13,94 Mrd EUR (+5,8%) deutlich stärker als die Bilanzsumme
(+1,0%) wuchsen, stieg auch die Kennzahl der risikogewichteten Aktiva in Prozent der Bilanzsumme in den ersten neun Monaten
2001 um +2,0 Prozentpunkte auf 44,8%.

Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich

STAND KUMULATIVE VERÄNDERUNG
2001/09 2001 2000
in Mrd EUR in% Mrd EUR in%
Einlagen v.inl.Nichtbanken 179,71 +3,92 +2,2 +2,23 +1,3 Eig.inl.Emissionen
an Nichtbanken (EUR u. FW) 55,15 +2,81 +5,4 +5,04 +10,7 Geldkapitalbildung v.
inl.Nichtbanken (EUR u.FW) 234,87 +6,73 +2,9 +7,26 +3,3 Direktkredite an
inl. Nichtbanken ......... 231,84 +6,95 +3,1 +13,57 +6,4
. EUR-Direktkredite ... 189,49 +4,05 +2,2 +5,06 +2,8
. FW-Direktkredite .... 42,35 +2,89 +7,3 +8,51 +25,7 Titrierte Kredite an
inl.Nichtbanken (EUR u.FW) 22,86 -1,56 -6,4 +0,25 +1,0 Gesamtkredite an inländ.
Nichtbanken (EUR u. FW) .. 254,69 +5,39 +2,2 +13,81 +5,9 Auslandsaktiva ........... 150,19 -7,60 -4,8 +27,47 +20,9 Auslandspassiva .......... 168,33 -6,26 -3,6 +32,17 +21,8 Bilanzsumme .............. 568,52 +5,82 +1,0 +51,76 +9,9 Nicht bilanzwirksame
Geschäfte ................1.067,50 +230,64 +27,6 +0,02 +0,0 .hievon besondere
außerbilanzmäßige
Finanzgesch. ........1.016,95 +229,96 +29,2 +183,25 +27,9 Eigenmittel absolut ...... 40,01 +2,58 +6,9 +2,47 +7,0 Eigenmittel in % der
Bemessungsgrundlage 1) ... 14,33

1) Betreffend jene Banken, die laut BWG zur Haltung von
Eigenmitteln verpflichtet sind.

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