"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Tempowechsel" (Von Peter Plaikner)

Ausgabe vom 7. 12. 2001

Innsbruck (OTS) - Sieger sehen anders aus. Die Tiroler Sparkasse
hat einen neuen Mehrheitseigentümer. Konkurrent Hypo leckt seine Wunden, die ihm die Politik zugefügt hat. Ihre Unfähigkeit zur Entscheidung gerät der Landesbank zusehends zum Wettbewerbsnachteil.

Ausgerechnet zu seinem hundertsten Geburtstag ist das Geldinstitut nun bereits seit mehr als einem Jahr im Gerede. Privatisierung und Partnersuche sind dabei längst einem der abscheulichsten Machtspiele gewichen, die Tirol je erlebt hat. Ausgetragen auch auf dem Rücken von Hunderten Mitarbeitern, die skrupellos verunsichert werden. Ihre Zukunftsängste kosten zwangsläufig Produktivität.

Für die Schuldfrage daran ist es unerheblich, ob hier wirtschaftliche Einzelinteressen die Politik vor sich herjagen. Zur unternehmerischen Freiheit gehören individuelle Ziele. Die Politik aber hat das Gemeinwohl vor alles zu stellen. Insbesondere dann, wenn sie als Eigentümervertreter von Volksvermögen agiert. Genau dieser Verantwortung wird sie in Sachen Hypo nicht gerecht.

Aufgrund solchen Totalversagens ist der Machtwechsel in der beherrschenden Partei des Landes nur folgerichtig. Doch der Sparkassenverkauf zeigt: Die Politik hat noch nichts von ihrem Tempoverlust gegenüber der Wirtschaft wettgemacht. Für die Hypo ist keine Lösung in Sicht. Nun dient sie als Werkzeug für personelle Säuberung. Bisherige Hauptdarsteller aller Lager haben ausgedient. Ein Untersuchungsausschuss könnte erreichen, womit der neue Chef sich nicht selbst belasten will.

Herwig van Staas Kalkül kann nur sein, an die Affäre Hypo so wenig wie möglich anzustreifen. Sowohl Pro- als auch Kontra-Tirol-Bank-Akteure sollen sich irgendwie (von) selbst erledigen. Das werden sie wohl auch.

Politisch ist diese Taktik klug. Der Bank jedoch hilft das allein noch nicht. Sie braucht neben einem neuen Stil der Auseinandersetzung auch ein anderes Tempo der Entscheidungsfindung. Nur wenn ihm das gelingt, ist Herwig van Staa nicht nur nominell, sondern wirklich am Zenit seiner Laufbahn angelangt.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion
Tel.: 0512/5354 DW 601

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT/OTS