Semperit: Ein logisches Ende (von Günter Fritz)

Wien (OTS)- Seit der Continental-Konzern bestätigt hat, das unrentable Werk seiner Österreich-Tochter Semperit in Traiskirchen endgültig zuzusperren, gehen die Wogen hoch. Politiker aller Couleurs kritisieren den Entschluss der Deutschen heftig und werfen ihnen verantwortungslose Aushungertaktik und Profitgier vor. Der ÖGB fordert gar einen Krisengipfel mit dem Bundeskanzler und Massnahmen gegen den Subventionstourismus der Konzerne in Europa. Dabei ist Contis Zusperrstrategie alles andere als ein Skandal: Sie ist vielmehr das Ende einer logischen Entwicklung in einer globalisierten Wirtschaft und somit Business als usual. Conti hat schon seit Jahren seine Produktion in Billiglohnländer wie Tschechien, die Slowakei und Rumänien verlagert und die Produktion in Traiskirchen schrittweise heruntergefahren. Dennoch werden heuer auf Grund der weltweiten Überkapazitäten erstmals seit zehn Jahren wieder rote Zahlen geschrieben. Auch ein zweites europäisches Conti-Werk muss daher demnächst seine Pforten schliessen. Was kümmert es da die Aktionäre, dass das Traiskirchner Werk eine 100jährige Tradition hat und irgendwann einmal ein Synonym für die industrielle Kraft Niederösterreichs war. Wenn woanders Autoreifen kostengünstiger hergestellt werden können, dann diktiert der Rechenstift, wo es lang geht - auch wenn es für die 1300 Mitarbeiter ein Jammer ist. Diesen muss jetzt geholfen werden: Dass Conti für einen entsprechenden Sozialplan 70 Millionen Euro (fast eine Milliarde Schilling) zur Verfügung stellt und sich Wirtschaftsminister Bartenstein für eine rasche Vermittlung der Betroffenen durch das AMS stark macht, wird hoffentlich beitragen, die ärgsten Härtefälle zu verhindern. Fest steht aber, dass wir mit dieser Shareholder-Value-orientierte Wirtschaftspolitik leben müssen: Da helfen weder Hysterie, politisches Gezeter noch gewerkschaftliche Drohgebärden.Wenn der Markt für bestimmte Produkte nicht mehr in ausreichendem Mass vorhanden ist, sind Unternehmer gefordert, zu handeln oder sehenden Auges in die Pleite zu marschieren. Auch unter österreichischer Führung wäre es Semperit kaum anders gegangen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass selbst der bekannt patriotische Industrielle Hannes Androsch angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen einer Rettung von Semperit keine Chance mehr gibt.

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