Letzter Drogenbeirat im Jahr 2001

Beratendes Gremium der Stadt Wien zur Drogenpolitik

Wien, (OTS) Am Dienstag, hielt der Wiener Drogenbeirat seine letzte Sitzung in diesem Jahr ab.

Die Mitglieder wurden über die Themen "Cannabis in der Medizin", "Taliban-Heroin", "Drogenkrankenbetreuung im Polizeigefangenenhaus" und das "EU-Projekt Equal" informiert:

Cannabis in der Medizin

In einem Referat von Dr. Birgit Frommer, AKH Abt. Anästhesie und Univ.-Prof. Dr. Hans-Georg Kress, Präsident der österreichischen Schmerzgesellschaft, wurden die Mitglieder des Drogenbeirates über Cannabinoide in der Schmerzmedizin informiert.

Cannabis enthält insgesamt 63 Cannabinoide, von denen noch die wenigsten im Bezug auf ihre Wirksamkeit als Medikament erforscht sind. Medikamente auf dieser Basis - wie zum Beispiel Marinol oder Nabilone - sind teuer (60 Kapseln Marinol kosten ca. ATS 10.800.-) und werden von den Krankenkassen nur bei Tumor- und HIV-Patienten bezahlt.

Prof. Kress betonte im Drogenbeirat, dass er für einen wissenschaftlich rationalen Zugang zum Thema Cannabis in der Medizin eintritt. Es dürfe nicht sein, dass sich Patienten illegal mit Substanzen eindecken müssten, auf die sie in Versuchsreihen sehr gut angesprochen hätten.

Kress beklagte die mangelnde finanzielle Unterstützung bei Studien, die sich mit der Wirksamkeit von Cannabinoiden als Medikamente befassen. Der Experte führt dies unter anderem auf die Tatsache zurück, dass es sich bei Cannabis um ein Naturmittel handle, auf das es nach einer gezielten und teuren Erforschung keine Patente geben würde.

Afghanisches Rohopium für den heimischen Drogenmarkt.

Nach verschiedenen Medienberichten über ein angebliches verstärktes Aufkommen von besonders reinem Heroin hat sich der Drogenbeirat entschlossen, den Leiter der Bekämpfung der organisierten Kriminalität im Innenministerium, Mag. Karl Lesjak einzuladen.

Mag Lesjak informierte den Drogenbeirat in seinem Referat über den tatsächlichen Stand der Entwicklung in Bezug auf afghanisches Rohopium. So stellte Lesjak fest, die nach dem 11. September oftmals geäußerte Befürchtung, die Taliban würden ihre Rohopiumlager räumen, habe bisher keine Bestätigung erfahren.

Lesjak wies in diesem Zusammenhang aber auf eine mögliche Zeitverzögerung hin. So würden der Rohopiumschmuggel aus Afghanistan, der Transport in die Verarbeitungsländer und die Verteilung auf dem europäischen Markt ca. 2 Monate dauern. Bis jetzt sei jedenfalls kein Preisverfall bei Heroin festzustellen, betonte Lesjak.

Der Drogenbeauftragte der Stadt Wien, Dr. Alexander David, stellte in diesem Zusammenhang fest, dass ein größeres Heroinangebot nicht gleichzeitig auch höhere Nachfrage bedeute. So habe ein Gramm Heroin vor zehn Jahren noch ca. 3000.- Schilling gekostet, heute koste ein Gramm, bei besserer Qualität nur noch zwischen 700.- und 1000.- Schilling. Dabei ist laut David gerade bei jungen Altersgruppen kein Ansteigen der Konsumenten von Heroin zu verzeichnen.

Dialog im Gefangenenhaus

Hofrat Dr. Leo Lauber, Präsidialchef der Bundespolizeidirektion Wien, und als solcher zuständig für das Polizeigefangenenhaus informierte die Mitglieder des Drogenbeirats über das Projekt "Dialog im Polizeigefangenenhaus".

Dieses Projekt wird seit Jänner 1999 in Zusammenarbeit von Wiener Polizei, Verein Dialog und Fonds Soziales Wien durchgeführt und stellt erstmals eine medizinische Versorgung von Drogenkranken im Polizeigefangenenhaus sicher.

Hofrat Lauber betonte besonders die Kostenreduktion, die durch das wissenschaftliche Projekt ermöglicht wird. Drogenkranke mussten bisher zur Behandlung außer Haus geführt werden, nun wird die Substitutionstherapie im Polizeigefangenenhaus durchgeführt.

Weiters gibt es seit Oktober auch eine psychiatrische Betreuung, die von Ärzten des Vereins Dialog vorgenommen wird.

Insgesamt werden dadurch die Behandlungsmöglichkeiten, die Patienten schon in Freiheit hatten, aufrecht erhalten und es gibt ein Behandlungsangebot für Patienten, die noch nicht in einem therapeutischen Verhältnis stehen.

EU-Projekt Equal

"Equal" ist eine Gemeinschaftsinitiative der EU zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation.

Dem Fonds Soziales Wien ist es gelungen, sich mit dem Projekt drug-addicts@work an dieser Initiative zu beteiligen. Das Projekt ist zur Zeit in der ersten Durchführungsphase und wird in Zusammenarbeit mit sämtlichen Einrichtungen der Wiener Suchtkrankenhilfe zur Verbesserung der nachhaltigen Reintegration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt beitragen.

Drogenbeirat berät die Stadt Wien in der Drogenpolitik

Dem Drogenbeirat gehören unter dem Vorsitz der amtsführenden Stadträtin für Gesundheits- und Spitalswesen, Prim. Dr. Elisabeth Pittermann, Experten aus den Bereichen Suchtprävention, Beratung, Behandlung, Betreuung, sozialer Integration von Suchtkranken, Vertreter des Magistrats, der Polizei und Justiz sowie Vertreter der Fraktionen im Wiener Gemeinderat an. Der Drogenbeirat ist beratendes Gremium der Stadt Wien zur Drogenpolitik. (Schluss) win/rog

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