VIER PFOTEN protestieren vor dem Parlament gegen geplante Freigabe von Tier-Impfstoffen an heimische Landwirte

Wien (OTS) - Trotz vernichtendem EU-Bericht über mangelhafte Tierarzneimittelkontrollen steht dieses Thema im parlamentarischen Gesundheitsausschuss auf der Tagesordnung. Mit einem fahrenden "Feinkostladen", auf dem Fleischprodukte gemeinsam mit Spritzen und Medikamentenflaschen angeboten werden, zeigen VIER PFOTEN vor dem Parlament was Österreichs Konsumenten künftig erwarten könnte.

6. Dezember 01. Um 8 Uhr beginnt heute eine Protestkundgebung der VIER PFOTEN vor dem Parlament. Die Stiftung für Tierschutz kritisiert den Vorstoß von Minister Haupt als Schlag ins Gesicht aller Verbraucher: Tierärzte sollen aus den Ställen gedrängt werden und Landwirte selbst bestimmte Medikamente verabreichen können. VIER PFOTEN Nutztierexperte Michael Buchner: "Ohne Diagnose gespritzte Impfstoffe bergen eine Gefahr nicht nur für Tiere, sondern auch für Konsumenten und haben in den Händen von Laien nichts verloren" Ein weiteres Problem liegt in der Überdosierung von Medikamentengaben. Dabei kann es bei einem Ansteigen von Medikamentenrückständen in Nahrungsmitteln kommen, was eine massive Gefährdung der Gesundheit für den Menschen bedeutet. "Mit diesem Gesetz ist die Lebensmittelsicherheit in Österreich nicht mehr garantiert", betont Buchner. Unliebsame Nebenwirkungen können Resistenzen gegen Medikamente sein. Die Folgen für den Konsumenten sind dramatisch:
Ungefähr 300 Personen essen das Fleisch eines Schweins.

Gesetz erschwert Seuchenerkennung

In England konnte sich die Seuchen BSE und die Maul- und Klauenseuche besonders rasant verbreiten, weil sie über mehrere Wochen nicht erkannt worden sind. Britische Landwirte führen die Behandlung der Tiere selber durch und Tierärzte sind auf Grunde dessen in der Regel selten in den Ställen anzutreffen. "Mit dem Beschluss eines solchen Gesetzes in Österreich wird legalisiert, was wir im Rahmen des Schweineskandals massiv kritisiert haben", ist Buchner über den Vorstoß von Minister Haupt erschüttert, "Es ist unglaublich, wie wenig Konsequenzen die Regierung aus dem Schweinemastskandal gezogen hat." Dieser Gesetzesentwurf nützt vor allem den österreichischen Bauern: Sie könnten dadurch künftig die Kosten für den Tierarzt deutlich reduzieren. Die wirkliche Alternative zum massiven und unkontrollierten Medikamenteneinsatz in Österreichs Ställen müsste - so der VIER PFOTEN Nutztierexperte -bereits viel früher ansetzen: "Artgerechte Haltung macht Tiere weniger krankheitsanfällig".

Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN wurde im Frühjahr 1988 von Helmut Dungler in Wien als Verein gegründet und finanziert sich seit damals ausschließlich durch private Spendengelder. Rund 45 Millionen Schilling wurden im Jahr 2000 als Spendengelder lukriert, wovon ca. die Hälfte für konkrete Projekte und laufende Kampagnen im In- und Ausland verwendet wurden. Das übrige Budget floß in Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärungsarbeit. Erschreckende Ergebnisse brachte zu Beginn des heurigen Jahres die umfassende Recherche über Schweinehaltung in Österreich, die in die Aufdeckung des Schweineskandals in Österreich und Bayern mündete. Seit dem Sommer 1999 ist VIER PFOTEN eine unabhängige Stiftung: Sie verfügt mittlerweile über Büros in Deutschland, Rumänien und der Schweiz. Derzeit versuchen in Österreich 30 fix angestellte Mitarbeiter und eine große Anzahl an freiwilligen Helfern Verbesserungen in der Tierschutzgesetzgebung zu erreichen und Konsumverhalten sowie Bewußtsein der Bevölkerung positiv zu beeinflussen.

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