VCÖ und VIER PFOTEN fordern: "Keine Verwendung von Steuergeldern für Tiertransporte"

Studie zeigt: Tiertransporte in der EU ergeben 4.320 km lange Lkw-Kolonne

Wien (OTS) - Im Jahr 2000 wurden 312 Millionen Tiere kreuz und
quer durch Europa transportiert. Tiertransporte verursachen großes Tierleid und belasten die Steuerzahler. Das zeigt eine gemeinsame Studie von VCÖ und den VIER PFOTEN, die heute in Wien präsentiert wurde. In den vergangenen fünf Jahren subventionierte die EU den Transport von lebenden Tieren mit rund einer Milliarde Euro.

Pro Jahr sind fast 300.000 Lkw länderübergreifend innerhalb der EU unterwegs, um mehr als 300 Millionen Tiere zu transportieren. Das ergibt aneinandergereiht eine 4.320 Kilometer lange Lkw-Kolonne, was der Distanz von Lissabon nach Helsinki entspricht. Nicht berücksichtigt sind darin die in den einzelnen Mitgliedstaaten durchgeführten Schlachttransporte. "Werden die durch die Schlachtung in Österreich verursachten Fahrten miteingerechnet, ergibt sich allein für Österreich eine Kolonne von rund 105.000 Lkw, die aneinandergereiht 1.570 km lang wären", stellt Dipl. Ing. Wolfgang Rauh vom VCÖ Forschungsinstitut fest.

Tiertransporte verbreiten Seuchen

Die langen Transportstrecken fördern auch die Ausbreitung gefährlicher Tierseuchen. So breitete sich BSE und die Maul- und Klauenseuche entlang der Haupttransportstrecken über ganz Europa aus. Auch die Umwelt wird stark belastet. Alle Tiertransporte in und durch Österreich verursachen jährlich mehr als 13.500 Tonnen CO2. Für die gesamte EU ergibt das eine Schadstoff-Emission von rund 480.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Kontraproduktive EU-Subventionspolitik

Die Studie von VCÖ und VIER PFOTEN belegt auch den Zusammenhang zwischen der Subventionspolitik der EU und der Anzahl der Tiertransporte. Im Jahr 1988, als es noch keine Förderungen für Rinderexporte gab, wurden 3.000 Rinder in Länder außerhalb der EU transportiert. Im Jahr 1999 zahlte die EU für Rinderexporte 116,7 Millionen Euro. Die Zahl der exportierten Rinder explodierte auf 330.000! In den vergangenen fünf Jahren wurden die Rinderexporte mit rund 1 Milliarde Euro (13,76 Mrd. Schilling) von der EU subventioniert. Österreich zahlte davon rund 30 Millionen Euro (412 Millionen Schilling).

Schwere Verletzungen beim Transport

Der Transport bedeutet für die Tiere einen enormen Stress. Das bewirkt, dass Keime wie Salmonellen oder Colibakterien aus dem Verdauungstrakt der Tiere in die Blutbahn und dadurch ins Fleisch gelangen. Diese Keime sowie den Tieren verabreichte Beruhigungsmittel stellen ein gesundheitliches Risiko für den Menschen dar. Außerdem verursachen diese Transporte ein enormes Tierleid: "So werden 35 Prozent der transportierten Hühner vor allem beim Beladen verletzt", illustriert VIER PFOTEN-Nutztierexperte Helmut Wittmann die Situation.

Schnitzel mit Gefühlen

Grundlegende Vorschriften für den Transport von Tieren sowie Kontrollmodalitäten der Tiertransporte werden durch EU-Richtlinien geregelt: Darin ist die Grundausstattung in Transportern wie z.B. Einstreu, Belüftungs- sowie Fütterungs- bzw. Tränkmöglichkeiten festgelegt. Die Zeitspannen, in denen Tiere gefüttert und getränkt werden müssen, sind unterschiedlich - bei Rindern anders als bei Schweinen und Pferden. Die derzeitige Gesetzeslage ist laut Wittmann kurios: "Während das österreichische Tiertransportgesetz kürzere Tränkeintervalle vorsieht, sind laut EU-Gesetz größere Intervalle möglich." Da diese EU-Richtlinie nach wie vor in Österreich nicht umgesetzt ist, herrscht hierzulande Rechtsunklarheit. Das erschwert bei Gesetzesverstößen die Bestrafung.

Transporter rollen unkontrolliert durch Europa

Die Studie zeigt ungenügende Kontrollen sowohl innerhalb der EU als auch an den EU-Außengrenzen auf. Da die Exportsubventionen bei Rindern nur bezahlt werden, wenn Tierschutzbestimmungen eingehalten werden, könnte den Steuerzahlern auch bei strengeren Kontrollen jede Menge Geld erspart werden. Ein Beispiel macht die Problematik deutlich: Ein Kontrolleur beanstandete im Bundesland Kärnten bei 280 Inspektionen zwei Drittel der Transporte, wobei die Hälfte davon tierschutzrelevante Mängel waren. Und das obwohl das Kontrollorgan nur jeweils fünf Stunden pro Woche unterwegs war. Rechnet man von den österreichischen Zahlen hoch, so werden pro Jahr etwas mehr als 36 Millionen Euro (rund 500 Millionen Schilling) EU-Förderungen zu Unrecht ausbezahlt. Tatsächlich mussten im vergangenen Jahr wegen nicht bestandener Überprüfungen durch EU- Kontrolleure und an EU-Außengrenzen nur acht Millionen Schilling zurückbezahlt werden.

VCÖ und die VIER PFOTEN fordern daher ein Ende der Subventionen für Rinderexporte. "Tiertransporte sind eine mit Steuergeldern geförderte Tierquälerei. Die EU sollte hier den Rotstift ansetzen", stellen die beiden Studienautoren Helmut Wittmann von den VIER PFOTEN und Dipl.-Ing. Wolfgang Rauh vom VCÖ-Forschungsinstitut fest. Eine Alternative ist die Biolandwirtschaft. Ein Schnitzel von einem Bioschwein ist maximal 100 Kilometer unterwegs, ein herkömmliches Schnitzel hingegen bis zu 2.000 Kilometer.

VCÖ/VIER PFOTEN Forderungen

+EU-Agrarförderung auf Biolandwirtschaft beschränken (keine Subventionen für die Agroindustrie)

+Ersatzlose Streichung der EU-Exportförderungen für Schlacht-und Zuchtrinder

+Begrenzung der Fahrzeit auf vier Stunden oder bis zum nächstgelegenen Schlachthof

+Häufigere und genauere Kontrollen. In jedem Bundesland müssen mindestens zwei Tiertransportinspektoren eingesetzt werden. Erhöhung der Strafen bei Vergehen gegen den Tierschutz. Bei wiederholten Verstößen bis zum Verlust der Transportlizenz.

+Einführung der vollelektronischen Lkw-Maut, um unsinnige Fahrten (vor allem Leerfahrten) zu reduzieren.

+Die Europäische Tiertransport-Richtlinie muss innerösterreichisch in allen Bundesländern, wie auch gesamteuropäisch in allen Mitgliedstaaten, endlich umgesetzt werden.

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T: (0699)18932695;
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VIER PFOTEN,
Mag. Jutta Zachar,
T: (0664)3086303;
jutta.zachar@vier-pfoten.at

VCÖ, Mag. Christian Gratzer,

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