Arbeitsmarktlage Ende November: Wieder leichtes Beschäftigungswachstum und neuerliche Zunahme der Arbeitslosigkeit

Deutlicher Rückgang der Dauer der Arbeitslosigkeit

Wien (BMWA/OTS) - Trotz der - aufgrund der ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen - abgeschwächten wirtschaftlichen Entwicklung hielt der Beschäftigungszuwachs am heimischen Arbeitsmarkt weiter an. Ende November war bei den unselbstständig Beschäftigten (ohne geringfügige Beschäftigungsverhältnisse) ein Anstieg um 4.145 (+0,13%) auf 3.137.386 (1.747.484 Männer, 1.389.902 Frauen) gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Neben diesem Beschäftigungswachstum war allerdings ein neuerlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit zu registrieren. So lag Ende November die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen mit 224.877 (118.237 Männer, 106.640 Frauen) um 31.983 (+16,6 %) über dem Vorjahreswert. In absoluten Zahlen ist der Großteil des Anstiegs mit 23.870 (14,5 %) vorwiegend auf Inländer zurückzuführen. Prozentuell gesehen liegt aber - vor allem aufgrund der schwachen Baukonjunktur - der Anstieg bei den Ausländern mit 28,7 % (8.113) über dem Durchschnitt. Während die Arbeitslosigkeit bei den Frauen deutlich geringer zunahm (+10.077 oder +10,4%), war bei den Männern eine höhere Zunahme zu beobachten (+21.906 oder +22,7%). Hauptursache für den überdurchschnittlichen Anstieg der Männerarbeitslosigkeit sind die derzeit schwache Baukonjunktur und die zunehmend ungünstige Entwicklung in der Sachgütererzeugung. Zugleich ist aber ein deutlicher Rückgang bei der durchschnittlichen Verweildauer in Arbeitslosigkeit festzustellen. Sie beträgt im November 2001 nur mehr etwas über drei Monate (104 Tage) und liegt somit um 13 Tage unter dem Vorjahreswert. ****

Die von EUROSTAT, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, errechnete saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag für Österreich im Oktober bei 4,0 %. Sie liegt damit weiterhin deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 7,6% (September-Wert). Dies unterstreicht die nach wie vor günstige Position Österreichs im internationalen Vergleich. Österreich liegt hier auf Platz 4 hinter den Niederlanden mit 2,2% (September-Wert), Luxemburg mit 2,5% (September-Wert) und Irland mit 3,9%. Die höchsten Arbeitslosenquoten innerhalb der Europäischen Union hatten zuletzt Spanien (12,9%), Italien (9,4% -Juli-Wert), Finnland (9,1%) und Frankreich (8,6%).

Darüber hinaus zeigten sich Ende November am Arbeitsmarkt folgende Tendenzen:

Jugendliche

Bei den 15- bis 18-jährigen nahm im November die Arbeitslosigkeit um 769 (17,3%) auf 5.203 zu, der merklich größere Teil entfiel auf die 19- bis 24-jährigen (+5.456 bzw. +21,2% auf 31.192). Die international vergleichbare Jugendarbeitslosenquote hat laut EUROSTAT im Oktober 6,1% betragen. Österreich weist damit nach den Niederlanden (4,3% - September) den zweitniedrigsten Wert aller EU-Staaten auf. Generell hatten Ende September 15,2 % der europäischen Jugendlichen keine Arbeit.

Lehrstellenmarkt

Am Lehrstellenmarkt gab es Ende November 4.406 Lehrstellensuchende und 2.292 gemeldete offene Lehrstellen. Damit stieg im Vergleich zum Vorjahr sowohl die Zahl der Lehrstellensuchenden (+771 bzw. +21,2%) als auch die Zahl der gemeldeten offenen Lehrstellen (+78 bzw. +3,5%).

Altersarbeitslosigkeit

In der Altersgruppe 50-bis 54- Jahre stieg die Arbeitslosigkeit nur moderat um 1.808 (8,1%). Auch bei den 55- bis 59-Jährigen war der Zuwachs deutlich unter dem Durchschnitt (+1.683 bzw. +10,8%). Deutlich ausgeprägt ist die Zunahme jedoch bei den über 60-Jährigen (+1.740 bzw. +93,8%). Hier machen sich die geänderten Zugangsbestimmungen in die vorzeitige Alterspension mit den entsprechenden Begleitmaßnahmen im Arbeitslosenversicherungsgesetz bemerkbar.

Langzeitarbeitslosigkeit

Ende November waren 10.684 Personen länger als ein Jahr vorgemerkt. Dies bedeutet einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 4.134 (-27,9 %). Bei der Zahl der 6- bis 12-Monate vorgemerkten Personen gab es eine steigende Tendenz (+1.066 bzw. 3,1%).

Entwicklung in den Bundesländern

Die Arbeitslosigkeit stieg in allen neun Bundesländern. Am stärksten fiel die Zunahme in Wien (12.934; +23,5%), Niederösterreich (+6.074; +21,4%) und Oberösterreich (+3.640; +18,4%) aus. Unterdurchschnittliche Zuwächse verzeichneten Kärnten (+1.615; +9,6%) und Tirol (+1.525; 7,5%).

Entwicklung nach Branchen

Die Arbeitslosigkeit steigt zur Zeit in allen nennenswerten Wirtschaftsbereichen an. Die stärksten Zuwächse verzeichnete Ende November mit +7.429 (+29,9%) das Bauwesen. Nicht zuletzt auf Grund der schwächeren Exportentwicklung nahm mit +6.077 (+19,8%) nun auch die Arbeitslosigkeit im Sachgüterbereich überdurchschnittlich zu. Deutliche Zuwächse verzeichneten darüber hinaus auch der Handel (+5.269; +16,2), das Realitätenwesen (+2.674; +21,3) und der Verkehrs- und Nachrichtenbereich. Von den befürchteten Einbußen im Tourismus ist dagegen zur Zeit noch wenig am Arbeitsmarkt zu bemerken. Mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit von "lediglich" 3,8% (+1.804) entwickelt sich der Tourismusbereich noch überdurchschnittlich gut.

Entwicklung nach der Ausbildung

Den relativ gesehen größten Anstieg der Arbeitslosigkeit gab es mit +1.329 bzw. +27,3% bei den Absolventen der Universitäten und Fachhochschulen, gefolgt von den Personen ohne abgeschlossene Schulbildung (+1.851 bzw. +24,6%) und den Abgängern höherer Schulen (+3.191 bzw. +23,9%).

Schulungen des AMS

Die Schulungsaktivitäten des Arbeitsmarktservice nahmen weiter zu. Ende November betrug die Zahl der in Schulung befindlichen Personen 36.080, ihre Zahl lag damit um 4.104 (+12,8%) über dem Vorjahreswert. Dieser Anstieg ist alters(gruppen)spezifisch breit gestreut. Überdurchschnittlich hoch war der Zuwachs bei den 15- bis 24-Jährigen. Relativ hohe Zunahmen verzeichneten vor allem die Bundesländer Tirol, Vorarlberg , Oberösterreich und Niederösterreich. Die Schulungsteilnehmen rekrutierten sich schwerpunktmäßig nach wie vor aus den Berufsgruppen Büroberufe, Handel, Metall- und Elektroberufe sowie Hilfsberufe. Sie machten zusammen rund 56% aller in Schulung befindlichen Personen aus.

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