Baugewerbe fordert mehr Anreize für Investitionen

Lahofer:" Mietrechtsgesetz erweitern, um Modernisierungsarbeiten durch Mieterhöhungen zu finanzieren"

Wien (PWK877) - "Die bisher vorgestellten Maßnahmen zur
Ankurbelung der Baukonjunktur durch vorgezogenen Investitionen in Infrastruktur und Hochbau, sind zwar lobenswert, decken jedoch nur ein schmales Segment der Bauwirtschaft ab. Die kleinen und mittleren Betriebe im Baugewerbe, die immerhin 2/3 der Beschäftigten stellen, schauen wieder einmal durch die Finger", befürchtet Johannes Lahofer, Innungsmeister der Bundesinnung Bau.

Leider seien bisher keinerlei steuerliche Anreize zur Sprache gekommen, um dem am Boden liegenden Wohnbau wieder auf die Sprünge zu helfen. Lahofer wiederholt in diesem Zusammenhang sein Forderung, den Mehrwertsteuersatz für Renovierung und Reparatur von Privatwohnungen wie in zahlreichen anderen EU-Ländern um mindestens 10% zu senken und die Wohnbauförderung an die Vorlage von Dienstleistungsrechnungen befugter Bauunternehmen zu binden. Damit könne das "Krebsgeschwür Pfusch" wirkungsvoll bekämpft, das die Unternehmen im Baugewerbe jährlich Aufträge im Wert von mehr als 100 Mrd Schilling kostet. Gleichzeitig erneuerte Lahofer seine Forderung nach einer schnellen Eingreiftruppe gegen gewerbsmäßige Pfuscherpartien.

Vorstellen kann sich Lahofer auch eine Erweiterung des Mietrechtsgesetzes um künftig auch Verbesserungen, Sanierungen und Modernisierungsarbeiten durch Mieterhöhungen finanzieren zu können Bisher sind im österreichischen Mietrecht lediglich Erhöhungen für Erhaltungsarbeiten möglich, in Deutschland hingegen können weit darüber hinaus gehende Modernisierungsarbeiten als Investition in die Zukunft zu einer Mieterhöhung führen. Die Bundesinnung rechnet damit, daß Hauseigentümer wieder deutlich mehr in die Verbesserung in ihrer Mietobjekte investieren, als zuletzt.

Der Bundesinnungsmeister sprach sich auch dafür aus, die nicht-zweckgebunden Mittel aus der Wohnbauförderung in der Höhe von fast 16 Mrd Schilling (incl. Rückflüsse) künftig nicht mehr zum Stopfen von Budgetlöchern der Länder zu verwenden, sondern fix für bauliche Investitionen zu reservieren. Die fehlenden Einnahmen könnten die Länder und Gemeinden leicht ausgleichen, wenn sie auf Eigenregiearbeiten verzichten, die von privaten Unternehmen nachweislich um ein Drittel billiger erbracht werden können. Insgesamt beschäftigen die Länder und Gemeinden alleine im Baubereich über 32.000 Beamte, die in Eigenregie ein Volumen von 20 Mrd Schilling bewegen.

Forciert werden müsse nach Ansicht Lahofers auch die thermische Sanierung und der Denkmalschutz. "Da hat es in letzter Zeit nur Lippenbekenntnisse in Sonntagsreden gegeben". Laut einer Studie der Donau-Universität Krems müssen in den nächsten 20 Jahren über 1,5 Millionen Wohneinheiten gründlich saniert werden, um die Energieeffizienz zu verbessern. Die Experten schätzen das Investitionsvolumen auf rund 12 Mrd Schilling pro Jahr. "Jede Milliarde Schilling, die wir in die thermische Sanierung investieren, schützt nicht nur die Umwelt, sondern sichert mindestens 1.800 Arbeitsplätze", erläutert Lahofer.

Aber auch in der Restaurierung und Erhaltung von Kulturbauten steckt noch ein enormes wirtschaftliches und beschäftigungspolitisches Potential. Derzeit gibt es in Österreich rund 36.000 erhaltungswürdige, historische Bauten. Um dieses kulturelle Erbe für die Nachwelt zu erhalten, müssten in den nächsten 10 Jahren rund 151 Mrd Schilling investiert werden. Der europäische Verband der kleinen und mittleren Unternehmen (UEAPME) schätzt, dass bei entsprechender Dotierung mindestens 20.000 neue Arbeitsplätze in diesem Bereich in Österreich geschaffen werden können. Finanziert werden könnten diese Investitionen zum Teil aus Mitteln des Jubiläumsfonds der Nationalbank. (MH)

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