ÖGB-Rolzhauser zu Bartenstein: Atypische Beschäftigung nicht schönreden

Flexibilität darf nicht ausschließlich auf Kosten der ArbeitnehmerInnen gehen

Wien (ÖGB). "Minister Bartenstein soll die atypische Beschäftigung nicht schönreden. Natürlich gibt es bei einigen der Beschäftigungsformen auch Vorteile, wie die freiere Zeiteinteilung. Die Nachteile, wie ein unregelmäßiges bzw. niedriges Einkommen oder die unzureichende soziale Absicherung überwiegen aber klar", reagiert die ÖGB-Expertin für atypische Beschäftigung, Elisabeth Rolzhauser auf Aussagen Minister Bartensteins. Dieser hatte in einem APA-Interview vom Sonntag die Ergebnisse einer Studie präsentiert, wonach, die Hälfte der Freien DienstnehmerInnen und geringfügig Beschäftigten keine Änderung wünschten. Dem ÖGB warf er vor, mit der Forderung nach Verbesserungen gegen die Interessen der Betroffenen zu agieren. ++++

Dazu Rolzhauser: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Freier Dienstnehmer etwas dagegen hätte, Weihnachtsgeld zu bekommen oder im Krankheitsfall durch Krankengeld abgesichert zu sein." Dem ÖGB sei bewusst, dass manche Freien DienstnehmerInnen und neue Selbständige ihr Arbeitsverhältnis absichtlich so wählten, weil sie den Vorteil der flexibleren Zeiteinteilung gegenüber einem normalen Dienstverhältnis schätzten. "Das wollen wir auch nicht ändern. Was wir fordern, dass ist ein ausreichender sozial- und arbeitsrechtlicher Schutz für die solcherart Beschäftigten", sagt die ÖGB-Expertin. Die unzureichende Absicherung störe manche auf den ersten Blick nicht. Bei Eintritt einer Situation, in der sie nicht voll arbeiten können, ändere sich das aber massiv. "Zum Beispiel, wenn eine Freie Dienstnehmerin schwanger wird und feststellen muss, dass sie keinen Anspruch auf Mutterschutz hat. Oder wenn ein Fahrradbote einen Unfall erleidet, und trotz längeren Ausfalls keinen Anspruch auf Krankengeld hat", berichtet Rolzhauser aus der Praxis.

Bartensteins Zugang, Teilzeitarbeitende nicht zu den atypisch Beschäftigten zu rechnen, weil sie die gleichen Sozialrechte haben wie die Vollzeitbeschäftigten, goutiert Rolzhauser nicht. "Faktum ist, dass das Einkommen aus Teilzeitarbeit oft kaum zum Überleben ausreicht. Die Transferleistungen, die aus einem derartigen Einkommen resultieren, tun dies noch weniger", erklärt Rolzhauser. Zudem sei die "Freiwilligkeit" vieler Frauen, einen Teilzeitjob auszuüben, oft eine "relative": "Würde die ganze Last der Betreuung nicht an den Frauen hängen bleiben oder gäbe es eine größere Zahl an kostengünstigen und flexiblen Kinderbetreuungseinrichtungen, würden viele vielleicht doch lieber Vollzeit arbeiten."

Und zu Bartensteins Ansatz, anstelle von "atypischen" Beschäftigungsformen von neuen Arbeitsformen zu sprechen, da "atypisch" einen negativen Beigeschmack habe, meint Rolzhauser:
"Schönreden hilft nicht. Durch eine Namensänderung wird die sozial-und arbeitsrechtliche Situation der Betroffenen sicher nicht besser." (mfr)

ÖGB, 3. Dezember 2001
Nr. 1040

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